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"Es war wirklich schlimm" Rauch über Melbourne, Spielerin gibt auf

Eine Qualifikantin bekommt einen schweren Hustenanfall, das Training wird verschoben, Testmatches abgebrochen. Die Auswirkungen der verheerenden Buschfeuer erreichen die Australian Open in Melbourne. Die Veranstalter des Tennisturniers stehen immer mehr in der Kritik.

Der tückische Rauch zwang Dalila Jakupovic in die Knie. Die slowenische Tennisspielerin hustete und hustete, sie fasste sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an die Brust - dann eilte ein Arzt auf den Außenplatz 3 im Melbourne Park. Wenige Kilometer entfernt in Kooyong flüchteten die Deutsche Laura Siegemund und die Russin Maria Scharapowa aus der "gefährlichen Luft". Die Auswirkungen der verheerenden Buschfeuer haben wenige Tage vor dem Start der Hauptrunden die Australian Open erreicht.

Die Ausrichter des ersten Grand-Slam-Events des Jahres, das am 20. Januar beginnen soll, gerieten ins Kreuzfeuer der Kritik, weil sie das Qualifikations-Programm trotz behördlicher Warnungen durchzogen. "Warum müssen wir warten, dass etwas Schlimmes passiert, bevor wir handeln", sagte die Weltranglistenfünfte Jelena Switolina. Nicht nur Jakupovic bekam die Auswirkungen des Rauchs über der Stadt bei ihrem Qualifikationsmatch am eigenen Leibe zu spüren, sie musste bei guter Siegchance aufgeben. "Es war wirklich schlimm. So etwas habe ich noch nie erlebt, ich hatte wirklich Angst, dass ich kollabiere."

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"Stiche in der Lunge": Eugenie Bouchard.

(Foto: imago images/AAP)

Die frühere Topspielerin Eugenie Bouchard berichtete, dass sie "Stiche in der Lunge" gespürt habe. Siegemund und Scharapowa beendeten ihr Match beim Einladungsturnier vor den Toren Melbournes in beiderseitigem Einvernehmen vorzeitig. "Das ist das erste Mal, dass ich bei solchen Bedingungen spiele. Und ich muss zugeben, dass ich es im zweiten Satz gespürt habe", sagte Siegemund.

Die seit Wochen anhaltenden Buschfeuer, die bisher mindestens 27 Menschen das Leben kosteten, hatten Melbourne zuvor vernebelt. Die Behörden der Stadt warnten Stunden vor den Matches vor "gefährlicher Luftqualität". Bewohner sollten mitsamt ihrer Haustiere möglichst in den Wohnungen bleiben, die Fenster und Türen verschlossen halten. Die Feinstaubwerte in der Metropole waren um mehr als das Zehnfache höher als beim bisherigen Jahreshöchstwert an der Messstelle am Stuttgarter Neckartor.

"Was ist mit der Gesundheit der Leute?"

Nachdem die Trainingssessions wegen der Rauschschwaden unterbrochen worden waren, meldete sich Turnierdirektor Craig Tiley. In Absprache mit Medizinern, Wetterexperten und der Umweltbehörde des Bundesstaates Victoria werde das Vorgehen besprochen. Die Gesundheit und Sicherheit der Spieler, der Mitarbeiter und der Fans habe oberste Priorität.

Superstar Novak Djokovic hatte in seiner Funktion als Präsident des Spielerrats ATP zuletzt angemahnt, dass bei einer Gesundheitsgefahr auch eine Verlegung der Australian Open in Erwägung gezogen werden müsse. Doch darauf deutet weiter nichts hin. Die Veranstalter hatten gesagt, man werde den geplanten Ablauf beibehalten können. Ein Notfallplan sieht vor, Matches zu unterbrechen und auf einen der überdachten Plätze zu verlegen.

*Datenschutz

Bei der Qualifikation wurde letztlich weitergespielt, obwohl die Luftqualität noch immer von den Behörden als "sehr schlecht" oder "schlecht" eingestuft wurde. "Ich bin schockiert, dass die Qualifikation bei den Australian Open begonnen hat. Was ist mit der Gesundheit der Leute, die da draußen arbeiten müssen?", twitterte die Luxemburgerin Mandy Minella, Nummer 140 der Welt. Sie war längst nicht der einzige Profi, der mit großem Unverständnis auf das Vorgehen der Veranstalter reagierte.

Quelle: ntv.de, Peer Lasse Korff, sid