Nur einmal hat Weltmeister AngstLuke Littler demontiert Gian van Veen im Finale der Darts-WM

Luke Littler ist zum zweiten Mal in Folge Darts-Weltmeister. Der 18 Jahre junge Engländer besiegt den Niederländer Gian van Veen mit 7:1. Nur in einer Szene hat Littler Angst.
Mittlerweile wird es unheimlich: Das Finale der Darts-WM 2026 sollte ein epischer Knaller werden, wird aber an diesem Samstagabend im Londoner Alexandra Palace zur einseitigen Littler-Show. Der 18-jährige Engländer Luke Littler demontiert seinen Gegner Gian van Veen nach allen Regeln der Darts-Kunst. Am Ende gewinnt der Vize-Weltmeister von 2024 (mit 16 Jahren), Weltmeister von 2025 (mit 17 Jahren) seinen zweiten WM-Titel in beeindruckender Art und Weise. Am Ende steht ein 7:1-Sieg für Littler auf der Anzeigetafel - und das Rekord-Preisgeld in Höhe von einer Million Pfund (1,15 Millionen Euro) wandert auf das Konto des 18-Jährigen.
Dabei ist in der Anfangsphase alles angerichtet für ein ausgeglichenes Spiel. Im ersten Satz geht es beim Stand von 2:2 in den Legs in den Decider. Im bisherigen Turnierverlauf war das die große Stärke von Gian van Veen. Der Niederländer hatte sage und schreibe 12 von 13 Entscheidungsleg gewonnen. Und zu Beginn des Endspiels kann der Niederländer diese herausragende Bilanz ausbauen. Unter Druck unterlaufen beiden Spielern Fehler beim Wurf auf die Doppelfelder, van Veen nutzt die Patzer von Littler am Ende für den Satzgewinn.
Und der Niederländer hatte die Partie zu Beginn tatsächlich deutlich in seine Richtung schicken können. Doch selbst zwei Highfinishes im zweiten Satz reichen nicht, um den Satz zu gewinnen. Littler erhöht den Druck und zwingt seinen Gegner regelrecht dazu, in jedem Leg ein hohes Finish auf Null zu bringen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Und das geht auch im Decider des zweiten Satzes nicht gut: Van Veen verpasst die Doppel-8 knapp, Littler holt sich auf seiner geliebten Doppel-10 den Ausgleich in den Sätzen und geht erstmals so richtig aus dem Sattel.
Dieses Momentum kann Littler daraufhin aufrechterhalten. In den nachfolgenden Sätzen ist Littler der klar bessere Mann, mit 3:1, 3:0 und 3:1 gehen die nächsten drei Durchgänge an den Engländer. Littler ist im Scoring der klar bessere Mann und checkt. "Gian van Veen ist in Gefahr", bringt es Sky-Experte Wayne Mardle im Kommentar auf den Punkt. Das Publikum, in früheren Runden teils gegen Littler, ist auch kein Faktor. Zeitweise ist es sogar ungewohnt ruhig im "Ally Pally".
Plötzlich ist die Wespe zurück
Das größte Highlight im fünften Satz ist das Comeback der "Ally-Pally-Wespe": Littler zappelt und schrickt zurück, als eine Wespe über die Bühne fliegt. Vor der Weihnachtspause waren regelmäßig Wespen auf der Bühne, danach gar nicht mehr. Zum Finale gibt es die große Rückkehr. Und die Szene ist sinnbildlich für den Verlauf der Partie: Littler hat mehr Angst vor der Wespe als Gian van Veen, aber aus der Bahn wirft die Unterbrechung wiederum nur den Niederländer.
Van Veen sieht keinen Stich. Auch im sechsten Satz läuft es nicht für den 23-Jährigen. Zwar bekommt der amtierende Europameister und Junioren-Weltmeister zwei Darts auf Doppel 15. Beide landen aber außerhalb des acht Millimeter schmalen Feldes. Littler rast mit einem 3:0 in den Legs zur 5:1-Satzführung und damit in Richtung Titelverteidigung.
Ab diesem Moment ist die Partie endgültig entschieden, manche Zuschauer ob der Dominanz von Littler regelrecht eingeschläfert. Gian van Veen ist chancenlos, obwohl er selbst einen Schnitt von 100 Punkten pro Aufnahme wirft. Auch Satz sieben geht mit 3:0 an Littler. Im achten Satz setzt sich das Darts-Wunderkind mit 3:1 durch - mit einem 147er-Finish entscheidet der überragende Littler die Partie und damit die WM.
Abend der Abschiede
Der Finalabend der 33. PDC-Weltmeisterschaft geht auch als Abend der Abschiede in die Darts-Geschichte ein. Ansager John McDonald war zum letzten Mal als Zeremonienmeister (Master of Ceremonies) im Einsatz. Seine Frau und seine vier Söhne waren vor Ort und sahen McDonald zu, wie er mit seiner ikonischen Ansage ("It's time to meet the players") zum letzten Mal die Spieler auf die Bühne holte und nach dem Spiel letztmals eine Trophäenübergabe moderierte.
John McDonald wurde im Januar 2007 von der PDC verpflichtet, war in seinem früheren Leben Ansager beim Boxen und noch früher Fallschirmjäger bei der britischen Armee. Mit seinen 66 Jahren hängt der Engländer das Mikrofon jetzt ein für alle Mal an den Nagel.
Aufgehört hat an diesem Finalabend auch George Noble, der Caller und Schiedsrichter. Auch für ihn ist nach 19 Jahren Schluss.
Schluss ist auch für den Austragungsort in der West Hall des riesigen Alexandra Palace. Die Darts-WM ist für die enge, stickige Halle zu groß geworden. Die nächste Weltmeisterschaft findet in der deutlich größeren Main Hall statt. Hier können 5000 statt 3200 Fans pro Session live dabei sein - und vielleicht auch im nächsten Jahr Luke Littler und Gian van Veen im Finale sehen.