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"Schwerer Sportbetrug" Zwei Jahre Gefängnisstrafe für Ex-Radprofi

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Stefan Denifl 2017 bei der Vuelta in Spanien: Jetzt muss der Ex-Profi ins Gefängnis.

(Foto: imago/Cronos)

Im Radsport würden Leistungen verlangt, die ohne Doping nicht mehr möglich seien, sagt der frühere Profi Stefan Denifl. Vor Gericht wird er wegen "schweren Sportbetruges" zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Denifl sagt, er sei kein Verbrecher, die Teams im Radspurt wüssten über Blutdoping Bescheid.

Wegen "schweren Sportbetruges" ist der frühere Radprofi Stefan Denifl aus Österreich vom Innsbrucker Landesgericht zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. 16 Monate davon sind zur Bewährung ausgesetzt. Es gibt für Anklage und Verteidigung nun eine dreitägige Frist, um gegen das Urteil Einspruch einzulegen.

Der 33 Jahre alte Tiroler Denifl war im Zuge der "Operation Aderlass" aufgeflogen und hatte später Blutdoping eingestanden. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm zudem vorgeworfen, vor der Verhandlung Geld beiseite geschafft zu haben und hatte deshalb die Anklage auf Betrug ausgeweitet. Von diesem Anklagepunkt wurde Denifl aber freigesprochen.

Ohne Doping kein neuer Vertrag

Denifl ist einer von 23 Sportlern aus acht europäischen Ländern, die als Kunde des Erfurter Sportarztes Mark S. Blutdoping betrieben haben sollen. Aufgefallen war der Mediziner aus Thüringen durch Ermittlungen der Operation Aderlass, die im Februar 2019 am Rande der Nordischen Ski-WM in Seefeld eingeleitet worden waren. Am kommenden Freitag wird in München das Strafmaß für Mark S. verkündet. Die Staatsanwaltschaft hat fünfeinhalb Jahre Haft gefordert.

Denifl soll laut Anklage zwischen 2014 und 2018 Blutdoping betrieben haben. Er versicherte aber, dass er kein Verbrecher sei. Im Profibereich würden Leistungen verlangt, die ohne Doping nicht mehr möglich seien. Die Teams wüssten darüber Bescheid, ohne Doping hätte er nach einer Knieverletzung nie einen Vertrag erhalten, sagte der Gewinner der Österreich-Rundfahrt von 2017.

Mark S. hatte jüngst seinen vorletzten Verhandlungstag. Der Staatsanwalt sieht den Thüringer als Doping-Organisator, der mit dem Betrug jahrelang Geld verdienen wollte, den Berufseid "vollends in die Tonne" trat und auch wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haft von fünfeinhalb Jahren verurteilt gehört. Die Anwälte des Mediziners dagegen wollen ihren Mandanten schon bald frei haben, am besten gleich nach der Urteilsverkündung am Freitag. Der Haftbefehl sei auszusetzen, forderten die Verteidiger. Einig waren sich Anklage und Verteidigung nur, dass Mark S. jahrelang an mehreren Winter- und Radsportlerin Blutdoping betrieb und in den letzten Jahren seines Handelns bis zur Razzia der "Operation Aderlass" im Februar 2019 auch vier Helfer involvierte.

Quelle: ntv.de, dbe/sid