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Biathlon-Pionierin wird 50 Turbo-Disl ging stets über die Schmerzgrenze

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Völlig erschöpft im Ziel: Uschi Disl war besser als die meisten Biathletinnen, weil sie extrem gut leiden konnte.

Als Pionierin macht Uschi Disl Biathlon in Deutschland populär, feiert mit der Staffel große Erfolge und krönt sich bei der WM 2005 zur Doppel-Weltmeisterin im Einzel. Disls Erfolgsrezept: ihr unbändiger Wille. Jetzt lässt sie es ruhiger angehen - und bringt ihrer Tochter natürlich Biathlon bei.

Mitten im Nirgendwo wird Uschi Disl heute ihren 50. Geburtstag feiern. Im schwedischen Mora, gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Thomas und den beiden Kindern Hanna und Tobias, auf dem eigenen Gehöft weit weg vom Trubel vergangener Jahre. Eine der erfolgreichsten Biathletinnen des Landes hat das Weite gesucht, die einst in der Loipe so schnelle "Turbo-Disl" lässt es heute etwas ruhiger angehen.

"Wir genießen es in der Einsamkeit, hier ist sonst überhaupt niemand", sagte sie zuletzt in einer Videobotschaft. Das liegt aber auch an Corona. Schweden hat international durch seine lockere Herangehensweise bei der Bekämpfung des Virus viel Kritik geerntet, die Regierung setzt auf Handlungsempfehlungen statt Verordnungen.

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Immer am Kämpfen: Uschi Disl.

(Foto: imago sportfotodienst)

"Die Risikogruppen werden isoliert", erzählte Disl nach der ersten Welle im Frühling, natürlich würden alle Hygienevorschriften genauso gelten. "Wie werden sehen, was am Ende der bessere Weg ist", sagte sie gelassen.

Disl konnte sich quälen

Ihre Laufbahn im Biathlon war kaum zu toppen. Mit elf Jahren bekam sie Langlaufski geschenkt, mit 16 hielt sie erstmals ein Gewehr in der Hand. Nach ihrem Karrierende vor mehr als 14 Jahren standen unter anderem zwei Goldmedaillen bei Olympia (neun Medaillen insgesamt) sowie acht Weltmeistertitel auf ihrer Visitenkarte.

Nachdem Disl viele ihrer Erfolge mit der Staffel feierte ("Das Gefühl, dass sich vier über eine Medaille freuen können, ist viel, viel schöner"), gelang ihr bei der WM 2005 in Hochfilzen auch als Einzelkämpferin der ersehnte große Wurf. Gold im Sprint, Gold in der Verfolgung, Doppel-Weltmeisterin - und Sportlerin des Jahres.

Ihr Erfolgsgeheimnis? Disl konnte sich quälen, über die Schmerzgrenze gehen. Sie hatte einen unbändigen Willen und die Fähigkeit, in der Schlussrunde noch einmal den Turbo zu zünden. Auch dank ihr wurde Biathlon zu einer deutschen Wintersport-Attraktion. Als bodenständige Frohnatur stieg sie zum Publikumsliebling auf, das bewiesen die "Uschi"-Sprechchöre in den Arenen von Oberhof, Ruhpolding oder Antholz.

Tochter "hat mehr Talent"

Nun bringt Ursula Disl aus Großeglsee bei Dietramszell in Oberbayern in ihrer Freizeit unter anderem Tochter Hanna Biathlon näher, übt mit ihr auf dem Schießstand. Dort, wo ihr die Nerven in den entscheidenden Momenten oft einen Streich spielten, sie weitere Siege liegen ließ. Hanna habe "wesentlich mehr Talent beim Schießen als ich", sagte Disl dem BR mit ihrem typischen Lächeln, das ihr in Deutschland so viele Sympathien einbrachte.

Sonst engagiert sich die Pionierin unter den Skijägerinnen in der Kinderhilfsorganisation "Right to Play" oder hält Vorträge als Markenbotschafterin von Viessmann. Und sie genießt das Leben. "Während meiner aktiven Karriere war ich sehr zufrieden, man kennt ja nichts anderes", sagte sie: "Aber jetzt als Mutter von zwei Kindern ist es noch besser."

Quelle: ntv.de, dbe/sid