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Boxtrainer lobt "hohe Qualität" Ulli Wegner vermisst das DDR-Sportsystem

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Boxtrainer Ulli Wegner machte Arthur Abraham zum Weltmeister.

(Foto: imago/Christian Schroedter)

Für Ulli Wegner hat das DDR-System das deutsche Profi-Boxen groß gemacht. Die Boxtrainer-Legende vermisst die Struktur und Planung von früher, die vielen Talenten den Weg geebnet hätten. Der Erfolgscoach hat auch kritische Worte für die DDR übrig - und bangt nach seiner Kündigung weiter um seine Zukunft.

Boxtrainer Ulli Wegner vermisst das System der Kinder- und Jugendsportschulen der DDR. "Bei der Volkswirtschaft mag die DDR zusammengebrochen sein. Aber im Leistungssport sind Strukturen und Planung voll aufgegangen. Alles war perfekt organisiert", sagte der 77-Jährige der "Sportbild". Die systematische Arbeit habe sich bezahlt gemacht, sagte der Coach, der nach der Wende unter anderen Sven Ottke, Markus Beyer, Arthur Abraham und Marco Huck zu Profi-Weltmeistern gemacht hatte. Struktur und Planung würden im heutigen deutschen Boxen fehlen.

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Ulli Wegner und sein Boxer Sven Ottke kürten sich 2003 zum Doppelweltmeister.

(Foto: imago sportfotodienst)

Die Kinder- und Jugendsportschulen würden dem Boxen heute noch guttun, die professionelle Ausbildung habe in jeder Altersstufe die besten Boxer gefördert und ausgebildet. "Frühtraining und Nachmittagstraining. Davor und danach Schule. Es war hart! Aber dadurch entstand hohe Qualität." Allerdings würde laut Wegner dieses System heute aufgrund kapitalistischer "Zwänge" nicht mehr funktionieren. In der DDR seien Boxer, die gleichzeitig eine Lehre machten, oft freigestellt worden.

"Alles oder nischt!"

Heute verdiene "der Lehrmeister das meiste am Lehrling" und weil Freistellungen nicht mehr möglich sein, "kommen fast nur noch die absoluten Talente nach oben". Wegner lobte auch, dass Boxer in der DDR einen regulären Beruf zusätzlich zum Sport erlernen mussten. Heute sei das nicht mehr der Fall. "Und wenn es nicht klappt", sagte er über die Boxer dieser Tage, "stürzen sie brutal ab". Wegner kritisierte aber damalige Kontrollen durch die Stasi, die zusammen mit Enteignungen von privaten Unternehmen den DDR-Staat "kaputt gemacht" hätten.

Zum Jahresende ist Wegners Trainer-Vertrag bei Promotor Sauerland gekündigt worden. Der Boxstall bevorzugt die Variante, nach der die Boxer den Trainer selbst finanzieren. "Das hat mit meinem Verständnis vom Leistungssport nichts zu tun", sagte Wegner: "Es kann nicht sein, dass sich ein Boxer seinen Trainer aussuchen kann. Der Stall muss den Trainer vorgeben und der Boxer muss das akzeptieren - sonst tanzt der Athlet dem Trainer auf der Nase rum." Wegner wisse daher nicht, wie es weitergeht. Er hält an seinen traditionellem Boxverständnis fest und könne nur: "Alles oder nischt!" Für ihn stehe fest: "Ich möchte das Boxen in einem guten Zustand hinterlassen."

Quelle: ntv.de, dbe