Formel1

Neue DoppelspitzeAudi reagiert auf überraschendes Formel-1-Personalbeben

24.04.2026, 14:39 Uhr
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Nico Hülkenberg bekommt bei Audi einen Renndirektor vorgesetzt. (Foto: IMAGO/DeFodi Images)

Schon nach dem zweiten Saisonrennen verliert der Formel-1-Rennstall Audi seinen Teamchef. Jetzt hat das Werksteam einen Ersatzmann gefunden. Dessen Jobtitel bedeutet zugleich eine neue Rollenverteilung an der Audi-Spitze.

Audi reagiert auf den überraschenden Weggang von Teamchef Jonathan Wheatley, indem der Rennstall die Position des Renndirektors schafft. Diese übernimmt der Schotte Allan McNish, bis dato Chef des Nachwuchsprogramms bei Audi. McNish werde schon beim kommenden Grand-Prix-Wochenende in Miami (7. bis 9. Mai) sein neues Amt ausfüllen, teilte der deutsche Autobauer mit. Als Renndirektor berichtet der 56-Jährige direkt an Mattia Binotto, der sowohl CEO des Formel-1-Projekts von Audi als auch Teamchef des Rennstalls bleibt.

"Allan bringt eine außergewöhnliche Kombination aus Rennerfahrung, technischem Verständnis und Führungsstärke in diese Rolle ein", sagte Binotto. "Diese Ernennung stärkt unsere Führung an der Strecke in einer entscheidenden Phase unseres Projekts. Allans Fähigkeit, alle leistungsrelevanten Bereiche zu verknüpfen – von sportlichen Abläufen bis hin zur Fahrerentwicklung – wird von grundlegender Bedeutung sein, während wir unser Team weiter aufbauen." McNish nannte es ein "Privileg" und eine "Ehre", für die Marke mit den vier Ringen als Renndirektor zu arbeiten. "Mein Fokus wird darauf liegen, sicherzustellen, dass alle Aspekte unseres Rennstalls auf ihrem höchstmöglichen Niveau arbeiten und sich kontinuierlich verbessern."

Wheatley hatte Audi kurz vor dem dritten Saisonrennen in Japan nach nicht einmal einem Jahr im Amt des Teamchefs verlassen und "persönliche Gründe" als Grund angegeben. Im Fahrerlager rechnet man allerdings damit, dass sich der Brite Aston Martin anschließt, um den angeschlagenen und mit Aufgaben überfrachteten Teamchef Adrian Newey zu entlasten. Bei Audi hatte Wheatley eine Doppelspitze mit Mattia Binotto, dem CEO des Formel-1-Projekts von Audi, gebildet. Die Zusammenarbeit der beiden soll nicht reibungslos gelaufen sein. Nach Wheatleys Abgang übernahm Binotto auch den Posten des Teamchefs und kündigte an, den Rennstall um den deutschen Piloten Nico Hülkenberg neu zu strukturieren.

Interessant ist, dass McNish nicht wie Wheatley als Teamchef, sondern als Renndirektor ins Formel-1-Team von Audi rückt. Binotto bleibt als CEO und Teamchef an der Spitze. Der Renndirektor eines Formel-1-Teams kümmert sich vor allem um das operative Geschäft an der Strecke, die Abläufe innerhalb des Teams und die Rennstrategie, während der Teamchef in erster Linie die weiten Linien und strategischen Ziele vorgibt und das Team nach außen vertritt.

Audi wie einst McLaren, Williams und Red Bull?

Wheatley selbst hatte vor seinem Wechsel zu Sauber, das seit 2026 komplett in Audi-Hand ist, bei Red Bull als "Sportdirektor" unter Teamchef Christian Horner in einer ähnlichen Konstellation wie jetzt das Duo Binotto/McNish gearbeitet. Auch bei McLaren gab es unter den mächtigen Teamchefs Ron Dennis und Frank Williams jahrelang die Position eines Renn- respektive Technischen Direktors.

Für Binotto dürfte die Arbeitsteilung mit dem neuen Renndirektor einfacher sein als das vorherige Modell, in dem Wheatley als Teamchef deutlich höher angesiedelt war. Schon nach dem Rennen in Japan hatte Binotto angedeutet, an der Spitze des Werksteams zu bleiben. "Wir schauen nicht nach einem neuen Teamchef", sagte er. Stattdessen wolle er Rollen neu oder anders verteilen und "die Struktur des Teams reorganisieren".

McNish arbeitet schon lange im Motorsport-Kosmos von Audi. Mit dem deutschen Autobauer gewann er zweimal die legendären 24 Stunden von Le Mans, leitete später auch das Formel-E-Team. In der Formel 1 ging der 56-Jährige in der Saison 2002 bei 16 Grands Prix für Toyota an den Start.

Die Formel 1 setzt die Saison nach der durch den Iran-Krieg entstandenen Pause im April Anfang Mai mit dem Grand Prix von Miami fort. F1-Neuling Audi hat sich in den ersten drei Rennen durchaus beachtlich geschlagen und bis dato zwei WM-Punkte eingefahren, womit das Team in der Hersteller-WM Rang acht von elf einnimmt.

Quelle: ntv.de, mar

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