Sport

Skandal-WM in Stuttgart Sport nur noch Nebensache

Der Schweizer Fabian Cancellara hat bei den Rad-Weltmeisterschaften in Stuttgart seinen Titel im Einzelzeitfahren verteidigt. Er verwies auf dem 44,9 Kilometer langen Kurs den Ungarn Laszlo Bodrogi und den Niederländer Stef Clement auf die Plätze. Die deutschen Starter Bert Grabsch und Sebastian Lang verpassten die Medaillenränge knapp. Sie wurden Vierter und Fünfter.

Angesichts zahlreicher Eklats gerät der Sport bei den Weltmeisterschaften allerdings mehr und mehr zur Nebensache. So lassen die WM-Organisatoren inzwischen von einem Gericht klären, ob Weltmeister Paolo Bettini auch ohne Unterzeichnung der "Ehrenerklärung gegen Doping" im Straßenrennen am Sonntag starten darf.

BDR-Vize soll WM verlassen

Zudem hatte der Weltverband UCI zunächst bekanntgegeben, dass der Italiener in Stuttgart von der Polizei verhört worden sei. Dies wurde später korrigiert. Bettini und sein Anwalt seien von einem BKA-Beamten lediglich besucht worden, es habe eine Nachfrage gegeben. Ein BKA-Sprecher erklärte, man gehe Hinweisen im Zusammenhang mit der Weitergabe von Dopingmitteln nach. Bettini steht im Verdacht, den überführten Radprofi Patrik Sinkewitz mit Dopingpräparaten wie "Testogel" versorgt zu haben.

Der Italiener ist inzwischen auch nicht mehr der Einzige, der bei der WM in Stuttgart nicht erwünscht ist. Auch Udo Sprenger, Vizepräsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), wurde von der Stadt Stuttgart zur "persona non grata" erklärt.

"Glaubwürdiger Zeuge"

Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann sagte in der ARD, Sprenger habe "die Weltmeisterschaft zu verlassen". Der BDR solle ihm die Akkreditierung als Teammitglied entziehen. Sprenger wird vorgeworfen, als damaliger sportlicher Leiter beim Team Nürnberger in Dopingpraktiken verwickelt gewesen zu sein.

Über entsprechende Anschuldigungen eines anonymen Zeugen war bereits im Juni in der ARD berichtet worden. Das BDR-Präsidium unter Rudolf Scharping hatte jedoch an Sprenger festgehalten, nachdem der ehemalige Kriminalbeamte eine "Anzeige wegen Verleumdung gegen Unbekannt" angekündigt hatte. Laut Eisenmann sei der Zeuge nach erneuten Recherchen jedoch als "seriös und zuverlässig" einzustufen.

BDR steht zu Sprenger

Dem widersprach BDR-Präsident Scharping, der Eisenmann "Profilierungsabsichten und schlechten Stil" sowie indirekt auch Falschaussagen vorwarf. So habe die OK-Chefin gegenüber dem BDR noch nicht gefordert, Sprenger von der WM auszuschließen.

Zudem enthalte der Bericht des eingesetzten Ombudsmannes entgegen Eisenmanns Behauptung "keine Vorwürfe von Dopingverwicklungen" gegen den BDR-Vize.

Quelle: ntv.de