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French Open in der Kritik Osaka erhält viel Zuspruch nach Rückzug-Eklat

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Naomi Osaka bei ihrem einzigen Auftritt in Roland Garros in diesem Jahr.

(Foto: imago images/Shutterstock)

Naomi Osakas Medien-Boykott und der anschließende Ausstieg bei den French Open bewegt die Welt. Die Japanerin hatte sich aus Sorge um ihr eigenes Wohlbefinden frühzeitig vom Grand-Slam-Turnier zurückgezogen. Viele große Sportler stärken der Tennisspielerin den Rücken.

Das Echo auf den einzigartigen und mutigen Schritt von Naomi Osaka fiel gewaltig aus. Nicht allein die Tennis-Szene reagierte mit großer Sorge und voller Respekt auf den Rückzug der Ausnahmefigur von den French Open. Ob Basketball-Superstar Stephen Curry, Olympia-Ikone Usain Bolt oder Rockmusiker Gene Simmons von der legendären Band "Kiss" - alle zeigten sich bewegt und signalisierten der viermaligen Grand-Slam-Siegerin Unterstützung. Gleichzeitig drängt sich die Frage auf, ob der Streit um Osakas Presseboykott so enden musste.

"Du hättest nie in die Lage kommen dürfen, eine solche Entscheidung treffen zu müssen - aber es ist verdammt beeindruckend, dass du den schwierigen Weg nimmst, wenn die Mächtigen die Ihren nicht schützen. Großer Respekt", schrieb NBA-Profi Curry von den Golden State Warriors in den sozialen Netzwerken. "Ich hoffe wirklich, dass es ihr gut geht", twitterte die 18-malige Grand-Slam-Siegerin Martina Navratilova: "Als Sportler wird uns beigebracht, auf unseren Körper zu achten, und vielleicht kommt der mentale und emotionale Aspekt zu kurz."

Osaka hatte sich am Montag nach einem Streit um ihren Medien-Boykott aus den French Open zurückgezogen, dies sei das Beste für das Turnier, die anderen Spieler und ihr eigenes Wohlbefinden. In einem öffentlichen Statement teilte die 23-jährige Japanerin mit, seit den US Open 2018 immer wieder unter Depressionen zu leiden. In Paris habe sie sich "ängstlich und verwundbar" gefühlt. Dies offenbarte sie den Verantwortlichen aber offenbar erst mit ihrem Rückzug.

Veranstalter drohte mit harten Sanktionen

Der französische Tennisverband FFT bedauerte die Entwicklung für Osaka - aber auch mit Blick auf das Turnier. Das verwundert kaum, Osaka ist die aktuell populärste Spielerin mit Fans auf der ganzen Welt. Inwiefern die Organisatoren ihr eigenes, sehr strenges Vorgehen mit der öffentlichen Androhung einer Disqualifikation mittlerweile hinterfragen, ließ sich zunächst nicht ermitteln. FFT-Verbandspräsident Gilles Moretton trug am Montag nur ein Statement vor und ließ keine Fragen der Presse zu.

Der US-Amerikanerin Pam Shriver, einstige Profispielerin und frühere Präsidentin des Spielerrats der WTA, war die Botschaft der Grand-Slam-Veranstalter in Richtung Osaka zu harsch. Diese Botschaft habe auf eine Art und Weise "Öl in die Flammen gegossen, die nicht umkehrbar war", sagte Shriver der "New York Times", sie hätte Bemühungen hinter den Kulissen bevorzugt.

Osaka hatte nach ihrem Erstrundensieg am Sonntag den Kontakt mit den Pressevertretern verwehrt, um gemäß ihrer Ankündigung auf die mentale Gesundheit von Profisportlern aufmerksam zu machen. Die Topspielerin überraschte damit die Verantwortlichen und zog sich zunächst großen Ärger zu, erhielt eine Strafe von 15.000 US-Dollar und die klare Ansage, dass weiteres Fehlverhalten härtere Sanktionen nach sich ziehen würde. Osaka wurde der Druck damit offenbar zu groß.

Sie zog zurück und öffnete sich in einer "sehr mutigen Aktion", wie es Diplom-Psychologin Marion Sulprizio einschätzt. "Wir erleben es immer noch viel zu selten, dass Athleten mit einer psychischen Erkrankung sagen: Ich höre jetzt auf, ich brauche eine Pause und die Zeit zum Regenerieren, um dann wieder zurückzukommen", sagte die Geschäftsführerin von "Mentalgestärkt", einer Initiative der Deutschen Sporthochschule Köln für psychische Gesundheit im Leistungsport, dem sid: "Von daher erstmal: Hut ab vor dieser Reaktion."

Quelle: ntv.de, sue/sid

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