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Auf Augenhöhe mit dem "Kaiser" Nowitzki macht sich unsterblich

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Der Lohn für 13 Jahre harte Arbeit. Nowitzki bekommt die Finals-MVP-Trophäe.

(Foto: dpa)

Nach dreizehn Jahren in der NBA erfüllt sich Superstar Dirk Nowitzki seinen Traum von der Meisterschaft in der stärksten Basketball-Liga der Welt. Der 32-Jährige spielt die Saison seines Lebens und steigt in den Olymp der deutschen Sportlegenden auf. Eine Verneigung vor einem großen Athleten.

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Leader of the Pack: Nowitzki stemmt den Meisterpokal in die Höhe.

(Foto: dpa)

"Ich kann es noch gar nicht glauben", stammelte Dirk Nowitzki, als NBA-Legende Bill Russell dem Basketball-Superstar die Trophäe für den wertvollsten Spieler (MVP) der Finals überreichte. In sechs Spielen bezwangen seine Dallas Mavericks die Miami Heat und sicherten sich zum ersten Mal in der Teamgeschichte den Meistertitel in der besten Basketball-Liga der Welt.

Der gebürtige Würzburger tilgte damit den letzten Makel seiner außergewöhnlichen Karriere. Niemand wird mehr von der verlorenen Finals-Serie gegen Miami 2006 reden, als die Texaner eine 2:0-Führung verspielten. Nach dreizehn Jahren und 1117 Pflichtspielen in der NBA erklimmt Nowitzki endlich den Olymp.

Die Basketball-Welt ist sich einig: Für "Magic" Johnson ist Dirk Nowitzki "einer der größten Basketballer aller Zeiten". Charles Barkley hat "seit 30 Jahren niemanden in der NBA gesehen, der ein so einzigartiges Spiel hat". Doch für die deutschen Sportfans ist es schwer, die Leistung von "Dirkules" einzuordnen.

Fernab der Basketball-Gemeinde, die ihren Dirk seit Jahren verehrt, verfolgten die wenigsten den Weg des einzigen deutschen Weltstars. Mit dem unverhofften Erfolg in diesem Jahr wuchs zwar das Interesse, doch live gab es die Gala-Auftritte nur im Pay-TV und im Internet. Kein Kommentator forderte die Zuschauer auf, ihre Kinder Dirk zu nennen. Stattdessen fabulierte Franz Josef Wagner im größten Boulevard-Blatt Deutschlands, Nowitzki könne vier Meter hoch springen und den Ball aus dreißig Meter in den Korb werfen. Nein, das kann Nowitzki nicht.

Ein Gigant unter den Großen

Was aber macht den langen Blonden zu einer Ausnahmeerscheinung? Er katapultierte die Dallas Mavericks aus den Untiefen einer Liga, in der die Dichte an außergewöhnlichen Spielern so hoch ist wie in den europäischen Meisterligen im Fußball und Handball, an die Spitze. Seit elf Jahren gewinnen die Texaner mindestens 50 Spiele in der Saison, und das mit nur einem einzigen Superstar in ihren Reihen.

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Miamis Superstar LeBron James ließ seine Leistung in den Finals vermissen, Nowitzki lieferte punktgenau.

(Foto: dpa)

Nowitzki gewann 2007 als erster Europäer die Auszeichnung als MVP der regulären Saison. Während andere sich auf ihren Lorbeeren ausruhen, dachte der Power Forward gar nicht daran, seine Karriere ausklingen zu lassen. Jahr für Jahr arbeitete er an seinen Fähigkeiten. Der Lohn: War er früher eine Waffe in der Offensive, konnte ihn in diesen Playoffs niemand mehr stoppen. Der wohl beste Basketballer der Welt, LeBron James, bezeichnete Nowitzkis Wurf als den zweitbesten in der Geschichte des Spiels - nach dem "Sky-Hook" des legendären Kareem Abdul-Jabbar.

In diesem Jahr lieferte der Finals-MVP eine der bemerkenswertesten Playoff-Leistungen der jüngeren Geschichte ab. Mit 28,1 Punkten war er der zweitbeste Punktesammler der Ausscheidungsrunde. Er führte eine Truppe, von vielen als zu alt abgestempelt, durch die harten Serien gegen Portland, Meister Los Angeles und Oklahoma City. Im Finale zeigte Nowitzki die mentale Stärke, die ihm manche Experten in der Vergangenheit absprachen. Allein in den letzten Vierteln der sechs Spiele erzielte er insgesamt 62 Punkte. Zum Vergleich: LeBron James konnte in dieser Zeit nur 19 Punkte verbuchen. 

Gegen alle Wahrscheinlichkeit

James wird mit diesen Zahlen bis mindestens nächste Saison leben müssen. Er und Nowitzki lieferten die Story dieser Finals. Während sich "Der Auserwählte", wie sich James selber nennt, vor der Saison mit Miami einem hochkarätigen Team anschloss, um seinen ersten Titel zu erringen, blieb Nowitzki bei seinen Mavericks. Der 32-Jährige verzichtete sogar auf Gehalt, um bessere Spieler an seiner Seite zu haben. Er bekam Peja Stojakovic, einen 34-Jährigen Dreierschützen mit chronischen Rückenbeschwerden. James wusste Dwyane Wade, Finals-MVP und Meister 2006, sowie Chris Bosh, fünfmaliger All-Star, neben sich.

Doch Nowitzki beschwerte sich nie. Auch nicht über seine Verletzungen: Die Finals spielte er mit einer gerissenen Sehne im linken Finger. Den entscheidenden Korb zum Sieg in Spiel zwei erzielte er mit einem Layup über die linke Hand. In Spiel vier brachte eine Grippe den Superstar an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Blass und ausgemergelt forderte er in den letzten Sekunden den Ball und sicherte den wichtigen Erfolg. Es sind diese Momente, die aus einem großen Spieler eine Legende machen.

Im Pantheon des deutschen Sports

Wie steht es also um Nowitzkis "Legacy", sein Vermächtnis, wie es die Amerikaner pathetisch formulieren? Mit dem Ring für die Meisterschaft zählt er sicherlich zu den 30 besten Spielern aller Zeiten in der NBA. Wo genau er einzustufen ist zwischen Michael Jordan, Larry Bird und Hakeem Olajuwon, darüber werden Fans und Experten über dem Großen Teich leidenschaftlich diskutieren.

In einer Ruhmeshalle des deutschen Sports würde Nowitzkis Statue mit 2,13 Metern alle anderen überragen. Dem bescheidenen Würzburger wäre das sicher unangenehm. Er würde wahrscheinlich darum bitten, seine Kollegen im Pantheon auf Sockel zu hieven, damit sie auf Augenhöhe stehen. Auf Augenhöhe mit Michael Schumacher, Franz Beckenbauer, Steffi Graf, Boris Becker und Max Schmeling. Das passt.

Quelle: n-tv.de

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