Sport

München nicht Olympia-Gastgeber 2018 Pyeongchang macht das Rennen

1309966662.jpg2392134093690948670.jpg

Jacques Rogge präsentierte um 17.18 Uhr MESZ den Sieger.

(Foto: AP)

München muss sich im Kampf um die Olympischen Winterspiele 2018 dem südkoreanischen Pyeongchang geschlagen geben. Schon im ersten Wahlgang erringt der große Favorit die absolute Mehrheit. Wenigstens für eine gelungene Abschlusspräsentation können sich die Münchner loben.

2yvt3729.jpg148499699537569425.jpg

Mit Pyeongchang setzte sich der große Favorit durch.

(Foto: dpa)

Aus der Traum - München 2018 ist gescheitert. Gejubelt wird in Südkorea: Favorit Pyeongchang hat es im dritten Anlauf geschafft und lädt die Sportwelt im Jahr 2018 zu den 23. Olympischen Winterspielen ein. Die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) entschied sich in Durban schon im ersten Wahlgang für den neuen Wintersportmarkt auf dem bevölkerungsreichsten Kontinent Asien und belohnte das zehnjährige intensive und beharrliche Werben Südkoreas.

Die Niederlage Münchens hat auch eine historische Komponente. 46 Jahre nach den Sommerspielen 1972 wollte die bayerische Metropole als erste Stadt der Welt das "Olympia-Double" schaffen. Doch um 17.18 Uhr MESZ verkündete IOC-Präsident Jacques Rogge den Sieger: Pyeongchang. In der erleichterten südkoreanischen Delegation brandete Jubel auf - nicht nur Münchens Vorzeigefigur Katarina Witt verlor dagegen ihr Dauerlächeln im Moment der großen Enttäuschung. 44 Monate Kampf um ein "bayerisches Wintermärchen" blieben ohne Happy-End.

Trauriger Hattrick für Deutschland

DI10366-20110706.jpg6923371657078920950.jpg

Auch Franz Beckenbauer konnte das Ruder nicht mehr herumreißen.

(Foto: dapd)

Der Favorit Pyeongchang bekam schon in der ersten Wahlrunde eine absolute Mehrheit von 63 Stimmen.Trotz einer überzeugenden Kampagne und eines kräftigen Endspurts in Durban mit Bundespräsident Christian Wulff und Fußball-"Kaiser" Franz Beckenbauer erhielt München nur 25 Stimmen. Damit reichte es im millionenschweren Dreikampf ebenso wenig zum Sieg wie für das französische Annecy (sieben Stimmen).

Münchens Niederlage war Deutschlands vierte nacheinander im Kampf um Olympische Spiele. Zuvor waren Berchtesgaden (1992/Winter), Berlin (Sommer/2000) und Leipzig für die Sommerspiele 2012 sogar in der Vorausscheidung gescheitert.

Mit hängenden Köpfen hatten die Protagonisten der Münchner Delegation bereits das Auditorium im Kongresscenter von Durban verlassen, als IOC-Chef Rogge nach dem ersten Wahlgang verkündete: "Liebe Kollegen, Sie haben den Gastgeber gewählt." Den Namen nannte er da zwar noch nicht, aber alle ahnten das einzig mögliche Resultat.

"Mehr Rennfahrer als Zuschauer"

"Wir gratulieren Pyeongchang. Wir wussten, dass es sehr schwer werden würde. München und Deutschland haben sich im Wettbewerb als sympathisch, offen und sportbegeistert dargestellt. Ich danke allen, die sich mit so viel Enthusiasmus für die Bewerbung eingesetzt haben", meinte Bundespräsident Wulff. Das Gesicht von "München 2018", Katarina Witt, zeigte sich zerknirscht: "Klar, dass man jetzt sehr enttäuscht ist, vor allem nach unserer Präsentation, zu der uns viele IOC-Mitglieder gratuliert haben. Aber wahrscheinlich ist die Entscheidung ja wirklich schon vorher gefallen und wir haben es einfach nicht mehr rumreißen können. Im Moment fehlen mir einfach ein bisschen die Worte."

1309969859.jpg1212500087408402123.jpg

Bundespräsident Christian Wulff (hier neben IOC-Vize Bach) gratulierte den Südkoreanern.

(Foto: dapd)

Ski-Rennläufer Felix Neureuther machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: "Es ist schade, dass der Eindruck entstanden ist, dass Pyeongchang die Spiele bekommen hat, weil es sich zum dritten Mal beworben hat. Ich bin da ein Weltcup-Rennen gefahren, da waren mehr Rennfahrer als Zuschauer."

