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"Rückschritte": Frust bei IAAF Russlands Leichtathletik bleibt außen vor

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IAAF-Chef Sebastian Coe und Rune Andersen, Vorsitzender des Untersuchungsgremiums zur Situation der russischen Leichtathletik, verkündeten in Monaco die Aufrechterhaltung des Bannes.

(Foto: imago images / Mandoga Media)

Die Hoffnungen der russischen Leichtathletik auf eine WM-Teilnahme unter eigener Flagge sinken, der Weltverband IAAF verlängert den Ausschluss der Sportgroßmacht erneut. Die Funktionäre loben Fortschritte - und werden von neuen Enthüllungen erschüttert.

Die IAAF versucht mit einer Namensänderung die Schatten der Vergangenheit loszuwerden, doch der russische Dopingskandal verfolgt den Leichtathletik-Weltverband weiter. Bereits zum elften Mal verlängerte die IAAF am Sonntag die Sperre des russischen Verbandes Rusaf. Eine Teilnahme der einstigen Großmacht an der WM in Doha (27. September bis 6. Oktober) steht mehr denn je in den Sternen.

Und trotz der Beibehaltung des Status Quo hatte die Entscheidung des 27-köpfigen IAAF-Councils - der "Regierung" des Verbandes - eine Besonderheit. Denn diesmal gaben augenscheinlich neue Vorwürfe den Ausschlag - und nicht nur die "Altlasten" des institutionellen Betrugssystems.

Seit 2015 kein russisches Team mehr am Start

"Die Task Force teilt die Frustration des Councils, dass der Fortschritt in zwei Bereichen von Rückschritten in zwei anderen Bereichen untergraben wird", sagte Rune Andersen, Vorsitzender des Untersuchungsgremiums: "Sie hofft, dass die Probleme so schnell wie möglich gelöst werden." Die Zeit für die Russen drängt. Die nächste Council-Sitzung findet erst kurz vor der WM statt. Theoretisch bleibt die Chance für die russischen Athleten bestehen, in Doha doch unter eigener Flagge starten zu dürfen. Dreieinhalb Jahre ist die Rusaf nun gesperrt, russische Leichtathleten dürfen erst nach Prüfung durch die IAAF an internationalen Wettbewerben teilnehmen - und auch "nur" als sogenannte "Neutrale Athleten". Zuletzt ging bei der WM 2015 in Peking ein russisches Team an den Start.

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Damit dies in Doha wieder geschieht, müssen aber die Verdachtsmomente ausgeräumt werden. Und die wiegen schwer: Russische Verbandsoffizielle sollen demnach versucht haben, mit gefälschten Dokumenten einen Verstoß des Weltklasse-Hochspringers Danil Lyssenko gegen die Anti-Doping-Regeln zu vertuschen. Die unabhängige Integritätskommission AIU des Weltverbandes beschäftigt sich mit dem Fall. "Die Task Force ist der Meinung, dass es keine Aufhebung der Sperre geben kann, solange die Untersuchung läuft", sagte Andersen.

Zudem sollen belastete und gesperrte Trainer und Mediziner weiter russische Athleten betreuen. Über allem schwebt daher die Frage: Ist es in Russland wirklich zu einem Mentalitätswandel gekommen? Die "alten" Forderungen der IAAF wurden oder werden in naher Zukunft erfüllt. Russland bezahlte die Kosten der bisherigen Untersuchung in Höhe von rund drei Millionen Euro. Zudem wird die AIU am 18. Juni von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) Zugang zu einem Großteil der Daten aus dem Moskauer Kontrolllabor bekommen. Stanislaw Posdnjakow, Präsident des russischen olympischen Komitees (ROC), "bedauerte" die Entscheidung und erklärte, die russische Seite sei all ihren Verpflichtungen nachgekommen.

Skandalumwitterte IAAF benennt sich um

Auf einem anderen Feld will die IAAF ebenfalls Klarheit schaffen - und sich von den Skandalen der Vergangenheit lösen. Nach der WM soll der Verband "World Athletics" heißen, das Council fasste am Wochenende einen entsprechenden Beschluss. "Das Ziel ist es, aufbauend auf dem Reformprozess der vergangenen vier Jahre, ein moderneres, kreativeres und positiveres Gesicht der Sportart zu erschaffen", sagte IAAF-Präsident Sebastian Coe. Vor allem unter Coe-Vorgänger Lamine Diack war die IAAF skandalumwittert, der Senegalese steht in Frankreich gleich wegen mehrerer angeblicher Verfehlungen im Visier der Justiz. So soll er unter anderem gegen Zahlungen mitgeholfen haben, positive Dopingtests zu vertuschen.

Quelle: n-tv.de, Dominik Kortus, sid

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