Sport

"Es ist ein schwieriger Prozess" Werden russische Doper nie bestraft?

imago40856602h.jpg

Der russische Sportminister Pawel Kolobkow zeigt sich entschieden gegen Dopingbetrüger - warnt aber auch vor Vorverurteilungen.

(Foto: imago images / ITAR-TASS)

298 russische Sportler führt die Welt-Anti-Doping-Agentur nach der ersten Auswertung eines spektakulären Datensatzes aus Moskau bereits als mögliche Dopingbetrüger. Ob die Sportler aber jemals überführt und bestraft werden können, ist unsicher, sagt der Chefermittler.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur ist trotz der im Moskauer Analyselabor sichergestellten Daten und Doping-Proben, nicht sicher, russische Athleten nachträglich des Sportbetrugs überführen zu können. "Das Problem ist: Wir haben keine positiven Dopingproben", sagte Wada-Chefermittler Günter Younger im Interview mit "Spiegel online". Man habe nur eine Vielzahl von Indizien, deshalb sei es wie bei der Polizei: "Wir haben Verdachtsmomente, jetzt wird ermittelt. Zu erwarten, dass alle Verdächtigen am Ende überführt werden, ist unrealistisch."

Die Wada hatte nach der bisherigen Analyse der Daten und Proben 298 russische Sportler identifiziert, die unter Dopingverdacht stehen. 43 sogenannte Indizienpakete mit den Belegen für die im Moskauer Labor vertuschten Einnahmen verbotener Mittel sind bereits an verschiedene internationale Verbände übermittelt worden.

Die Sportverbände müssten prüfen, ob ihnen die Indizien ausreichen, um einen Dopingfall festzustellen. Falls die Verbände es nicht tun, kann die Wada den Internationalen Sportgerichtshof (Cas) anrufen. "Dann müssen wir sehen, ob wir vor den Cas ziehen und schauen, wie weit wir kommen", bestätigte Younger. "Wenn das Gericht aber beispielsweise nach dem 20. Fall sagt, ab sofort reichen die Indizien nicht mehr aus, um einen positiven Fall zu haben, müssen wir die anderen gar nicht mehr weiterbearbeiten. Es ist ein sehr schwieriger Prozess."

"Internationale Verbände werden entscheiden"

"Auch wenn ein Fall nicht zu einer Sperre führt: Die Informationen werden ja trotzdem an den Verband weitergegeben." So könnten "spezielle Testprogramme aufgestellt werden, um den Sportler in Zukunft genauer zu kontrollieren", sagte der deutsche Wada-Ermittler.

Russlands Sportminister Pawel Kolobkow hatte bereits ein hartes Vorgehen gegen Dopingsünder angekündigt: "Falls ein Sportler die Anti-Doping-Regularien verletzt hat, wird er disqualifiziert. Russland unterstützt sauberen Sport." Gleichzeitig warnte der Politiker aber auch vor einer Vorverurteilung: "Anstatt schnelle Schlüsse zu ziehen, sollten wir auf die Ergebnisse der Untersuchung warten", sagte er laut der russischen Nachrichtenagentur Tass: "Anhand der Ergebnisse werden die internationalen Sportverbände entscheiden, ob die Beweise ausreichen oder nicht."

Ein Expertenteam der Wada hatte im Januar die Daten aus dem sogenannten Labor-Informations- und Management-System (LIMS) gesichert. In dem Datensatz enthalten sind alle Doping-Testdaten zwischen Januar 2012 und August 2015. In diesem Zeitraum sollen im Moskauer Labor systematisch positive Tests vertuscht worden sein. Die Wada erhielt neben Analysedaten 4524 A- und B-Proben von russischen Athleten, die im Dopingverdacht stehen. Die Auswertung des insgesamt 24 Terrabyte großen Datensatzes werde noch mehrere Monate dauern, gab die Wada bereits Anfang Juli bekannt.

Quelle: n-tv.de, ter/dpa/sid