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Anklage in "Operation Aderlass" Mark S. droht mehrjährige Haftstrafe

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(Foto: imago images / Roland Mühlanger)

Der mutmaßliche Drahtzieher des Erfurter Blutdoping-Netzwerkes und seine Helfer kommen vor Gericht. Die Münchner Staatsanwaltschaft erhebt nach zehnmonatigen Ermittlungen nun die Anklage. Ein Verhandlungstermin steht aber noch nicht fest.

Zehn Monate nachdem Ski-Langläufer Max Hauke während der Operation Aderlass in flagranti mit einer Bluttransfusion im Arm erwischt wurde, hat die Staatsanwaltschaft München jetzt Anklage gegen den mutmaßlichen Drahtzieher des Dopingnetzwerks erhoben. Dem Erfurter Sportarzt Mark S. und vier seiner Helfer werden unter anderem eine gewerbsmäßige und teilweise bandenmäßige Anwendung verbotener Dopingmethoden oder Beihilfe dazu vorgeworfen. Über die Eröffnung des Prozesses hat das Landgericht München II noch nicht entschieden.

"Es ist möglich, dass der Sportarzt mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen muss. Bei den anderen kommt es auf die Hinweise zu der konkreten Tatbeteiligung an", sagte die Münchner Oberstaatsanwältin Anne Leiding. Gegen Mark S. bestehe zudem der Verdacht der gefährlichen Körperverletzung. Zwei der fünf Beschuldigten befinden sich laut Behörde seit ihrer Festnahme Ende Februar bzw. Mitte März noch immer in Untersuchungshaft, drei der Beschuldigten wurden im Mai und Juni 2019 aus der Haft entlassen.

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass im Zuge der Affäre 23 Sportler aus acht europäischen Ländern Blutdoping an sich vornehmen ließen. In Österreich wurde der österreichische Langläufer Hauke Ende Oktober vom Landgericht Innsbruck zu fünf Monaten Haft verurteilt. Auch gegen Haukes Landsmann, dem Langläufer Dominik Baldauf, wurde bereits Anklage erhoben. Aus Deutschland zählen der ehemalige Radrennfahrer Danilo Hondo und der frühere Eisschnellläufer Robert Lehmann-Dolle zu den beteiligten Athleten. Neben dem Kronzeugen Johannes Dürr aus Österreich waren weitere Langläufer aus Estland und Kasachstan sowie Radrennfahrer aus Österreich, Slowenien und Kroatien involviert.

"Unbekannte Anzahl von Fällen"

Wie die Behörde mitteilte, seien in der 145-seitigen Anklageschrift über 30 Zeugen, darunter zahlreiche Sportler, benannt worden. Die Akten des Verfahrens umfassten 54 Bände, wann es zu einer Hauptverhandlung kommen wird, blieb offen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Sportarzt Mark S. seit Ende 2011 "regelmäßig und in einer unbekannten Anzahl von Fällen" weltweit Blutdoping betrieben haben soll. Der Schwerpunkt soll aber in Europa, und da vor allem in Deutschland und Österreich gelegen haben. Dabei soll Mark S. vor allem im Rad- und Wintersport aktiv gewesen sein.

Der beschuldigte Sportmediziner habe laut Anklage zur Steigerung der sportlichen Ausdauer- und Leistungsfähigkeit bei seinen Athleten die Entnahme, den Austausch und die Behandlung von Blut vollzogen. Zudem habe der Mediziner die Sportler mit Wachstumshormonen versorgt. Seit 2014, so die Staatsanwaltschaft, habe Mark S. einen Kreis von Personen miteinbezogen, der für ihn im Rahmen des Eigenblutdopings Maßnahmen durchführte. Dazu gehörten Fahrdienste oder auch der Transport und die Lagerung von Teilen des benötigten Equipments. Im September 2017 soll Mark S. einer Sportlerin in deren Wohnung ein neuartiges Präparat namens Erythrozyten verabreicht haben. Der Arzt soll erklärt haben, dass dieses Mittel steril und bereits an mehreren Personen ausprobiert worden sei. Tatsächlich aber stellten sich bei der Athletin nach einer halben Stunde starke Nebenwirkungen ein.

Quelle: ntv.de, tno/sid