Deutsches Duo glänztLindsey Vonn abgehängt: Emma Aicher rast in Olympia-Favoritenrolle

Skirennläuferin Emma Aicher stellt drei Wochen vor den Olympischen Spielen ihre Rolle als Anwärterin auf eine Medaille eindrucksvoll unter Beweis. Den Super-G in Tarvisio gewinnt sie furios. Tags zuvor hatte ihre Teamkollegin in der Abfahrt geglänzt.
Emma Aicher ließ nach ihrer Traumfahrt einen Jubelschrei los, riss die Arme in die Höhe und nahm dann mit einem Grinsen auf dem roten Stuhl der Führenden Platz. Dort durfte sie anschließend bis zur Siegerehrung sitzen bleiben, denn: Drei Wochen vor dem Beginn der Olympischen Spiele raste die 22-Jährige beim Super-G im italienischen Tarvisio zu ihrem vierten Sieg im Weltcup.
Aicher nährte mit ihrem zweiten Saisonerfolg ebenso Hoffnungen auf eine olympische Medaille wie Kira Weidle-Winkelmann, die am Tag zuvor als Zweite in der Abfahrt geglänzt hatte. "Bis Olympia ist es schon noch ein gutes Stück hin", sagte Aicher gewohnt gelassen zu ihren Chancen bei den Spielen, "bis dahin konzentriere ich mich auf mein Skifahren, und dann werden wir es sehen, wenn wir da sind."
Vom Podest nicht mehr wegzudenken
Wie bei ihrem Sieg Mitte Dezember bei einer von zwei Abfahrten in St. Moritz gewann Aicher vor Lindsey Vonn (+0,27 Sekunden): Die 41 Jahre alte Amerikanerin hatte am Vortag hinter Nicol Delago (Italien) und Weidle-Winkelmann Rang drei belegt – in den acht Speed-Rennen dieses Winters stand sie nun siebenmal auf dem Podest. Sie fährt als große Medaillenfavoritin zu den Rennen in Cortina d'Ampezzo. Und als große Rivalin von Vonn.
Frauen-Bundestrainer Andreas Puelacher wagt sogar schon erste Vergleiche. "Die Emma ist auf der gleichen Stufe wie die Lindsey, vom Gefühl her", sagte er unlängst. Vom skifahrerischen Gefühl her versteht sich – und zwar vor allem in den schnellen Disziplinen Abfahrt und Super-G. Ob in den Gleitpassagen oder Kurven – hier kommt Aichers gutes Gespür besonders zum Tragen.
Auch Weidle-Winkelmann darf sich Hoffnungen machen. Tatsächlich war sie in der Abfahrt bei der letzten Zwischenzeit noch die Schnellste gewesen, verlor dann aber auf den letzten 15 Fahrsekunden noch jene 0,20 Sekunden auf Delago, die am Ende zu ihrem ersten Triumph im Weltcup fehlten. "Das tut weh, aber letztendlich weiß ich, dass es auf jeden Fall möglich ist, ein Rennen zu gewinnen", sagte sie.
"Der Trend geht in die richtige Richtung."
Beim Super-G-Sieg von Aicher belegte Weidle-Winkelmann Rang acht (+1,22), wie schon nach der Abfahrt bemängelte sie einige kleine Fehler - betonte aber auch: "Der Trend geht in die richtige Richtung." Hinzu kommt: Auf der "Olimpia delle Tofane", wo am 8. und 11. Februar Abfahrt und Super-G ausgetragen werden, hat Weidle-Winkelmann schon mal überrascht. Bei der WM 2021 gewann sie dort Silber in der alpinen Königsdisziplin.
Aicher dagegen gehört nicht nur in der Abfahrt und im Super-G zum Kreis der Medaillenanwärterinnen, auch im Slalom ist ihr zuzutrauen, auf das Podest zu fahren. Bereits zweimal erreichte sie in dieser Disziplin in diesem Winter Rang drei im Weltcup. Bemerkenswert: Im Gesamtweltcup liegt Aicher, die als einzige Läuferin alle Rennen im Weltcup fährt, hinter Mikaela Shiffrin (USA) und Camilla Rast (Schweiz) nun schon auf Rang drei.