Sport

Gysi, Disl, Kretzschmar, Weißflog, ... Promis pro Pechstein

100 Persönlichkeiten aus Sport, Politik, Unterhaltung und Wirtschaft fordern DOSB-Präsident Thomas Bach auf, sich für ein zweites CAS-Verfahren zu engagieren. Dass sich jemand selbst entlasten muss, sei ganz schön pervers, sagt etwa der ehemalige Handball-Nationalspieler Stefan Kretzschmar.

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Stefan Kretzschmar ist "aufgrund der Chancengleichheit für die Freigabe von Doping".

(Foto: dpa)

In der Doping-Affäre um Claudia Pechstein haben 100 Prominente Partei für die gesperrte Eisschnelllauf-Olympiasiegerin ergriffen und DOSB-Präsident Thomas Bach in einem Brief zum Handeln aufgefordert. Der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) soll sich dafür einsetzen, "dass der Fall vom Internationalen Sportgerichtshof CAS wiederaufgenommen und neu verhandelt wird", heißt es in dem Schreiben der Initiative "Top 100 für Gerechtigkeit im Fall Claudia Pechstein".

"Der Name Claudia Pechstein muss wieder reingewaschen werden. Dass sich jemand selbst entlasten muss, ist ganz schön pervers", sagte der ehemalige Handball-Nationalspieler Stefan Kretzschmar, der sich der Initiative von Persönlichkeiten aus Sport, Politik und Unterhaltung anschloss, auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Neben Kretzschmar unterschrieben auch andere Sportgrößen wie Boxer Arthur Abraham, der viermalige Bob-Olympiasieger Andre Lange, Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius sowie Pechsteins frühere Teamkollegin Daniela Anschütz-Thoms den Brief. Pechstein bedankte sich für die Unterstützung und meinte: "Ich hoffe, dass ich dadurch eine zweite Chance bekomme."

Urteil Ende Juli erwartet

Die Chancen, dass Bach nach Erhalt der Briefe öffentlich für Pechstein eintritt, ist jedoch nahezu ausgeschlossen. In der Vergangenheit hatte die 38-Jährige geklagt, sie sei von Bach "zutiefst enttäuscht", weil er sich nicht für ihre Person einsetze. Der DOSB hatte daraufhin verärgert reagiert.

Pechstein hat vor dem Schweizer Bundesgericht Revision gegen das CAS-Urteil eingelegt und darf bis zum 18. Juni eine zweite Stellungnahme abgeben. Ein Urteil soll bis Ende Juli gefällt werden. Entscheidet das Gericht nicht zu Gunsten der fünfmaligen Olympiasiegerin, sind die sportrechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft. Dann bliebe ihr nur noch der Gang vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Ein entsprechender Eilantrag wurde vom Bundesgerichtshof bereits abgelehnt. Pechstein ist vom Eisschnelllauf-Weltverband ISU wegen auffälliger Blutwerte bis zum 9. Februar 2011 gesperrt.

Die Initiative, ausgelöst von der Unternehmens-Gruppe Matthias Große, einem Sponsor Pechsteins, unterstützen unter anderen auch der Fraktionsvorsitzende der Linken, Gregor Gysi, und Berlins Ex-Bürgermeister Eberhard Diepgen, die Olympiasieger und Weltmeister Kathrin Boron, Uschi Disl, Jens Weißflog, Andreas Dittmer und Dieter Thoma. Große kündigte an, mehr als 100.000 Unterschriften aus aller Welt zu sammeln.

Quelle: ntv.de, dpa