Sport

Rennserie startet in die ZukunftLeistung, Regeln, Marken: DTM wagt Neustart

03.05.2019, 11:45 Uhr
imago39906092h
Mercedes geht, Aston Martin kommt: Die DTM steht vor einer wichtigen Saison. (Foto: imago images / HochZwei)

Es wird Altes weggeworfen und Neues eingeführt: Beim Saisonauftakt des Deutschen Tourenwagen-Masters erinnert kaum noch etwas an vergangene Jahre. Stattdessen zeigt sich die Rennserie in einem neuen Gewand - und will den Beginn einer neuen Ära einläuten.

Mit einer Reihe von Neuerungen startet das Deutsche Tourenwagen-Masters in die Saison. Aston Martin hat den Platz von Mercedes übernommen, die sich nun ausschließlich auf die Formel 1 und die vollelektrische Formel E konzentrieren wollen. Der Neueinsteiger will Audi und BMW schnell Konkurrenz machen. Frische Gesichter, technische Reformen und neue Gastgeber - die wichtigsten Fakten zum DTM-Auftakt in Hockenheim am Wochenende:

imago39906199h
René Rast gehört in seinem Audi zu den Favoriten auf den Titel. (Foto: imago images / HochZwei)

Die Titelfavoriten: Vorjahresmeister Gary Paffett ist durch den Ausstieg von Mercedes nicht mehr dabei. Audi-Pilot René Rast hat die letzten sechs Rennen gewonnen und möchte seine Erfolgsserie fortsetzen. Beim Test auf dem Lausitzring war sein Rennstall am Schnellsten. Aber auch Ex-Champion Marco Wittmann (BMW) und der ehemalige Formel-1-Fahrer Timo Glock (BMW) gehören zu möglichen Titelanwärtern. "Es ist ganz schwierig, einen Favoriten zu benennen. Ab dem dritten oder vierten Rennen werden wir sehen, ob sich ein Favoritenfeld herauskristallisiert", sagt BMW-Motorsportchef Jens Marquardt.

Rasender Urenkel: Mit Ferdinand Habsburg sitzt der Urenkel des letzten österreichischen Kaisers im Aston Martin. Der 22-Jährige ist einer von fünf Rookies und geht unbeschwert in sein erstes DTM-Rennen: "Ich fahre am besten, wenn ich genießen kann." Auch Audi-Neuling Pietro Fittipaldi besitzt prominente Wurzeln. Der Großvater des Brasilianers ist der zweimalige Formel-1-Weltmeister Emerson Fittipald. Ebenso erstmals am Start sind Jake Dennis (Aston Martin) sowie die Südafrikaner Sheldon van der Linde (BMW) und Jonathan Aberdein (Audi).

imago39905902h
Blaues Blut und blauer Helm: Ferdinand Habsburg ist ein Urenkel der kaiserlichen Habsburger-Dynastie. (Foto: imago images / HochZwei)

58 Minuten: Dauerte in der vergangenen Saison ein Rennen 55 Minuten plus eine Runde, wird 2019 je nach Strecke eine bestimmte Rundenzahl vorgegeben mit einer Zeit von 58 Minuten als Orientierung. Kommt das Safety Car zum Einsatz, kann das Rennen um bis zu drei Runden verlängert werden. Die maximale Renndauer ist auf 70 Minuten begrenzt. Zolder (Belgien) und Assen (Niederlande) wurden als neue Strecken in den Rennkalender aufgenommen, wobei Zolder der Austragungsort des ersten DTM-Rennens im Jahr 1984 war.

Turbo statt Sauger: Ein ganz neuer Motor kommt zum Einsatz. Vier Zylinder statt acht Töpfe sowie Turbo statt Sauger. Der zwei Liter große Turbo hat 610 PS, rund 100 Pferdestärken mehr als das Vorgänger-Aggregat. Das Gesamtgewicht des Fahrzeugs wurde auf 986 Kilogramm gesenkt. "Viel Leistung - wenig Gewicht", beschrieb Audi-Motorsportchef Dieter Gass das Konzept. Zum ersten Mal seit vielen Jahren könne es aber auch zu Ausfällen wegen technischer Defekte kommen. "Ein Vierzylinder hat ganz andere Ansprüche als ein Achtzylinder", sagt Gass.

Rasante Überholmanöver: Der Fahrer kann per Knopfdruck rund 30 PS mehr Leistung für etwa fünf Sekunden abrufen. Der Einsatz ist auf maximal 60 Sekunden limitiert. Mit dem "Push-to-Pass"-Knopf soll das Überholen erleichtert werden, wenn der Abstand auf den Vordermann maximal drei Sekunden beträgt. Einzige Ausnahme: die letzten fünf Runden der Rennen - in dieser Zeit dürfen alle Fahrer außer dem Führenden ohne Einschränkung DRS und "Push to Pass" einsetzen. Ansonsten darf der Knopf höchstens zwölf Mal pro Rennen gedrückt werden. In der Qualifikation ist die Aktivierung untersagt.

imago39906147h
Mike Rockenfeller freut sich auf das Streckenlayout des ersten Rennens. Mit dem größeren Heckflügel soll das Überholen noch leichter werden. (Foto: imago images / HochZwei)

Gerade im ersten und letzten Rennen auf dem Hockenheimring wird das System Wirkung zeigen. "Das Streckenlayout ist perfekt für Überholmanöver", sagt Audi-Fahrer Mike Rockenfeller, Champion von 2013. Helfen beim Überholen soll auch der größere Heckflügel, mit dem per DRS-System der Luftwiderstand verringert und das Tempo erhöht werden kann.

Finale als Neubeginn: Zum Abschluss der Saison fährt die DTM auf dem Fuji Speedway in Japan gemeinsam mit der Super GT-Serie. Deren Fahrzeuge basieren auf dem gleichen Reglement. Die Rennen zählen jedoch nicht mit zur Meisterschaft in der DTM. Das Event soll zu einer Zusammenarbeit beider Serien führen, um die Zukunft der DTM zu sichern, wie Audi-Motorsportchef Dieter Gass erklärt: "Vielleicht entsteht ein Austausch, dass japanische Hersteller in der DTM an den Start gehen und deutsche Hersteller in Japan. Darauf möchten wir hinarbeiten."

Große Ambitionen: "Wir haben neue Motoren, mehr PS, in Aston Martin einen neuen Hersteller", sagte Serien-Chef Gerhard Berger vor dem Saisonstart: "Wir gehen in ein DTM-Jahr, das sich überhaupt nicht einschätzen lässt. Und darauf freuen wir uns." Will die Serie überleben, muss sie sich internationaler aufstellen. Der Einstieg von Aston Martin ist ein erster Schritt, weitere werden folgen müssen. "Wir wollen in Deutschland und Europa stärker werden, und letztlich auch auf der ganzen Welt", sagte Berger. Nur viele Hersteller und internationales Flair sichern der DTM den Wettbewerb, der ihr auf dem umkämpften Motorsportmarkt eine Zukunft ermöglicht.

Quelle: Thomas Flehmer, dpa

DTMMotorsport