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"Widerlicher Heuchler" Nächster US-Sportler attackiert Trump

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Zack Steffen wirft Donald Trump Scheinheiligkeit vor.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Große Teile des US-Sports prangern nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd Ungleichheit in den USA an. Bisweilen entladen sich die Statements auch in gnadenloser Wut. Nach der vehementen Abrechnung von Star-Coach Gregg Popovich legt nun Torhüter Zack Steffen nach.

US-Nationaltorwart Zack Steffen hat Präsident Donald Trump Scheinheiligkeit vorgeworfen und will sich zukünftig stärker sozial engagieren. "Sie sind ein widerlicher Heuchler", schrieb der derzeit verletzte 24 Jahre alte Torwart von Fortuna Düsseldorf auf Twitter zu einem alten Tweet Trumps von Januar. Darin hatte der US-Präsident die Regierung des Iran dazu aufgefordert, Menschen demonstrieren zu lassen und weder zu verhaften noch umzubringen.

In den USA gibt es derzeit zahlreiche Demonstrationen gegen Polizeigewalt und Rassismus. Trump hatte den Demonstranten mit einem Einsatz des US-Militärs gedroht. In weiteren Beiträgen in den sozialen Netzwerken kündigte Steffen zudem an, sich mit einer Initiative für die Bewegung "Black lives matter" (Schwarze Leben zählen) zu engagieren. Details nannte Steffen nicht, dem Hashtag #Athletes4BLM zufolge scheint er aber Sportler versammeln zu wollen.

Die ungezähmte Wut auf den "gestörten Idioten" Trump hatte sich bereits gestern in einer gnadenlosen Abrechnung von Gregg Popovich entladen. "Trump spaltet nicht nur, er ist ein Zerstörer", schimpfte der Nationaltrainer der US-Basketballer und Star-Coach der San Antonio Spurs im Nachrichtenmagazin "The Nation". Trump "ist ein Feigling. Er frisst dich lebendig, wenn es ihm nutzt. Man sollte ihn einfach ignorieren. Er kann die Lage nicht verbessern, denn er ist, was er ist: Ein gestörter Idiot."

"Wir haben genug"

Die USA brennen. Eine Woche nach dem Tod des Afro-Amerikaners George Floyd durch Polizeigewalt ist das Land von teils gewaltsamen Protesten überzogen, dutzende Städte verhängten Ausgangssperren für die Nacht. Und der durch die Coronakrise ohnehin ausgebremste Sport? Er schaltet sich vehement ein - mit Systemkritik und Solidarität, aber auch Aufrufen zum Frieden und zur Einigkeit. "Wir haben genug", sagte die "zutiefst betrübte" und "schlichtweg wütende" NBA-Ikone Michael Jordan. Basketball-Legende Kareem Abdul-Jabbar sprach von "schrecklichen Zeiten" und warb für ein besseres Miteinander: "Geht raus in eure Gemeinden, lernt einander kennen und verstehen."

Wohin die jüngste Eskalation gesellschaftlich führt, ist völlig unklar. Fest steht dagegen: Die Wucht der weltweiten Reaktionen auf Floyds Tod, begleitet von öffentlichkeitswirksamen Aktionen von Sportstars wie Lewis Hamilton, Profis der Fußball-Bundesliga oder Klubs wie dem FC Liverpool, hat mitunter bereits ein Umdenken eingeleitet. Mehrere US-Sportverbände solidarisierten sich mit der "BlackLivesMatter"-Bewegung.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid