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"Mein Mitleid ist nicht allzu groß" Zabels Dopingbeichte reicht nicht

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Sagt er dieses Mal die Wahrheit? Erik Zabel geht in die Offensive, aber das Misstrauen bleibt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Erik Zabel offenbart sich - und zahlt einen Preis für seine Dopingbeichte: Den Job bei den Cyclassics ist er los. Aber: Experten zweifeln an seiner Aufrichtigkeit, aktuellen Fahrern kommt sein Geständnis zu spät. Und noch immer schweigen einstige Kollegen.

"Ja, jetzt bin ich das Arschloch, und ich fühle mich auch unwohl in meiner Haut." So beginnt Erik Zabel das Interview in der "Süddeutschen Zeitung" (SZ), in dem er nach jahrelangen Lügen seine Doping-Vergangenheit offenlegt. Angeblich auch, so sagt es Zabel, damit "die nächste Generation nicht immer mit den alten Geschichten belastet wird". Doch so einfach ist es nicht, das zeigen die ersten Reaktionen. Aktuelle Fahrer reagieren kritisch. Und viele Helden von einst schweigen noch immer.

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Marcel Kittels Erfolge werden von Zweifeln begleitet - auch wegen Erik Zabel.

(Foto: dpa)

Äußern wollen sich gegenwärtig nur aktive Fahrer. Darunter der WM-Vierte John Degenkolb, der 2011 beim Team HTC-Highroad mit Zabel zusammenarbeitete. "Für Erik Zabel ist das eine unangenehme Situation. Mein Mitleid fällt aber nicht allzu groß aus. Er hat die Chance für ein umfangreiches Geständnis zum richtigen Zeitpunkt nicht genutzt." Wie viel Glaubwürdigkeit Zabel verspielt hat, zeigt das zurückhaltende Statement von Marcel Kittel: "Ich hoffe, er macht jetzt alles klar und deutlich", sagte der vierfache Tour-Etappensieger von 2013.

Die Wahrheit - oder wieder eine Lüge?

Zabel hatte 2007 schon einmal Doping gestanden – und selbst dabei gelogen. Das beweist eine Liste, die der französische Senat in der vergangenen Woche präsentiert hat. 57 Epo-Sünder sind darin aufgeführt, Zabel ist dabei. 2007 hatte er noch behauptet, er habe Epo nur einmal probiert und sofort abgesetzt. "Ich dachte, dass es reichen würde, diese eine Epo-Kur zuzugeben. Es mir unangenehm und peinlich", sagte Zabel der "SZ" rückblickend zu seinem Auftritt. Einige Experten vermuten, dass der sechsmalige Gewinner des Grünen Trikots auch dieses Mal nicht die volle Wahrheit gesagt hat. " Ich halte es für unmöglich, dass man sich autodidaktisch EPO optimal dosiert verabreichen kann", sagt der renommierte Pharmakologe Fritz Sörgel. Das Doping müsse im System passiert sein. Doch die Namen von Hintermännern nennt Zabel nicht.

Stutzig macht auch, dass Zabel nach 2005 sauber unterwegs gewesen sein will. Damit gibt er wieder nur Doping in der Zeit jenseits der achtjährigen Verjährungsfrist zu. So drohen ihm zumindest sportrechtlich keine Konsequenzen.

Finanziell allerdings hat die Beichte Auswirkungen: Den Job als Sportdirektor der Hamburg Cyclassics ist er los. Die ARD prüft rechtliche Schritte gegen Zabel. Landet der Fall vor Gericht, müsste Zabel im Fall einer Niederlage Sponsorengelder zurückzahlen. Und der Koblenzer Radhersteller Canyon, für den Zabel als Gesicht der Initiative "Young Heroes" Nachwuchsfahrer unterstützt, prüft, ob Zabel weiterhin erwünscht ist.

Ullrich sitzt die Enthüllungen aus

Der größte deutsche Radheld der 90er Jahre macht dagegen weiter Kasse mit seinem Namen: Jan Ullrich bietet Touren für Radsportfreunde an. Vom 13. Bis 15. September fährt er mit Touristen durch die Vogesen, Preis für drei Tage: 999 Euro. Zu der Epo-Liste des französischen Senats, auf der auch Ullrich vermerkt ist, hat er sich bis heute nicht geäußert.

Dafür signalisierte Zabel gegenüber der "SZ" indirekt, dass Ullrich bei seinem Tour-Sieg 1997 gedopt gewesen sei. "Wir müssen ja jetzt niemanden mehr für dumm verkaufen, es gibt inzwischen genug Berichte, wie es damals war", sagte er, ohne weiter ins Detail zu gehen. Ullrich schweigt auch hierzu.

Aber es gibt auch noch andere, die zur Aufklärung beitragen können. Jens Heppner etwa, der für Team Telekom fuhr und ebenfalls auf der Epo-Liste auftaucht. Er schweigt seit Tagen zu den Vorwürfen. Er arbeitet mittlerweile als Sportdirektor bei NetApp. Das Team sieht laut Pressemitteilung keine Verbindung zwischen der positiven Probe ihres Sportdirektors Heppner und der Arbeit von heute. Heppner selbst antwortet nicht auf schriftliche Anfragen.

Einer will von nichts wissen

Und da ist dann noch Jens Voigt: Der 41-Jährige fuhr in diesem Jahr seine letzte Tour de France. Er war schon bei der Skandaltour 1998 dabei – und wehrte sich, zusammen mit der Fahrergewerkschaft, gegen die Nennung von Namen auf der Epo-Liste des französischen Senats. Voigts eigene Probe konnte nicht mehr analysiert werden. Er bestreitet, jemals etwas mit Doping zu tun gehabt zu haben. Nicht einmal in Diensten des skandalumwitterten CSC-Teams will er etwas mitbekommen haben. Sein ehemaliger Teamkollege Tyler Hamilton glaubt das nicht: "Du musst von Blinden umgeben sein, wenn du in deiner 15-jährigen Karriere nie etwas gehört oder gesehen haben willst", sagte er 2012 in einem Interview. Hamilton beschuldigte Voigt sogar, gedopt zu haben.

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Erik Zabel mit seinem Sohn, Radprofi Rick Zabel.

(Foto: dpa)

Für "Bicycling.com" schrieb Voigt im Oktober 2012 einen langen Blogeintrag über das Thema Doping. In der Kurzfassung: Voigt hat nicht gedopt, er hat nie jemanden dopen sehen, er ist schockiert über neue Enthüllungen über das systematische Doping im Peloton.Voigt nennt auch einen Grund, was ihn vom dopen abgehalten habe: der Gedanke daran, dass seine Kinder einst erfahren könnten, dass ihr Vater ein Dopingsünder ist.

Rick Zabel, der Sohn von Erik Zabel, hat vor einigen Tagen die volle Wahrheit erfahren – nachdem sein Vater schon einmal gelogen hatte, 2007. Nach dieser ersten Beichte sagte Rick Zabel noch: " Ich glaube nicht, dass sich das viele getraut hätten. Ich bin stolz auf meinen Papa. Er ist und bleibt ein Vorbild."

Quelle: n-tv.de, mit dpa/sid

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