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Sport
Montag, 03. Januar 2011

Finale der Dart-WM ohne Phil Taylor: Stromausfall bei der Legende

von Stefan Giannakoulis

Wenn sich heute Adrian Lewis und Gary Anderson im Finale der Dart-WM gegenüberstehen, wird sich einmal mehr zeigen, warum das Turnier die englische Antwort auf das Oktoberfest ist. Und dennoch großen Sport bietet. Nur die Legende Phil Taylor, 15-maliger Weltmeister, ist nicht mehr dabei. Der Meister hat eine Sehschwäche.

"Oooonehundred-and-eightyyyyyyyyyyyy": Die Fans im Alexandra Palace rasten aus.
"Oooonehundred-and-eightyyyyyyyyyyyy": Die Fans im Alexandra Palace rasten aus.

Lieben Sie Dart? Wenn ja, sollten Sie sich heute Abend das Finale der Weltmeisterschaft zwischen dem Engländer Adrian Lewis und dem Schotten Gary Anderson ansehen. Und wenn nicht – dann auch, Sport1 überträgt ab 20 Uhr. Denn was die Herren da im Londoner Alexandra Palace zeigen, ist großer Sport. Was aber die WM zum Spektakel macht, sind die Zuschauer, 2500 an der Zahl. Sie bemühen sich erfolgreich, der Welt zu zeigen, wo das Dart seine Wurzeln hat. Im Pub. Die WM ist die englische Antwort auf das Oktoberfest.

Sie singen, sie tanzen auf den Tischen, sie feuern die Spieler an. Und ja, sie trinken Bier. Nicht zu knapp. Spätestens, wenn Punktrichter Russ Bray sein "Oooonehundred-and-eightyyyyyyyyyyyy" in den Saal brüllt, verwandeln sie den Ally Pally in einen Hexenkessel. Dann nämlich hat es einer dieser bierbäuchigen, schlecht tätowierten Typen mittleren Alters in kurzärmligen Hemden geschafft, seine drei Pfeile dreimal in der Dreifach-Zwanzig zu platzieren, einem gerade einmal acht Millimeter hohen Schlitz im inneren Ring der Scheibe. Dreimal sechzig Punkte. Mehr geht nicht. Hoch die Tassen.

Ziel des Spiels ist es, mit möglichst wenigen Würfen von der Ausgangspunktzahl 501 exakt auf Null zu kommen, wobei die Spieler bei der WM mit dem letzten Pfeil ein Feld treffen müssen, das doppelt zählt, also den äußeren Ring der Scheibe oder das Bullseye. Am schnellsten schafft das, wer zum Beispiel

1.) die Dreifach-20 trifft (60 Punkte), dann
2.) die Dreifach-19 (57 Punkte),
3.) das Bullseye (50 Punkte), das ist der rote Punkt in der Mitte,
4.) wieder die Dreifach-20 (60 Punkte),
5.) wieder die Dreifach-19 (57 Punkte),
6.) wieder Bullseye (50 Punkte),
7.) wieder die Dreifach-20 (60 Punkte),
8.) wieder die Dreifach-19 (57 Punkte) und
9.) zum Abschluss noch mal Bullseye (50 Punkte). Macht 501 Punkte mit neun Pfeilen, was die Experten überraschenderweise Neun-Darter nennen – das perfekte Spiel.

Phil Taylor ist raus - eine Sensation

Legende mit Sehschwäche: Phil Taylor.
Legende mit Sehschwäche: Phil Taylor.

Einer, der das besonders gut kann, ist Phil Taylor. Neunmal hat er das in seiner Karriere geschafft. Im Finale der Premier League gelang ihm das im vergangenen Jahr als erster Spieler überhaupt zweimal in einem Turnierspiel. Und die Fans standen auf den Bänken und sangen zur Melodie des englischen Weihnachtsklassikers die Hymne auf ihren Star: "Taylor Wonderland". Das sangen sie auch bei dieser WM. Doch nun ist Phil Taylor raus. Und das ist eine Sensation. Er ist der Titelverteidiger und war der Topfavorit. Bis er im Viertelfinale gegen den Waliser Mark Webster verlor, und das ziemlich deutlich mit 2:5. Webster wiederum verlor sein Halbfinale gegen Lewis, so dass der heute gegen den favorisierten Anderson im Endspiel steht. Aber was ist nur mit Phil "The Power" Taylor los?

Der 50 Jahre alte Engländer ist nicht nur der Mann mit den am schlechtesten sitzenden Hemden, sondern auch der überragende Darter der vergangenen 20 Jahre. Und hat damit Millionen verdient. 13 Mal gewann er die WM der Professional Darts Corporation (PDC), die seit 1994 ausgetragen wird. Bis auf 2008 stand Phil Taylor stets im Finale, nur zweimal – bei der Premiere und 2004 – verlor er. Doch nun hat er Probleme mit den Augen. Neulich tauchte er, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, bei einem Turnier in Wolverhampton mit Brille auf. "Der Anblick hat die Welt der Pfeilewerfer erschüttert, weil jedem bewusst wurde, dass auch Taylors Kunst gefährdet ist durch ganz irdische Dinge wie eine Sehschwäche." Er verlor gegen einen Gegner, den er, so glaubte man, eigentlich auch mit verbundenen Augen geschlagen hätte.

Seine sportliche Zukunft steht auf dem Spiel

Bei der laufenden WM versuchte es Phil Taylor wieder ohne Brille. Und sagte nach seinem Ausscheiden gegen den 27-Jährigen Webster im Viertelfinale ebenso mannhaft wie fair: "Ich kann die Niederlage verkraften, weil er einfach besser spielte. Da gibt es nicht den leisesten Zweifel." Britische Medien hingegen sprachen in Anspielung auf seinen Spitznamen von einem "Power Cut" – einem Stromausfall. Spekulationen, er wolle sich in Kürze einer Augenlaser-Operation unterziehen, bestätigte er nicht. Doch auch als Legende dürfte er wissen, dass seine sportliche Zukunft auf dem Spiel steht.

Heute Abend aber dürfte Phil Taylor erst einmal Adrian Lewis die Daumen drücken. Nicht nur, weil der im Halbfinale Mark Webster aus dem Turnier warf. Sondern auch, weil der 25-jährige Adrian Lewis, ebenfalls im Städtchen Stoke-on-Trent geboren, für Phil Taylor eine Art Ziehsohn ist, der, wie es scheint, sogar die alten Hemden des Meisters aufträgt. Und wenn es schon einen neuen Weltmeister gibt, dann soll es doch bitte sein langjähriger Trainingspartner sein. "Oooonehundred-and-eightyyyyyyyyyyyy."

Quelle: n-tv.de

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