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Das waren Zeiten: Boris Becker 1985 in der Münchner Olympiahalle. Dort unterlag die deutsche Mannschaft im Finale des Davis Cups vom 20. bis zum 22. Dezember den Schweden mit 2:3.
Das waren Zeiten: Boris Becker 1985 in der Münchner Olympiahalle. Dort unterlag die deutsche Mannschaft im Finale des Davis Cups vom 20. bis zum 22. Dezember den Schweden mit 2:3.
Donnerstag, 16. August 2018

Aus für Traditionswettbewerb: Tennis-Weltverband beerdigt den Davis Cup

Das neue Format bringt viel Geld, doch der tradionsreiche Davis Cup ist tot. Der Tennis-Weltverband beschließt gegen den Widerstand der großen Nationen, dass künftig alles anders wird. Statt der Heim- und Auswärtsspiele gibt es nun ein Turnier mit 18 Teams.

Der Tennis-Weltverband ITF hat für eine Radikalreform des Davis Cups gestimmt. Bei der Generalversammlung in Orlando im US-Bundesstaat Florida erhielt der umstrittene Vorschlag von ITF-Boss David Haggerty 71,4 Prozent der Stimmen. Notwendig für die Reform war eine Zweitdrittel-Mehrheit. Der Deutsche Tennis Bund, Großbritannien und Australien hatten gegen die Pläne gestimmt, die den 118 Jahre alten Wettbewerb komplett verändern werden.

"Für uns ist das Ergebnis eine herbe Enttäuschung, die uns erst einmal fassungslos macht", sagte Ulrich Klaus, Präsident des DTB: "Wir sind bis zum Schluss davon ausgegangen, dass die Mehrheit der Mitgliedsnationen vernünftig und mit Bedacht abstimmen würde. Wir haben stets betont, dass wir gewisse Anpassungen im Davis Cup für notwendig erachten - aber keine Reform, die den etablierten Wettbewerb abschafft."

Drei Milliarden Dollar?

Anstelle von vier über das gesamte Jahr verteilten Runden mit Heim- und Auswärtsspielen in der Weltgruppe spielen nun 18 Teams in einem einwöchigen Turnier in der zweiten Novemberhälfte um die Trophäe. Nach einer Vorrunde folgt eine Finalrunde im Knock-out-Format mit jeweils zwei Einzeln und einem Doppel über zwei Gewinnsätze.

In einem Qualifikationsturnier im Februar sollen 16 Teilnehmer ermittelt werden, zwei weitere erhalten eine Wildcard. Lille und Madrid haben bereits ihr Interesse als Gastgeber signalisiert. Haggerty und seine Mitstreiter überzeugten die Verbände mit viel Geld. "Die ITF ist die einzige Organisation, die Geld in die Entwicklung des Spiels steckt. Und dieses Projekt versetzt uns dazu in die Lage", hatte der Funktionär aus den USA vor der Abstimmung gesagt.

Für die Finanzierung soll die Investmentgruppe Kosmos sorgen, zu deren Gründern Spaniens ehemaliger Fußballweltmeister Gerard Piqué vom FC Barcelona gehört. Drei Milliarden Dollar für die kommenden 25 Jahre sind versprochen, allerdings fehlt den Kritikern bei diesem Deal die Transparenz.

Quelle: n-tv.de