Weil Emma Aicher lauertEmotionen überwältigen schwer verletzte Lindsey Vonn

Emma Aicher kann in der zweiten Abfahrt von Val di Fassa die Führung in der Abfahrtswertung übernehmen - und die bisherige Nummer eins Lindsey Vonn wird deswegen emotional. Sie erklärt sich mit vielen Worten und schreibt über ihre Tränen.
US-Skistar Lindsey Vonn hat mit einem emotionalen Post auf die Erfolge ihrer Konkurrentinnen um Emma Aicher und den drohenden Verlust von Rang eins im Abfahrts-Weltcup reagiert. "Warum bedeutet mir dieser Titel so viel? Warum heule ich wegen einer Kristallkugel?", schrieb die schwer am Bein verletzte Vonn in dem langen Text, den sie zu mehreren Fotos aus der Saison stellte. Seit dem ersten Rennen habe sie das rote Trikot der Weltcup-Führenden getragen, "aber morgen wird aller Wahrscheinlichkeit nach mein letzter Tag als Nummer eins sein".
Vonn hatte in der Olympia-Saison die erste Weltcup-Abfahrt in St. Moritz gewonnen und bis zu ihrer schweren Verletzung bei den Olympischen Spielen 400 Punkte gesammelt. Aicher rückte durch Rang zwei in Val di Fassa bis auf 14 Zähler an Vonn heran, auch Siegerin Laura Pirovano aus Italien mit nun 336 Punkten und Kira Weidle-Winkelmann mit 306 Punkten könnten in der Abfahrt heute (Start 10.45 Uhr) an der US-Amerikanerin vorbeiziehen. Danach kommt nur noch eine weitere Abfahrt in der Weltcup-Saison.
"Zu Saisonbeginn hätte niemand geglaubt, dass ich überhaupt in dieser Position sein würde. Ich wette, die Leute hätten sogar gelacht, wenn das jemand vorhergesagt hätte", schrieb die 41-Jährige.
Lindsey Vonn bleiben die Erinnerungen
In ihrem Beitrag listete Vonn auf, was sie entgegen aller Erwartungen erreicht hat in diesem Winter. Sie sei in jedem Rennen auf dem Podium gestanden, zwei davon habe sie gewonnen. Sie habe sich zurück an die Spitze gekämpft, "nachdem ich sechs Jahre im Ruhestand war und ein künstliches Kniegelenk hatte". Das alleine sei eine Leistung, "die ich nie vergessen werde. Auch wenn sich in ein paar Tagen niemand mehr daran erinnern wird, dass ich die Gesamtwertung fast gewonnen hätte - ich werde mich daran erinnern."
Bei ihrem Sturz während der Abfahrt in Cortina hatte sich die Speed-Spezialistin eine komplexe Schienbeinverletzung zugezogen. Unmittelbar vor den Olympischen Spielen hatte sie sich bereits das Kreuzband gerissen, war aber dennoch an den Start gegangen.
Was ihr niemand nehmen könne, seien die Erinnerungen. "Den Titel nicht zu gewinnen, macht diese Saison kein Stück weniger außergewöhnlich", schrieb sie. Sie habe die Momente mit den Fans geliebt, im Starthaus zu stehen oder die Ziellinie zu überqueren und die Nummer eins aufleuchten zu sehen neben ihrem Namen. "Diese Erinnerungen werden nicht weggewischt, weil es keinen Titel gibt. Meine Tränen bedeuten einfach, dass es mir wichtig war. Das war es immer", schrieb sie.