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"Ich werde weinen" Roglic' Systemabsturz bei Kilometer 3324

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Kraft- und fassungslos. Prinoz Roglic.

(Foto: Pool via REUTERS)

Das Gelbe Trikot gehört dem Favoriten Primoz Roglic - so ist es fast die gesamte Tour de France über. Bis zum verheerenden letzten Bergzeitfahren. Der 30-Jährige erlebt den schwärzesten Tag seiner Karriere, verliert Zeitfahren, die Führung und damit den Sieg. Und plötzlich wird er sogar menschlich.

Primoz Roglic hatte immer einen Plan. Kühl, berechnend, kontrollierend - er sei ein Roboter auf dem Rennrad, war dem Slowenen bereits vorgeworfen worden. Ohne Emotionen - dabei lieben die Franzosen doch Gefühlsausbrüche wie solche ihres Landsmanns Julian Alaphilippe.

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Der die zweite Etappe gewann und einen ganz besonders emotionalen Triumph feierte. Sein Vater war Ende Juni gestorben: "Ich möchte diesen Sieg meinem Vater widmen. An ihn habe ich beim Finale gedacht", sagte Alaphilippe mit Tränen in den Augen. Drei Tage später wandelten sich die Emotionen in Aufgebrachtheit, er hatte sein Gelbes Trikot verloren - wegen eines Patzers. 20 Sekunden Zeitstrafe waren ihm von der Jury aufgebrummt worden, weil er 17 Kilometer vor dem Ziel noch Verpflegung entgegengenommen hatte. Erlaubt ist das bis 20 Kilometer vor dem Ziel.

Nun ist Roglic nicht Alaphilippe, doch fast ganz zum Schluss überraschte er sie alle: Beim entscheidenden Bergzeitfahren bekamen sie das komplette Gegenteil geliefert. Der frühere Skispringer Roglic wurde menschlich, sein Systemabsturz nach 3324 Kilometern erzeugte großes Mitleid und Bestürzung. "Schmerz und Trostlosigkeit. Die Wunde wird schwer zu schließen sein", schrieb das französische Tour-Organ "L'Equipe", nachdem Roglic den schon sicher geglaubten Gesamtsieg noch aus der Hand gegeben hatte.

"Ich werde weinen, vielleicht habe ich es auch schon getan", sagte der 30-Jährige und gab ein wenig aus seinem Seelenleben preis: "Ich kann die Person nicht ändern, die ich bin. Aber ich habe viele Emotionen in mir."

Die gesamte Rundfahrt hatte er mit seinem Team Jumbo-Visma dominiert. Was sollte da schiefgehen, wo er doch als extrem starker Zeitfahrer klar favorisiert war? Innerhalb von fünf Jahren wollte er die Tour gewinnen, bis zum letzten Anstieg schien das aufzugehen. "Im Moment kann ich nicht klar denken, ich habe keinen klaren Plan für die Zukunft. Es ist, als wäre mein Kopf leer", sagte Roglic. Das Gelbe Trikot abgeluchst hat ihm ausgerechnet sein Landsmann Tadej Pogacar vom UAE Team Emirates. Er darf im begehrten Leibchen durch Paris radeln und sich feiern lassen.

Quelle: ntv.de, ara/dpa