Sport

Drama im paralympischen Dorf Müller holt Kanu-Gold - gegen alle Zweifler

Edina Müller kämpft lange dafür, dass ihr Sohn, den sie noch stillt, mit zu den Paralympics darf. Sie setzt sich durch. Auf der Kanu-Strecke gewinnt sie nun Gold. Am Rande der Wettbewerbe werden Einzelheiten über einen dramatischen Zwischenfall im paralympischen Dorf bekannt.

Edina Müller hat bei den Paralympischen Spielen in Tokio ihre erste Goldmedaille im Kanu gewonnen. Die 38-Jährige setzte sich auf dem Sea Forest Waterway im Finale über 200 Meter in 53,958 Sekunden vor der Ukrainerin Marina Maschula (+0,847 Sekunden) durch und gewann damit nach Silber in Rio ihr zweites Edelmetall in ihrer neuen Sportart. Zuvor hatte die Hamburgerin bereits als Rollstuhlbasketballerin Gold und Silber geholt.

"In dem Moment hat man nur das Gefühl, dass man alles richtig gemacht hat. Es gab in der ganzen Zeit viele Zweifler, viele Leute, die nicht an mich geglaubt haben. Da jetzt zu stehen mit der Goldmedaille ist der Wahnsinn", sagte Müller: "Natürlich fällt eine wahnsinnige Last von einem ab. Es war eins der besten Rennen." Durch ihren Vorlaufsieg am Donnerstag hatte sie das Halbfinale in der Startklasse KL1 überspringen dürfen und konnte so Kräfte für den Endlauf sparen.

Müller hat als einzige deutsche Athletin Nachwuchs mit in Japan, sie stillt ihren zweijährigen Sohn Liam noch. Deshalb musste die querschnittsgelähmte Kanutin in Coronazeiten außerhalb des paralympischen Dorfs in einem Hotel wohnen und damit Extraanstrengungen auf sich nehmen.

Nachwuchshoffnung Felicia Laberer holte gleich bei ihrem Paralympics-Debüt Bronze. Die 20-Jährige paddelte in der Startklasse KL3 in 51,868 Sekunden auf Rang drei und holte nach EM-Gold ihre zweite internationale Medaille. "Fantastisch, ich bin sprachlos", sagte die Berlinerin: "Wir sind eh die Partyeinheit. Heute Abend wird es richtig abgehen." Anja Adler verpasste derweil in der Startklasse KL2 bei ihrer Paralympics-Premiere Edelmetall knapp. Die 32-Jährige kam in 54,155 Sekunden auf Rang vier, zu Bronze fehlten anderthalb Sekunden.

Dramatischer Zwischenfall im paralympischen Dorf

Abseits der Wettkämpfe wurden Einzelheiten über einen dramatischen Zwischenfall im paralympischen Dorf bekannt. Zwei Ärzte des deutschen Paralympics-Teams haben einem Belgier das Leben gerettet. Der Rollstuhltennis-Spieler Joachim Gerard war am Mittwochabend im paralympischen Dorf zusammengebrochen, doch Anja Hirschmüller und Stefan Sevenich konnten den früheren Weltranglisten-Ersten mit Hilfe eines brasilianischen Kollegen nach Aussage von Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), reanimieren.

Der Belgier konnte im Krankenhaus stabilisiert werden. Ihm wurde inzwischen ein Defibrillator eingesetzt. "Er ist auf dem Weg der Besserung", sagte Beucher nach Gesprächen mit dem belgischen Verband. Er zog Vergleiche zum Fall des Fußball-Profis Christian Eriksen. Der Däne war bei der Fußball-EM auf dem Spielfeld zusammengebrochen und musste wiederbelebt werden. Die Rettungsaktion des Belgiers sei "sein besonderer Moment" der Spiele gewesen, sagte Beucher. "Das hat mich stark beeindruckt".

Quelle: ntv.de, sue/sid

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