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"Da kam plötzlich die Energie zurück, und ich war so froh und erleichtert": Andrea Petkovic.
"Da kam plötzlich die Energie zurück, und ich war so froh und erleichtert": Andrea Petkovic.(Foto: imago/pmk)
Freitag, 25. Dezember 2015

Tennisstar erklärt Krise für beendet: Petkovic strotzt wieder vor Energie

Tränen, Selbstzweifel, depressive Verstimmungen? Das ist vorbei, sagt Andrea Petkovic. Sie habe wieder zu sich selbst gefunden. Deutschlands zweitbeste Tennisspielerin träumt von Olympia in Rio. Wie stabil sie mental schon ist, kann sie aber nicht einschätzen.

Andrea Petkovic wirkt entspannt und lacht viel, wenn sie durch das weihnachtlich geschmückte Hotel in Halle in Westfalen schlendert. Diese fröhliche junge Frau hat so gar nichts mehr gemein mit dem Häufchen Elend, das sieben Wochen zuvor noch die Fortsetzung der eigenen Tennis-Profikarriere in Frage stellte. Doch Petkovic hat wieder zu sich selbst gefunden nach einer schwierigen Phase mit Tränen, Selbstzweifeln - und depressiven Verstimmungen. "Es war in den letzten fünf Monaten einfach so, dass ich meine Lebensfreude verloren hatte. Ich konnte mich nicht mehr aufraffen, rauszugehen und Sachen zu unternehmen."

Die Weltranglisten-24. verkroch sich ins Hotelzimmer. Hinzu kam eine schwere Erkrankung ihrer Mutter. Petkovic fiel es immer schwerer, von Zuhause weg zu sein. Das monotone Leben auf der Tour fühlte sich zeitweise an "wie Folter". Die emotionale Hessin kam aus dem Loch nicht mehr heraus. Erst ein Trip nach New York nach der Saison brachte Besserung. "Dort habe ich einige Museen besucht und auch einige schäbige Bars. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mich wieder fühle, wie ich selbst", berichtete die Darmstädterin: "Da kam plötzlich die Energie zurück, und ich war so froh und erleichtert." Petkovic betont, dass sie in ihrer Krise auf keinen Fall schwer depressiv gewesen sei. "Es gibt einen Begriff in der Psychologie: Depressive Verstimmung. Damit konnte ich mich so einigermaßen identifizieren."

"Eine Reise ins Abenteuerland"

Wie stabil sie mental schon ist, kann die 28-Jährige noch nicht genau einschätzen. Nach gut drei Wochen Training sei zwar der Spaß am Tennis zurück. "Aber jetzt kommt natürlich die Frage, was passiert, wenn in den Matches der Druck dazukommt, wenn Stress-Situationen entstehen? Aber ich glaube, dass mir diesbezüglich auch die Olympischen Spiele 2016 am Horizont ganz gut helfen", sagte die French-Open-Halbfinalistin von 2014. Reizpunkte soll nach einer durchwachsenen Saison der neu verpflichtete Coach Jan de Witt setzen, mit dem sie seit dem 1. Dezember trainiert. Der 50-Jährige betreut zudem den französischen Weltklassespieler Gilles Simon.

Als erfolgsversprechend bewertet Petkovic das Gefühl, dass sie unter de Witt "erstmals in meiner Karriere" Verantwortung abgeben könne. "Ich muss nicht mehr über jede Trainingseinheit diskutieren. Das hat mich in der Vergangenheit zu viel Energie gekostet", sagte Petkovic, für die Stillstand Rückschritt ist. Das Hauptaugenmerk wird im neuen Jahr auf den großen Turnieren sowie Olympia und dem Fed Cup liegen. Zudem ist geplant, immer wieder Trainingsblöcke in der Breakpoint Base in Halle/Westfalen einzustreuen, in der de Witt Chefcoach ist.

Für ihn ist das Engagement "eine Reise ins Abenteuerland", da er auf Profiebene noch nie eine Frau gecoacht hat. "Aber was zählt, ist das Individuum", meinte de Witt. Als große Aufgabe betrachtet es der Mann aus Celle, der wankelmütigen Petkovic einen Leitfaden für die richtige Balance auf dem Court an die Hand zu geben. Petkovic wird am zweiten Weihnachtsfeiertag nach "Down Under" fliegen und ab 3. Januar 2016 in Brisbane an den Start gehen. Das Turnier in Sydney im Anschluss wird sie diesmal auslassen, um sich voll auf den ersten Höhepunkt des neuen Jahres zu konzentrieren: die Australian Open in Melbourne vom 18. bis zum 31. Januar.

Quelle: n-tv.de