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Handball streitet um Turnier "Weltweite Situation lässt eine WM nicht zu"

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Patrick Wiencek ist einer der Profis, die Zweifel an der WM-Austragung äußern.

(Foto: imago images/Horstmüller)

Kontaktbeschränkungen, leere Hallen und eine steigende Zahl an Corona-Infektionen - vielen Handball-Profis ist grad nicht danach, im Januar eine Weltmeisterschaft zu spielen. In der Bundesliga regt sich Widerstand gegen das Turnier in Ägypten. Allerdings ist die Meinung längst nicht einstimmig.

Die Vorlage des Liga-Kollegen aus Wetzlar nahm Viktor Szilagyi dankend an. "Wir als THW Kiel würden eine WM-Verschiebung begrüßen. Die weltweite Situation lässt ein solches Turnier momentan einfach nicht zu", sagte der Geschäftsführer des Rekordmeisters und sorgte damit in der seit Wochen schwelenden Debatte um die Austragung der Handball-WM für Aufsehen.

Zuvor hatte sich Björn Seipp, Geschäftsführer der HSG Wetzlar, via Klubmitteilung gegen eine Austragung des Turniers im Januar ausgesprochen und eine Verlegung ins Spiel gebracht. Anstatt die WM in Ägypten abzusagen, solle man "Überlegungen weiter forcieren, die WM und alle nachfolgenden internationalen Turniere um ein Jahr zu verschieben", sagte Seipp: "Dann wäre eventuell ein Impfstoff da, der hoffentlich vieles einfacher und sicherer macht."

Mit seinen Einlassungen traf Seipp ganz offensichtlich den Nerv einiger Bundesliga-Kollegen. Zwar hält Melsungens Geschäftsführer Axel Geerken eine von Seipp ebenfalls genannte Verschiebung in den Juni aufgrund der langen Bundesliga-Saison und der Olympischen Spiele "nicht für möglich". Doch über den Vorschlag, die WM um ein Jahr zu verlegen, könne "man durchaus nachdenken. Das wäre eine Möglichkeit", sagte Geerken, der mit seinem Klub aktuell die meisten deutschen Nationalspieler stellt.

Ein schwieriger Spagat

Szilagyi verwies in seiner Argumentation auf die aktuelle Corona-Lage: "Es ist momentan nicht vorherzusehen, was im Januar sein wird. Aber wenn man sieht, dass es in allen Bereichen gerade darum geht, die sozialen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren, dann passt eine WM mit 32 Teams, noch dazu außerhalb Europas, nicht dazu." Eine Verschiebung, so der frühere österreichische Nationalspieler, "würde die derzeitige Situation für alle Beteiligten entspannen". Auch Geerken könnte zum jetzigen Zeitpunkt "keinem empfehlen, irgendwo hinzufahren, schon gar nicht zu einer WM mit 32 Teams aus der ganzen Welt". Doch er wirbt dafür, bei der Entscheidungsfindung die Spieler mit einzubeziehen.

Die Profis hatten sich zuletzt ganz unterschiedlich zu dem Thema geäußert. Während sich mit Kapitän Uwe Gensheimer, Torhüter Johannes Bitter und Rechtsaußen Timo Kastening drei DHB-Stars tendenziell pro WM aussprachen, gab es vor allem von Kieler Seite (Pekeler, Wiencek, Weinhold, Duvnjak) Gegenwind.

"Ich kann die Zweifel und Sorgen der Spieler total nachvollziehen", sagte Szilagyi und erinnerte an die "Fürsorgepflicht" gegenüber den Spielern: "Am Ende kann es nicht die Lösung sein, dass die Mannschaften nicht mit ihren besten Spielern antreten, weil die aus Sorge um ihre Gesundheit zu Hause bleiben. Die Verbände haben da eine große Verantwortung." Geerken will mit einer finalen Beurteilung der WM-Frage aber noch abwarten. "In den kommenden Wochen gilt es, zusammen mit der IHF und den nationalen Verbänden einen Konsens herzustellen im Sinne der Gesundheit, aber auch zum Wohle der Sportart", sagte er und appellierte an die gesamte Handball-Familie: "Das ist ein schwieriger Spagat, den wir alle hinbekommen müssen."

Quelle: ntv.de, Christoph Stukenbrock, sid