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Toptalent Fichtner patztBeim historischen Biathlon-Debakel fließen Tränen

08.03.2026, 16:10 Uhr
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Marlene Fichtner unterlief ein folgenschwerer Fehler. (Foto: picture alliance / CTK)

Ein kleiner Fehler mit großer Wirkung: Die deutschen Biathletinnen haben in der Staffel beim Weltcup in Kontiolahti keine Chance, weil Startläuferin Marlene Fichtner einmal zu wenig schießt. Es ist nicht der erste Staffel-Patzer des Toptalents.

Marlene Fichtner war untröstlich, im Zielraum flossen nach ihrem Staffel-Drama bittere Tränen. Nachdem die 22-Jährige beim Weltcup in Kontiolahti in den Einzelrennen zunächst zwei dicke Ausrufezeichen gesetzt hatte, patzte das Toptalent als Startläuferin über die 4x6-Kilometer schwer und war für ein historisches deutsches Staffel-Debakel verantwortlich.

Fichtner gab im Liegendanschlag beim Nachladen einen Schuss zu wenig ab. Das DSV-Team erhielt dadurch zwei Strafminuten, fiel früh aussichtslos zurück und landete nur auf Rang 16. "In meinem Kopf war nur: Hauptsache nicht in die Strafrunde. Auf der Strecke ist mir dann aufgefallen, dass ich mindestens dreimal hätte nachladen müssen", sagte Fichtner im ZDF geknickt. Sie sei "natürlich überhaupt nicht zufrieden. Es tut mir total leid für das ganze Team, weil die anderen Mädels dranhängen".

Deutschland (1+12) hatte 6:35,1 Minuten Rückstand auf Sieger Schweden. Die Skandinavierinnen beendeten das letzte Staffelrennen der Saison vor Frankreich und Norwegen. Kein Wunder, wenn Janina Hettich-Walz frustriert von einem "gebrauchten Tag" sprach. Bisher waren zwei zwölfte Plätze die schlechtesten deutschen Staffel-Ergebnisse im Weltcup gewesen.

Zweites Staffel-Trauma für Fichtner

"So was kann passieren, aber darf natürlich nicht. Sie war völlig durch den Wind. Das müssen wir abhaken", sagte Cheftrainer Kristian Mehringer, nachdem das deutsche Team sogar vor einer Überrundung stand. "Wenn schon kacke, dann mit Schwung", ergänzte Vanessa Voigt.

Fichtner erlebte innerhalb von sechs Wochen bereits ihr zweites Staffel-Trauma. In der Single-Mixed-Staffel in Nove Mesto im Januar hatte sie mit Leonhard Pfund gewonnen, das DSV-Duo wurde nachträglich aber disqualifiziert, weil Fichtner nach dem letzten Liegendschießen ihr Gewehr nicht regelkonform geschultert hatte.

Weltcup-Wochenende hatte so gut begonnen

Es war für die junge Athletin aus Ruhpolding ein bitterer Tiefpunkt eines Weltcups, der so gut für sie begonnen hatte. Einem beachtlichen fünften Platz im Einzel hatte Fichtner am Samstag im Massenstart einen bärenstarken vierten Rang folgen lassen. Das erste Weltcup-Podest ihrer Karriere verpasste sie dabei nur um sechs Sekunden. Da war die Welt noch in Ordnung. "Es war einfach nur traumhaft zu laufen. Ich habe versucht, bei mir zu bleiben und mutig an die Sache ranzugehen. Ich bin sehr stolz, dass es so gut geklappt hat", sagte sie da noch strahlend.

Irgendwie, fügte sie an, habe das Topergebnis über die 15 Kilometer "auch befreit, wenn man dann mal so eine Platzierung stehen hat". Mit so viel Selbstvertrauen hielt Fichtner sogar mit Topathletinnen wie der dreifachen Olympiasiegerin Julia Simon, Elvira Öberg oder Oceane Michelon mit. Sie versuche, sich an "den großen Namen, die dann um einen herum sind, irgendwie zu orientieren und mitzulaufen".

Nach dem Rücktritt von Preuß gilt Fichtner trotz ihres Staffel-Missgeschicks inzwischen zusammen mit der 21 Jahre alten Selina Grotian und der 20-jährigen Julia Tannheimer als große Hoffnung für den Deutschen Skiverband. Lob für Fichtner nach den Einzelrennen gab es deshalb auch von Olympiasiegerin Denise Herrmann-Wick. "Das war ein sehr starker Auftritt. Sie hat super ihr Ding durchgezogen", sagte die ZDF-Expertin. Am Sonntag war alles ganz anders.

Quelle: ntv.de, ara/sid

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