Die Vision von einem Wintermärchen 2018 zerfloss bei hochsommerlichen Temperaturen auch für Skisprung-Olympiasieger Dieter Thoma. Der Schwarzwälder hätte es gerne gesehen, wenn seine Nachfolger von der Olympiaschanze am Gudiberg gesprungen wären. "Dort habe ich meine ersten Weltcup-Punkte geholt und auch meinen letzten Sprung gemacht", so der Team-Olympiasieger von Lillehammer 1994.

Zweite Kandidatur möglich?

2yvt5436.jpg8758630028086883844.jpg

IOC-Vize Thomas Bach mit der untröstlichen Katarina Witt.

(Foto: dpa)

Ob sich München noch einmal bewerben wird, ließ IOC-Vizepräsident Thomas Bach offen. "Das werden wir jetzt nicht entscheiden", meinte Bach, auch Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). "Wir werden in Ruhe drüber nachdenken, wie dieses Ergebnis zu deuten ist. Wir werden das sorgfältig analysieren und dann zu einer Entscheidung kommen." Auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) warnte nach dem "enttäuschenden Ergebnis" vor übereilten Entschlüssen oder Forderungen. "Da sollte jetzt keiner vorlaute Töne von sich geben. Da sollte man mal abwarten, wie die Willensbildung ist, wenn man die Dinge überschlafen hat."

Beharrlichkeit könnte sich indes auszahlen, wie das Beispiel von Pyeongchang zeigt. "Wir sind jetzt wirklich bereit", hatte Bewerbungschef Cho Yang Ho die 95 stimmberechtigten Mitglieder nach den Niederlagen für 2010 und 2014 beschworen. "Pyeongchang 2018 ist eine nationale Priorität der koreanischen Regierung - und das schon seit zehn Jahren", hatte Staatspräsident Lee Myung-Bak betont. Er verbürgte sich für die Erfüllung aller Versprechen.

Neue Märkte schlagen Emotionen

Unter dem Motto "Neue Horizonte" sollen die Spiele in Fernost vom 9. bis 25. Februar 2018 ausgetragen werden. Hinter der Bewerbung stehen finanzstarke Konzerne und die Politik. Nach den japanischen Metropolen Sapporo (1972) und Nagano (1998) ist Pyeongchang erst die dritte asiatische und die erste südkoreanische Stadt, die Winterspiele veranstaltet. Bereits bei den gescheiterten Bewerbungen waren Milliarden in die Infrastruktur investiert worden. In Südkorea war Olympia schon einmal zu Gast: bei den Sommerspielen 1988 in der Hauptstadt Seoul.

München hatte mit emotionalen Bildern und eindringlichen Worten bis zuletzt um das "Ja"-Wort gekämpft. Die 45-minütige Abschlusspräsentation bewertete Beckenbauer als "Tüpfelchen auf dem i". Bundespräsident Wulff lobte sogar: "Besser kann man Deutschland mit all seinen Möglichkeiten nicht darstellen."

2011-07-06T113110Z_01_DBN02_RTRMDNP_3_OLYMPICS-2018.JPG3183120916250095229.jpg

Dass Katarina Witt den "emotionalen Knopf" drückte, ließ den Großteil der IOC-Vollversammlung kalt.

(Foto: REUTERS)

Am Ende half selbst das Sieger-Gen von Beckenbauer auf den Tag genau elf Jahre nach dem Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland nicht. Der "Kaiser" schien es bereits geahnt zu haben. Noch vor der Verkündung des Ergebnisses war er bereits wieder auf der Heimreise: "Meistens hat man sich schon entschieden", hatte der 65-Jährige geunkt. Der Versuch, auf der Zielgeraden "den emotionalen Knopf zu drücken", wie Witt hoffte, zog bei den IOC-Mitgliedern nicht. Auch dem flammenden Plädoyer von Bach folgten sie nicht. "Heute geht es um die Fragen, die uns morgen betreffen. Heute geht um die Frage, ist heute die Zeit, neue Territorien zu erforschen oder unser Fundament zu stärken", so Bach. Der Aufbruch in neue Welten und Märkte hat sich nach den Wahlsiegen von Sotschi (2014/Winter) und Rio de Janeiro (2016/Sommer) erneut durchgesetzt.

Quelle: ntv.de, dpa/sid