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Der Tiger leidet nicht mehr Woods überwältigt sich und die Sportwelt

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Er brülllt wieder: Tiger Woods gewinnt das legendäre Golf-Masters.

(Foto: imago images / AFLOSPORT)

Tiger Woods ist ganz oben. Tiger Woods ist ganz unten. Die Karriere des Golf-Stars kennt alle Extreme. Vor zwei Jahren droht ihm gar ein bitteres Ende als Profisportler. Doch Woods kämpft, mit sich und seinem Körper - und liefert nun beim Masters einen der emtionalsten Sportmomente der vergangenen Jahre.

Das Leben von Tiger Woods ist eine unglaubliche Geschichte voller sportlicher Triumphe, persönlicher Dramen, leidenschaftlicher Liebe, bitterer Leidenszeit. Und es ist die Geschichte einer märchenhaften Rückkehr. Mit seinem fünften Triumph beim legendären Masters bescherte das Golf-Phänomen Woods der Sport-Welt einen der emotionalsten Momente der letzten Jahrzehnte. "Ich bin buchstäblich in Tränen aufgelöst, wenn ich @TigerWoods beobachte", twitterte Tennis-Queen Serena Williams. "Wissen alle, was du körperlich durchgemacht hast, um zurückzukehren und das zu tun, was du gerade getan hast? Wow. Herzlichen Glückwunsch, eine Million Mal! Ich bin so inspiriert, Danke, Kumpel."

Aus aller Herren Länder flatterten die Glückwünsche und Anerkennungen für den Triumph herein - mit dem es dem Superstar sogar gelang, US-Präsident Donald Trump und dessen Vorgänger Barack Obama auf eine Wellenlänge zu bringen. "Ein wirklich großer Champion" ist Woods für Trump, Obama schrieb von "Exzellenz und Charakterstärke". Sportlegenden wie Football-Star Tom Brady und Basketball-Ikone Magic Johnson schlossen sich den Elogen an. Den Gefeierten selbst allerdings brachten lediglich die Reaktionen seiner eigenen Superstars aus der Fassung. "Ich hoffe", stammelte Woods mit tränenerstickter Stimme, "ich denke, dass die beiden sehr stolz auf mich sind". Sam Alexis und Charlie Axel himmelten ihren Dad jedenfalls an, als sie Seite an Seite über das 18. Grün des Augusta National Golf Clubs schritten.

Elf Jahre nach seinem letzten großen Erfolg bei der PGA Championship 2008 in Torrey Pines ist der 43-Jährige wieder in der Spitze der Golf-Elite angekommen. Der Triumph in Augusta war Sieg Nummer 15 bei einem Major und der 81. Titel auf der US-Tour. In der Weltrangliste ist Woods wieder die Nummer sechs. "Es ist überwältigend, was passiert ist", sagte er bei der Siegerehrung, bevor ihm Vorjahressieger Patrick Reed in das berühmte grüne Jackett half.

Vergessen scheint die lange Leidenszeit, die im November 2009 ihren Anfang nahm. Woods fuhr mit seinem Wagen gegen einen Baum und einen Hydranten vor seinem Haus in Florida. Angeblich weil seine damalige Ehefrau Elin mit einem Golfschläger hinter ihm her war. In den nächsten Wochen berichteten Medien von mehreren Liebesaffären. Einige seiner Sponsoren gingen auf Abstand zum Golfstar. Woods nahm sich eine Auszeit und kehrte erst zum Masters im April 2010 auf den Golfplatz zurück. Vier Monate später war die Scheidung der Eheleute Woods abgeschlossen.

Den Körper brutal geschunden

Danach begann die Zeit der körperlichen Qualen. Knie- und Rückenoperationen wechselten sich ab, Comebackversuche scheiterten. Vor zwei Jahren schien der Tiefpunkt erreicht zu sein. Im April 2017 wurde Woods zum vierten Mal am lädierten Rücken operiert. "Mein Körper war ein Wrack", gestand er damals. Es gab Tage, an denen er kaum alleine aus dem Bett gekommen sei. Einen Monat später der nächste Rückschlag: In Florida wird er wegen Drogenmissbrauchs am Steuer festgenommen. Die Bilder des schwer gezeichneten Golfstars schockierten die Öffentlichkeit. Woods begab sich in stationäre Behandlung. In dieser Zeit drohte dem ersten Sport-Milliardär der Geschichte ein Leben ohne Golf. Viele Insider prophezeiten das Ende der Ära Woods.

Doch der Mann, der 683 Wochen an der Spitze der Weltrangliste stand, baute seinen Körper behutsam wieder auf und kämpfte sich Schritt für Schritt zurück. Die Jahre des harten Trainings hatten Spuren hinterlassen. Schon als Kind wurde er von seinem Vater Earl, einem Vietnam-Veteranen, mit militärischem Drill auf Erfolg getrimmt. Millionen von Bällen hat er über die Golfplätze und Drivingranges geprügelt. Eine einseitige Belastung, die trotz ausgeklügelter Trainingsmethoden und flankierender Physio-Programme dem Körper alles abverlangte. Woods gewann auch diesen Kampf. Ende November 2017 trat Woods wieder bei einem Einladungsturnier im luxuriösen Albany Golf Club auf den Bahamas an - als Nummer 1199 der Weltrangliste. Es war der Moment, an dem es für den jahrzehntelangen Dominator der Golf-Welt wieder aufwärts ging.

Nun ist Woods in den erlesenen Kreis der prominentesten aktiven Sportler endgültig zurückgekehrt: Tennis-Ass Roger Federer, Formel-1-Champion Lewis Hamilton, US-Skistar und Ex-Freundin Lindsey Vonn, die Fußball-Ikonen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, Basketball-Superstar LeBron James, Serena Williams sowie Tom Brady gehören diesem Klub an. Mit dem erneuten Triumph im Augusta National schloss sich für Tiger Woods übrigens auch ein Kreis. Direkt neben dem 18. Grün nahm der Superstar seine Tochter Sam und seinen Sohn Charlie sowie seine Mutter Kultida in die Arme. Vor 22 Jahren war er an genau der gleichen Stelle seinem Vater, Trainer und Förderer Earl Woods um den Hals gefallen. Der erste Masters-Sieg 1997 leitete eine einzigartige Karriere ein.

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Quelle: n-tv.de, Marc Möller, dpa

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