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Drittliga-Dino ist pleite Rot-Weiß Erfurt ist am Ende

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Auch der Neubau des Stadions lastete auf der Bilanz.

(Foto: picture alliance / Thomas Eisenh)

Es war absehbar - nun herrscht Gewissheit: Der Fußball-Traditionsklub FC Rot-Weiß Erfurt wird von der Schuldenlast erdrückt. Die Thüringer geben auf. Der einstige Europapokal-Teilnehmer und derzeitige Drittliga-Letzte ist pleite.

Der finanziell taumelnde Drittligist und Thüringer Traditionsverein Rot-Weiß Erfurt zieht die Notbremse. Die Thüringer teilen mit, beim Amtsgericht den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens eingereicht zu haben. Durch diesen Schritt werden dem einzig verbliebenen Drittliga-Gründungsmitglied neun Punkte abgezogen. Damit hat RWE zehn Spieltage vor Saisonende nur noch neun Zähler auf dem Konto. Erst jüngst hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wegen Lizenzverstößen einen Punktabzug verhängt. Nun fehlen 21 Punkte auf einen Nichtabstiegsplatz.

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Stefan Emmerling trainiert derzeit die Erfurter.

(Foto: picture alliance / Thomas Eisenh)

Doch auch ohne die Abzüge rangierte Erfurt in der 3. Liga am Ende der Tabelle. Angesichts dieser Lage ist auch das erst jüngst auf der Mitgliederversammlung erklärte Ziel, den Klassenerhalt zu schaffen, "nicht mehr realistisch". Somit gebe es auch keine "Basis für eine positive Fortführungsprognose" mehr, hieß es weiter. Denn in Liga vier kann der Verein seine Schulden auf keinen Fall bedienen.

Die Insolvenz sei nun ein klarer Schnitt und biete "die Grundlagen für einen Neuanfang". Man komme damit auch Forderungen "vonseiten der Fans, aus den Reihen der Politik oder auch aus der Wirtschaft" nach. Hoffnung macht dem Verein nach eigenem Bekunden neben dem Anhang auch "das Bekenntnis unserer Sponsoren". Die Thüringer stecken seit Jahren in finanziellen Schwierigkeiten. Bei einer turnusmäßigen Überprüfung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit hatte der DFB erst vor wenigen Monaten eine Liquiditätslücke entdeckt. Diese konnte der Thüringer Verein in der vorgegebenen Frist nicht vollständig schließen.

Erdrückender Schuldenberg

Zum finanziellen Chaos gesellten sich in den vergangenen Wochen personelle Possen. So war im November der langjährige Präsident Rolf Rombach nach tagelangem Gezerre um die Vereinsführung zurückgetreten. Zuvor war er bereits vom Aufsichtsrat abgesetzt worden. Doch nur drei Tage hatte er den Posten vom zwischenzeitlichen Präsidenten Frank Nowag. Inzwischen steht Nowag erneut an der Spitze des Krisenklubs vom Steigerwaldstadion. Rombach wiederum zählt auch zu den Gläubigern des Vereins. Der Gesamtschuldenstand wird auf mehr als acht Millionen Euro taxiert - bedrohlich für einen Drittligisten, dessen Zuschauerschnitt bei Heimspielen deutlich unter der 6000er-Marke liegt.

Obendrein läuft es auch sportlich mies bei den Thüringern in dieser Saison. Erfurt steht seit dem 15 Spieltag am Ende der Tabelle. Von 28 Spielen wurden 17 verloren und nur 4 gewonnen. Zudem scheiterte der Klub im Achtelfinale des Thüringen-Pokals - ausgerechnet gegen den Rivalen aus Jena. Und zu einem Benefizspiel im November gegen Zweitligist Dynamo Dresden waren im November nur 2000 Zuschauer ins heimische Steigerwaldstadion gekommen. Auch Trainerwechsel verbesserten die Lage nicht.

In den Spielzeiten 1953/54 und 1954/55 war der Club noch als SC Turbine Erfurt DDR-Meister. Von 1977 bis 1991 spielten die Thüringer ununterbrochen in der DDR-Oberliga. Ausgerechnet in der letzten Saison errang der FC Rot-Weiß unerwartet den dritten Platz. Das qualifizierte zum Gang in die 2. Bundesliga - und zur Teilnahme am Uefa-Pokal. Dort war dann in der zweiten Runde gegen den späteren Pokalsieger Ajax Amsterdam unter Trainer Louis van Gaal Schluss.

Quelle: n-tv.de

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