Sport

Isner trifft wieder auf Mahut Neuauflage des Tennis-Marathons

Die Chancen auf ein Wiedersehen stehen bei 1:13.000, doch das Unmögliche wird tatsächlich wahr: In der ersten Runde von Wimbledon trifft John Isner in diesem Jahr wieder auf Nicolas Mahut. Bei ihrem letzten Aufeinandertreffen auf dem "heiligen Rasen" duellierten sich die beiden 11 Stunden lang.

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Isner (l.) und Mahut bei ihrem letzten Aufeinandertreffen in Wimbledon.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Im Grunde genommen ist bei einem Tennisturnier die Auslosung immer ein Ereignis mit hohem Gähn-Faktor, selbst in Wimbledon. Am vergangenen Freitag, als der obligatorische "draw" trotz aller Inszenierungsbemühungen nur so dahinplätscherte, kam freilich ein Los in der Form eines Pulsbeschleunigers daher. "Oh, no!", rief deshalb auch ein Angestellter in der Umkleidekabine der Herren im All England Club an der Church Road aus, und Nicolas Mahut fragte erstaunt: "Was gibt's?" Antwort: "Sie spielen wieder gegen John Isner."

Mahut war fassungslos - nicht nur er. Isner gegen Mahut, die Rückkehr der Marathonmänner, Neuauflage des längsten Matches der Geschichte, wieder in Runde eins in Wimbledon. Die Chancen auf die Fortsetzung, haben schlaue Köpfe schnell errechnet, standen bei 1:13.781. Heute gibt's "Isner vs. Mahut reloaded", womöglich dürfen sie dann sogar auf den Centre Court oder Court 1, denn Court 18 mit seinen gerade mal 786 Sitzplätzen, wo das epische Duell vom 22. bis zum 24. Juni 2010 ausgetragen wurde, dürfte jedenfalls zu klein sein.

"Sein Herz war gebrochen"

Der US-Amerikaner Isner und der Franzose Mahut, seit jenem denkwürdigen 6:4, 3:6, 6:7, 7:6 und 70:68 dicke Freunde, wirkten zunächst mal wie gelähmt. Ihre gemeinsame Trainingseinheit am Freitagnachmittag sagten sie ab. "Das ist doch verrückt, fast schon brutal brutal", erklärte Isner, "in der vergangenen Woche habe ich ja noch Witze mit Nic gemacht und ihm eine SMS geschickt: Wart's mal ab, hab ich geschrieben, wir sehen uns wieder in der ersten Runde." Mahut fand diese Mitteilung nicht so prickelnd: "Nein, das wäre nicht cool."

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Nach 11 Stunden und fünf Minuten entschied Isner das Match für sich.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Den Franzosen hatte schließlich schon das erste Match fast gebrochen. Als nach drei Tagen, nach unglaublichen insgesamt 11:05 Stunden reiner Spielzeit, ein Longline-Passierball "an meiner Nase" vorbeiflog, "da war es das Ende der Welt für mich", sagte Mahut. "Als wir uns am Netz umarmten, konnte ich die Schmerzen in seinem Gesicht sehen - sein Herz war gebrochen", berichtete Isner. Mahut hatte fast drei Monate an der Niederlage zu knabbern, war mental völlig zerstört, wie aus seinem Buch 'Match meines Lebens' hervorgeht.

215 Asse und 61 Liter Wasser

Der Franzose hatte im letzten Satz in der Tat auch eine immense psychische Belastung auszuhalten. Isner schlug zuerst auf, Mahut musste nachziehen, um im Match zu bleiben. 64 Mal. Dann der Matchball. "Ich wusste, wie der Ball kommt. Aber ich konnte nichts machen", erinnert sich Mahut in seinem Buch: "Wie konnte so ein Match so enden? Zwei Tage habe ich aufgeschlagen, um im Match zu bleiben gegen diese Ass-Maschine, zwei Tage lang habe ich standgehalten. Nun fühle ich nichts. Ich höre nichts. Nur Kälte, die meinen Körper und mein Herz befällt."

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"Sein Herz war gebrochen": Isner und Mahut nach dem Tennis-Marathon.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Auf Court 18 hängt eine kleine Plakette, um an das Epos zu erinnern. Der letzte Satz alleine dauerte 8:11 Stunden und damit 98 Minuten länger als das bis dahin längste Match der Geschichte zwischen den Franzosen Fabrice Santoro und Arnaud Clement bei den French Open 2004. 980 Punkte wurden gespielt - der unterlegene Mahut gewann 502, 24 mehr als Isner. Zusammen tranken sie 108 "pints" Wasser, also 61,34 Liter. Mahut schlug 103 Asse, Isner 112. Bei seiner Zweitrundenniederlage gegen Thiemo de Bakker (Niederlande) gelang ihm keines.

Isner ist in den vergangenen zwölf Monaten von Rang 19 der Weltrangliste auf Rang 46 gefallen, Mahut trotz seines mentalen Durchhängers von Position 149 auf 99 geklettert. Im Januar haben sie beim Hopman Cup das erst Mal seit jenem 24. Juni 2010 gegeneinander gespielt, Isner gewann. Unspektakulär. Zwei Sätze. 90 Minuten. Ein Sprint.

Quelle: ntv.de, Thomas Häberlein, sid

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