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"Mich kotzt es langsam an" Skiflug-Wirrwarr entnervt Karl Geiger

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Die Form ist gut, die Laune schlecht: Karl Geiger hadert mit seinem erneuten Windpech.

(Foto: dpa)

Nachdem er in der Windlotterie wieder einmal die große Niete zieht, kann selbst der freundliche Karl Geiger seinen Zorn nicht mehr zügeln. Ungewohnt barsch geht er die Jury an. Denn trotz guter Form und guter Sprünge verliert er im Gesamt-Weltcup mehr und mehr an Boden.

Karl Geiger war reichlich angefressen. Beim Wind-Wirrwarr am Kulm fühlte sich Deutschlands derzeit bester Skispringer nach einem 200-Meter-Flug bei schlechtem Wind mal wieder ordentlich benachteiligt. "Langsam, muss ich echt sagen, habe ich einen ziemlichen Hals, weil es die ganzen letzten Wochen so geht. Ich suche sowas ungern als Ausrede, aber jetzt kotzt es mich aber auch echt an", sagte der sonst so gelassene Geiger noch während des Wettbewerbs am ZDF-Mikrofon.

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Doch weil der Wind nach Geigers zweitem Sprung nicht ruhiger, sondern noch turbulenter wurde, brach die Jury drei Springer vor dem Ende den Wettbewerb ab und annullierte in Bad Mitterndorf den zweiten Durchgang. Geiger blieb so nach einem 225-Meter-Flug Rang sechs. Der im Weltcup führende Österreicher Stefan Kraft (230 Meter) holte sich den Sieg und baute sein Polster aus. Mit 1273 Punkten liegt er deutlich vor Geiger (1135), der seit über einem Monat nicht mehr auf dem Podest stand.

Der Allgäuer erlebt gerade das erfolgreichste und turbulenteste Weltcup-Jahr seiner Laufbahn und ist mit seiner eigenen Leistung weiter mehr als einverstanden. "Ich bin immer noch sehr zufrieden. Podestplätze waren es zuletzt weniger, aber die Sprünge sind gut. Die Form passt, und zum Podest gehört auch ein bisschen Glück. Da muss man in einen Flow reinkommen", sagte Geiger. Vor Rang sechs nun hatte er am Samstag den vierten Platz belegt, weniger als zehn Zentimeter hatten ihm da auf Rivale Kraft gefehlt.

"... und es sieht beschissen aus"

Am Sonntag komplettierten Ryoyu Kobayashi aus Japan und der Slowene Tami Zajc das Podest. Vor 6800 Zuschauern liefen etwa zwei Drittel des Wettbewerbs problemlos. Erst bei den letzten zehn Athleten, als auch Geiger über die mehr als durchwachsenen Verhältnisse klagte, wurde es schwieriger. Die Jury wartete zunächst ab, dann verwehte sie den polnischen Top-Mann Kamil Stoch komplett. Noch bevor die letzten drei Springer vom Balken gehen konnten, brachen die Verantwortlichen ab. Dabei gab es dafür keine ersichtliche Not, weil der Wettkampf bereits am Vormittag gestartet wurde.

Bundestrainer Stefan Horngacher zog nach dem Wochenende trotz aller Windkapriolen ein positives Fazit. "Ich bin echt zufrieden, was die Jungs hier produziert haben. Ich habe es gar nicht so gut erwartet. Wir haben gute Erkenntnisse gewonnen und werden die mitnehmen", bilanzierte der Österreicher. Auch Geiger erkannte "einen Schritt vorwärts", nachdem sich der erste Frust bei ihm gelegt hatte. "Es hat gut getan, dass es gleich funktioniert." Weiter zu kämpfen hat dagegen Markus Eisenbichler, der Rang 16 belegte und Glück hatte, dass sein zweiter Hüpfer nicht in die Wertung kam. "Wenn das Selbstvertrauen nicht da ist, dann landet man halt bei 140 Metern und es sieht beschissen aus", bilanzierte Eisenbichler.

Quelle: ntv.de, Patrick Reichardt, dpa