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Homeruns made in Germany Max Kepler, der seltene Baseball-Star

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Max Kepler wird "enorme" Qualität attestiert.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Major League Baseball und deutsche Profis - das hat viele Jahre nicht gepasst. Doch jetzt gibt es mit Max Kepler aus Berlin jemanden, der im Trikot der Minnesota Twins für Aufsehen sorgt. Der 26-Jährige ist auf dem Weg, der erste europäische Star der Liga zu werden.

Auf die Frage, wie viel er über den Baseball in Deutschland wisse, reagiert Rocco Baldelli mit einer kurzen und ehrlichen Antwort. "Überhaupt nichts." Allerdings kann der Trainer der Minnesota Twins umso ausgiebiger über Max Kepler Auskunft geben, seinen Right Fielder und Homerun-König aus Berlin. Der 26-Jährige ist unter den knapp 1000 MLB-Profis der einzige Deutsche. Und er ist in Minnesota ein absoluter Leistungsträger geworden.

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"Wenn das Spiel auf der Kippe steht, willst du Max am Schlag haben. Seine Qualität in der Offensive ist enorm", sagt Baldelli. Nelson Cruz denkt ähnlich. "Max ist immer Derjenige, auf den ich tippe, wenn wir eine große Offensiv-Aktion benötigen." Cruz wiederum ist Derjenige mit dem größten Gehalt bei den Twins. Sein Salär von 14 Millionen Dollar ist mehr als doppelt so hoch wie das von Kepler, der sechs Millionen Dollar bekommt. Das sind immerhin auch knapp 5,5 Millionen Euro. Der 39 Jahre alte Cruz wird vor allem dafür bezahlt, Homeruns zu schlagen.

In den vergangenen fünf Jahren hat er im Schnitt 40,6 Mal den Baseball auf die Tribünen gedroschen - oder sogar darüber hinaus. In dieser Saison ist das dem Mann aus der Dominikanischen Republik, wo Baseball der populärste Sport ist, 35 Mal gelungen. Somit liegt Cruz im Team-Ranking auf Platz zwei. Vor ihm steht nur Kepler. In dessen Heimat wiederum fristet Baseball ein Schattendasein. Der Deutsche hat 36 Homeruns geschlagen. In der Liga wird er damit auf Platz zwölf geführt. Er achte während der Saison "nicht so sehr auf die Zahlen", sondern vergleiche sie erst hinterher mit denen der Vorjahre. Aber an einem Wert kommt er, so sehr er es auch versucht, einfach nicht vorbei. "Die Homeruns siehste überall, die kannste gar nicht ignorieren."

800.000 Dollar für Teenager-Talent Kepler

Denn im statistikverliebten Amerika ist die Anzahl der Homeruns der wichtigste Wert aller professionellen Sportligen. Und mit seinen 36 Homeruns hat Kepler bereits seinen Platz im MLB-Rekordbuch. In der 116-jährigen Liga-Historie hat noch kein Europäer so oft den kleinen, weißen Hartball über die Feldbegrenzung hinausgedroschen. Und diese Bestmarke wiederum ist nicht die Einzige, die dieser Maximilian Kepler-Rozycki bisher aufgestellt hat.

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Als 16-Jähriger bracht Kepler von Berlin aus auf in die USA.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Als er 2009 im Alter von 16 Jahren einen Vertrag bei den Twins unterschrieb, zahlte Minnesota 800.000 Dollar. Nie zuvor hatte ein MLB-Team für einen europäischen Nachwuchs-Spieler so viel investiert. Und als Kepler am 1. August 2016 im Spiel gegen die Cleveland Indians gleich drei Homeruns gelangen, hatte er einen weiteren Rekord für einen Spieler vom alten Kontinent aufgestellt. In der MLB sind neben den einheimischen Akteuren vor allem Spieler aus Japan, Kuba, Venezuela, der Dominikanischen Republik oder Panama zu prägenden Profis geworden. Max Kepler ist nun der erste Europäer, der für Schlagzeilen sorgt.

Minnesotas größte Tageszeitung, der "Star Tribune", bezeichnete den Sohn einer Amerikanerin und eines Polen als "seltenen MLB-Star aus Europa". Die Twins haben ihren Import, der auf dem rechten Oberarm die Berliner Telefonvorwahl "030" tätowiert hat, im Frühjahr bis 2023 gebunden. Trainer Baldelli sagt, Kepler sei trotz der enormen Leistungssteigerung in dieser Saison "ja noch jung und somit entwicklungsfähig. Ich freue mich einfach, zu sehen, wie es mit ihm weitergeht". In der Defensive spielt Linkshänder Kepler im rechten Außenfeld und muss von dort aus den Baseball mitunter über eine Distanz von 100 Meter genau zum Mitspieler werfen können. Ist Minnesota im Angriff, steht der Deutsche als erster am Schlag.

Ein ruhiger Typ - wie Dirk Nowitzki

 Am meisten lerne er, betont Kepler, wenn einfach nichts klappe, er keinen Ball treffe. Misserfolg sein "ein fester Bestandteil von Baseball." Selbst die besten Profis treffen nur jeden dritten Ball richtig. Von Cruz hat Kepler gelernt, "am Schlag aggressiver zu sein". Cruz wiederum hat durch Kepler so viel über Deutschland erfahren, dass er "dort unbedingt mal hin" möchte. Von 2006 bis 2013 spielte Cruz für die Texas Rangers in Dallas. Dort hat er Dirk Nowitzki kennengelernt. "Wir sind Freunde", betont er stolz.

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Superstar Nowitzki habe ihn zu Spielen der Mavericks eingeladen, sagt Cruz und der deutsche Basketballer sei öfter zu Partien der Rangers gekommen. Nun wäre es absurd, Kepler mit Nowitzki zu vergleichen. Aber Cruz erkennt zumindest eine Gemeinsamkeit. "Beide sind eher ruhige Typen, reden nicht viel, sondern lassen lieber ihre Leistungen auf dem Platz sprechen." Nowitzki war fast 33 Jahre alt, als er Dallas 2011 zum Titelgewinn in der NBA geführt hatte. Die Mavericks galten damals nicht als Favoriten.

In einer ähnlichen Position sind jetzt die Minnesota Twins - obwohl sie in dieser Saison einen neuen Liga-Rekord für Homeruns aufgestellt haben. Doch als Titelanwärter in den Anfang Oktober beginnen Playoffs gelten vor allem Rekordmeister New York Yankees, 2017-Champion Houston Astros und Vizemeister Los Angeles Dodgers. Kepler und Co ist das ganz Recht. Sie sind trotzdem selbstbewusst. Und sie wissen: um tatsächlich in der K.-o.-Runde eine Chance zu haben, wird es nicht nur auf Amerikaner, Venezolaner oder Dominikaner ankommen, sondern erstmals in der MLB-Geschichte auch auf einen Deutschen. Auf Max Kepler aus Berlin-Charlottenburg.

Quelle: n-tv.de

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