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Sie trieb in Hassliebe Katarina Witt zu Höchstleistungen Trainerlegende Jutta Müller feiert ohne Eis

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Vor 19 Jahren bestritten Witt und Müller das letzte Mal gemeinsam einen Wettbewerb - aus "Hassliebe" wurde seitdem "verständnisvolle Gemeinsamkeit".

(Foto: picture alliance / dpa)

Sie war die graue Eminenz hinter Eiskunstlauf-Star Katarina Witt: Jutta Müller holte in ihrer Trainerkarriere mehr Medaillen als jede andere, hatte jedoch nach der Wende mit ihrer SED-Vergangenheit zu kämpfen. Nun wird die Ehrenbürgerin von Chemnitz 85 Jahre alt.

Sie war die pelzbehangene, resolute Dame in der Tränenecke neben dem schönsten Gesicht des Sozialismus. Triumphierend oder mürrisch - Jutta Müller war stets anzusehen, ob sie mit Katarina Witt zufrieden war. 19 Jahre nach ihrem letzten gemeinsamen Wettkampf mit der zweimaligen Olympiasiegerin feiert die erfolgreichste Eiskunstlauf-Trainerin der Geschichte heute ihren 85. Geburtstag.

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Jutta Müller bei den Olympischen Spielen 1984 in Sarajevo mit Goldmedaillengewinnerin Katarina Witt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Ehrenbürgerin von Chemnitz tut das im Kreise der ehemali gen Trainerkollegen in ihrer Heimat. Ihre 65-jährige Tochter Gaby Seyfert ist auf Reisen, gemeinsam soll dann der 90. gefeiert werden. Jutta Müller steht zwar nicht mehr auf dem Eis, dennoch zieht es sie immer noch in die Halle des Chemnitzer Eislauf-Clubs. "Ich gehe noch sehr gern auf meine Eisbahn, das gehört zu meinem Lebensinhalt dazu." Bekannt wurde sie vor allem aber auch durch die Rolle, die sie am Rande der Eisbahn spielte. Zu DDR-Zeiten war sie das Sinnbild der erfolgshungrigen älteren Dame, die junge Mädchen über das Eis scheucht.

Ihre Mimik verriet damals sofort, ob die die mit 57 Medaillen erfolgreichste Eiskunstlauf-Trainerin der Geschichte mit ihrer Vorzeigeläuferin Katarina Witt zufrieden war. Und das durfte sie oft sein. Kati Witt holte unter Müller zweimal Gold bei Olympia, vier WM- und sechs EM-Titel. Ihr letzter gemeinsamer Auftritt liegt inzwischen 19 Jahre zurück. Im Schatten von Witt führte Müller jedoch auch Anett Pötzsch-Rauschenbach zum Olympia-Sieg, Jan Hoffmann und ihre Tochter Gaby gewannen olympisches Silber. Sie selbst wurde DDR-Meisterin im Paarlauf.

Schwieriger Neustart für "Kind des alten Systems"

Nach der Wende gestaltete sich die Karriere der Erfolgstrainerin zunächst schwierig - die Deutsche Eislauf-Union zeigte dem linientreuen SED-Mitglied Müller zunächst die kalte Schulter, musste sie dann jedoch bei den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer wohl oder übel als Betreuerin von Kati Witt in das Olympia-Team integrieren. "Natürlich war ich ein Kind des alten Systems, aber ich hätte mehr Verständnis dafür erwartet, dass ich mich während des Umbruchs in vielen Dingen neu zurechtfinden musste", sagt Jutta Müller. Ihre Enttäuschung habe sie aber heute überwunden.

Allerdings war auch ihre Beziehung zur Meister-Schülerin Kati Witt nicht immer nur harmonisch. Witt erzählte in einer TV-Show, dass sie stets schnell gemerkt habe, wenn etwas nicht zu Müllers Zufriedenheit verlief. Dann nämlich habe die Trainerin auf das liebevolle "Kati" verzichtet und stattdessen ein lautes und deutliches "Katarina" hören lassen, das Witt "heute noch im Ohr" habe. Doch mittlerweile sei die Strenge aus ihrer Beziehung gewichen. "Früher war es Hassliebe, jetzt ist es eine verständnisvolle Gemeinsamkeit unter Erwachsenen."

Besonders am Herzen liegen Jutta Müller inzwischen die viermaligen Paarlauf-Weltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy, die sie nach dem gewonnenem Grand-Prix-Finale am Wochenende in Japan sofort beim Training besuchte. "Sie ist die beste Trainerin der Welt", sagte deren Trainer Ingo Steuer. Zur deutschen Meisterschaft am Wochenende in Berlin, wo Savchenko/Szolkowy ihren achten nationalen Titel anstreben, wird Jutta Müller, die Ehrenbürgerin von Chemnitz, allerdings nicht mehr reisen.

Quelle: n-tv.de, bwe/dpa/sid