Sport

Vertuschung "in großem Ausmaß" Russischer Dopingjäger sieht Manipulation

imago21997921h.jpg

(Foto: imago/Ralph Peters)

Russland und Doping, das bleibt ein Dauerthema im internationalen Sport. Die Auswertung von Daten aus dem russischen Dopinglabor zeigt massive Auffälligkeiten, die sich Russlands Chef-Dopingjäger nur mit gezielter Sabotage im großen Stil erklären kann. Er erwartet neue harte Strafen.

Jurij Ganus, der Chef der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada, glaubt im Wirbel um die möglicherweise manipulierten Datenpakete aus dem Moskauer Kontrolllabor an einen bewussten Vertuschungsversuch. "Es geht nicht darum, dass ganze Datenpakete gelöscht, sondern dass sie an verschiedenen Stellen verändert oder verschoben wurden", sagte Ganus dem Spiegel: "Jemand hat versucht, in großem Ausmaß gezielt Informationen zu vertuschen. Es könnte dabei auch um Namen der Sportler gehen."

Mit den Daten aus Moskau, die aus dem Zeitraum 2012 bis 2015 stammen, wollte die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) eigentlich das Ausmaß des institutionellen Dopingsystems in Russland feststellen und konkrete Verfahren gegen Sportler eröffnen. Erst nach langen Verhandlungen gab Russland Anfang 2019 die Daten heraus, dafür wurde die Rusada in einem vielkritisierten Tauschhandel wieder aufgenommen. Bisher wurden aus den Daten 298 besonders verdächtige Fälle bekannt.

Wie Ganus nun angibt, sei jedoch nicht nur die entferntere Vergangenheit betroffen, auch kürzlich sollen noch Änderungen an den Datensätzen vorgenommen worden sein. "Wir sprechen von Monaten, die jüngsten Änderungen stammen aus dem Zeitraum Dezember 2018 und Januar 2019", sagte er. Ganus kann sich dies nur mit einer geplanten Aktion erklären: "Die Veränderungen der Daten sind so groß und signifikant, das ist alles kein Zufall."

"Strafen werden sehr hart ausfallen"

Bis das zuständige Wada-Komitee am 23. Oktober tagt, muss Russland die Auffälligkeiten zufriedenstellend erklären, eine russische Antwort auf die Fragen der Wada ging am Dienstag ein. Nichtsdestotrotz drohen Russland harte Sanktionen. Ganus ist sich dessen bewusst: "Die Strafen werden sehr hart ausfallen, weil es nicht das erste Mal ist, dass Russland gegen Regeln verstößt. Die Teilnahme Russlands an den Olympischen Spielen in Tokio 2020 und Peking 2022 steht auf dem Spiel. Mindestens."

Eine Lösung für das Problem hat Ganus jedoch parat. "Russland muss den ursprünglichen Datensatz finden und der Wada übergeben", sagte er. Die Chance, dass dies jedoch tatsächlich geschieht, bezeichnete er selbst als "sehr klein".

Quelle: n-tv.de, cwo/sid