Formel1

Mercedes in der Formel 1 Auf die Sieger gesetzt

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So sehen Sieger aus: Ross Brawn lässt sich von seinem Team feiern.

(Foto: REUTERS)

Während der Formel 1 mit Toyota ein weiterer großer Hersteller den Rücken gekehrt hat, kauft sich Mercedes neu beim Weltmeister-Team ein. Größenwahn oder Kalkül? Die Rechnung könnte aufgehen.

Bei Mercedes setzt man auf Sieger. Die Schwaben haben sich bei Brawn eingekauft und wollen McLaren Goodbye sagen. Geht allerdings frühesten 2011, weshalb es in der kommenden Saison wohl zwei Mercedes-Teams geben wird. Das klingt zunächst mal nach viel mehr Geld, welches man in den PS-Zirkus buttern muss. Tatsächlich will sich Mercedes aber mit der Übernahme von Brawn GP künftig schlanker aufstellen.

Im Laufe der nächsten zwei Jahre plant man, die Anteile von 40 Prozent an McLaren zu verkaufen. Hauseigenen Berechnungen zufolge soll dieser Verkauf eine dreistellige Millionensumme in die Kassen spülen. Von 200 Millionen Dollar ist die Rede. Damit wäre der Kauf von 75,1 Prozent der Anteile an Brawn GP bereits refinanziert, denn das kleine und junge Brawn-Team ist deutlich billiger als McLaren. Für 123 Millionen Euro ist der Einstieg bei Brawn möglich. Für Brawn selbst dürfte es das Geschäft seines Lebens werden. Er hatte die Reste des Honda-Rennstalls für einen Dollar übernommen.

Daimler-Betriebsrat kritisch

Auch das jährliche Budget für Brawn dürfte wesentlich günstiger zu stemmen sein als bei McLaren. Der britische Stratege Ross Brawn hat in diesem Jahr mit einem sehr bescheidenen Etat ausgesprochen erfolgreich operiert und sowohl den Konstrukteurs- als auch den Fahrer-Titel eingefahren. Als absoluter Mehrheitseigner könnte Mercedes, im Gegenteil zu dem Deal mit McLaren, den Löwenanteil der Werbeeinnahmen einstreichen. Durch die Budget-Grenze, die in den kommenden Jahren etabliert werden soll, könnte man mit dem Engagement sogar Geld verdienen.

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In dieser Saison hat McLaren (v.r.) meist nur den Auspuff der Brawn-GP-Autos (v.l.) gesehen.

(Foto: REUTERS)

An der Mercedes-Basis in Stuttgart wird der Deal dennoch nicht unkritisch gesehen: "In den Fabriken wird derzeit jeder Cent dreimal umgedreht. Die Beschäftigten nehmen in der Krise aufgrund von Arbeitszeitverkürzung und Kurzarbeit erhebliche Einkommensverluste hin", sagte Betriebsratschef Erich Klemm. Er fordert eher dem Beispiel von Honda, BMW und Toyota zu folgen und dem Formel-1-Zirkus Adieu zu sagen. "Das wäre der richtige Weg gewesen", so Klemm.

Pleiten und Peinlichkeiten bei McLaren

Daimler-Chef Zetsche begegnet dem mit Marketingüberlegungen. "Es wäre eine vertane Chance, die Faszination der Marke Mercedes-Benz auf dieser Weltbühne nicht noch wirksamer in Szene zu setzen", schrieb er in einem Brief an die Mitarbeiter. Zu den Ausstiegen der Konkurrenz meint der Daimler-Chef selbstsicher: "Das wird von dem ein oder anderen neidisch betrachtet werden, und in mancher Vorstandsetage wird man darüber nachdenken, ob man eine gute Entscheidung getroffen hat." Also doch antizyklisches Handeln?

Das Ganze hat auch einen anderen Hintergrund. Bei McLaren spielte Mercedes immer die zweite Geige. Auch wenn Mercedes-Sportchef Norbert Haug im Hemd der Silbernen gerne Rede und Antwort stand. Zu sagen hatten die Schwaben wenig. Dabei ist so einiges schief gelaufen in den vergangenen Jahren. Man erinnere sich an die Spionage-Affäre von 2007 oder die Lügen-Affäre aus dem ersten Rennen in dieser Saison um Ex-Weltmeister Lewis Hamilton.

Der Ex-Teamchef Ron Dennis führte lieber seine Privatkriege mit dem inzwischen ebenfalls ehemaligen Fia-Präsidenten Max Mosley, als das Team nach vorne zu bringen. Denn bereits vor dem ersten Saisonrennen war man sich bei McLaren darüber bewusst, dass das Auto nicht gut ist. Auch das Engagement von Fernando Alonso war ein einziges Desaster. Dennis ließ einen Kleinkrieg zwischen ihm und seinem Schützling Lewis Hamilton zu und so verabschiedete sich der millionenschwere Einkauf nach nur einer Saison völlig frustriert wieder. Eigentlich nur konsequent von Mercedes, sich bei McLaren zu verabschieden.

Brawn, ein Gewinner-Typ

Bei Mercedes Grand Prix soll jetzt alles besser werden. Das könnte klappen. Schließlich hat man sich das Weltmeister-Auto eingekauft, wenn auch der Weltmeister selbst abhanden gekommen ist. Jenson Button wechselt lieber zu McLaren, wo man seine gestiegenen Gehaltsansprüche bereitwillig erfüllt.

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Ron Dennis' Privatfehde mit Fia-Chef Max Mosley hätte den Rennstall um ein Haar die Lizenz gekostet.

(Foto: REUTERS)

Mit Teamchef Ross Brawn hat Mercedes Grand Prix aber noch immer den besten Strategen der Formel 1 im Stall. Hatte er zuvor schon alle WM-Titel mit Michael Schumacher bei Ferrari und bei Benetton gewonnen, so hat er mit dem Sieg in diesem Jahr wohl sein Meisterstück gemacht. Schon 1991 konstruierte er Weltmeister-Autos für das Sportwagen-Team von Jaguar. Angefangen hat der in Manchester geborene Brite 1978 als Techniker bei Williams.

Für Mercedes dürfte die Fahrerfrage noch entscheidend sein. Schon kurz nach dem Einstieg wurde über ein rein deutsches Fahrer-Duo mit Heidfeld und Rosberg spekuliert. Rosberg ist wohl sicher für die kommende Saison. Statt Heidfeld könnte man sich auch einen internationaler ausgerichteteren Piloten bei Brawn wünschen. Es ist bisher unklar, wer sich durchsetzen wird. Die Chancen für Heidfeld sind nach dem Button-Abgang jedoch deutlich gestiegen.

Quelle: ntv.de