Formel1

"Absichtlich gecrasht"Ex-Ferrari-Teamchef schreibt seine Geschichte mit Michael Schumacher um

24.04.2026, 09:35 Uhr
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Jean Todt (2 v. r.) und Michael Schumacher (Mitte) feierten in der Formel 1 mit Ferrari unzählige Triumphe. (Foto: IMAGO/Motorsport Images)

Jean Todt und Michael Schumacher prägen einst die erfolgreichste Formel-1-Ära in der Geschichte Ferraris. Der kleine Franzose ist als Teamchef immer zur Stelle, um seinen Fahrer gegen Schummel-Vorwürfe zu verteidigen. Jetzt klingt Todt ganz anders.

Der frühere Formel-1-Teamchef Jean Todt hat lange zurückliegende Vorwürfe gegen seinen langjährigen Ferrari-Fahrer Michael Schumacher bestätigt. Laut Todt fuhr Schumacher im WM-Finale 1997 mit voller Absicht ins Auto seines Titelrivalen Jacques Villeneuve, 2006 täuschte er im Qualifying zum Grand Prix von Monaco einen Fahrfehler vor, um eine schnelle Runde von Reanult-Kontrahent Fernando Alonso zu verhindern. Die Vorwürfe hatten Schumacher während seiner einzigartigen Karriere immer wieder begleitet. Sowohl der Deutsche als auch Todt bestritten sie stets.

"Er ist absichtlich gegen ihn gecrasht, aber er hat es schlecht gemacht", sagte Todt im "High Performance Podcast" zu der Kollision zwischen Schumacher mit Villeneuve im letzten Rennen der Saison 1997 in Jerez: "Als er merkte, dass er die Meisterschaft verlieren würde, weil er vor Villeneuve stehen musste, lag er falsch. Er brauchte Unterstützung. Es war ein Fehlgriff, er war unnötig." Der Automobil-Weltverband Fia griff damals knallhart durch und zog Schumacher alle Punkte der Saison ab.

"Es war einfach eine Emotion"

Schumacher sei "ein außergewöhnlicher Typ" gewesen, führte der 80-jährige Franzose weiter aus. "Aber jedes Mal, wenn er die Kontrolle verlor, bezahlte er dafür sehr teuer." Der Rammstoß gegen Villeneuve habe seinem Piloten den WM-Titel gekostet ebenso "wie 2006 im Qualifying in Monte Carlo mit Alonso, als er sich absichtlich drehte." Bei der Zeitenjagd im Fürstentum war der auf Pole-Position-Kurs liegende Schumacher kurz vor Ende in der legendären Rascasse-Kurve stehengeblieben - vermeintlich wegen eines Fahrfehlers. Fernando Alonso musste seine schnelle Runde abbrechen und hatte so keine Chance mehr, Schumacher noch von Startplatz eins zu verdrängen. Die Rennkommissare der Fia erkannten ein absichtlich herbei geführtes "Parkmanöver" und bestraften den Ferrari-Star: Schumacher musste vom letzten Platz ins Rennen starten.

Todt nahm Schumacher in seiner Zeit als Ferrari-Teamchef immer in Schutz, verteidigte seinen Fahrer gegen alle Vorwürfe. Teilweise kritisierte er die Strafen der Fia gar als verschwörerisch, da sie dazu gedient hätten, weitere Ferrari-Titel zu verhindern. Die jüngsten Aussagen lassen sich daher als eine Art spätes "Geständnis" interpretieren. In seiner Beurteilung der umstrittenen Aktionen ließ Todt zugleich Milde walten. "Es war einfach eine Emotion – deshalb muss man bei der Beurteilung eines Sportlers in der Hitze des Gefechts sehr nachsichtig sein", forderte der einstige Scuderia-Capo. Als Teamchef habe er nur begrenzt Einfluss auf seinen Fahrer gehabt. "Es ist leicht, am Tisch zu sagen: Du solltest dies tun, du solltest das tun. Aber mitten im Geschehen muss man verstehen, dass das Gehirn anders reagiert."

Früherer Schumacher-Manager Weber reagiert empört

Michael Schumacher wird seit seinem schweren Skiunfall Ende 2013 in den französischen Alpen von seiner Familie abgeschirmt. Konkrete Informationen zu seinem Zustand gibt es nicht. Jean Todt zählt zu einem kleinen Kreis an Freunden und Vertrauten, die den 57-Jährigen besuchen dürfen. Vor vier Jahren erregte Todt viel Aufsehen, als er erzählte, mit Schumacher zusammen Formel-1-Rennen zu schauen.

Keinen Kontakt mehr zu Schumacher hat dessen langjähriger Manager Willi Weber. Im "Express" reagierte der 84-Jährige empört auf die Podcast-Aussagen Todts. "Da bin ich erstmal sprachlos. Warum sagt er sowas? Und dann auch noch in Michaels schwieriger Situation." Er nahm Schumacher gegen die Vorwürfe in Schutz. "Wer Michael kennt, weiß, dass keine Absicht dahintersteckte", kommentierte Weber den Crash mit Villeneuve: "Das war ein hartes, aber nötiges Manöver, um seine Position und damit auch den möglichen Titel zu verteidigen. Da haben wir schon viel heftigere Manöver im WM-Kampf gesehen. Denken Sie nur an Ayrton Senna gegen Alain Prost."

Auch die Aktion in Monte Carlo 2006 sei keine Absicht gewesen. "Wo kommen wir denn hin, wenn auch ein siebenmaliger Weltmeister wie Michael keine Fehler mehr machen darf?", fragte Weber und stellte Todts Motive in Zweifel: "Das ist so lange her und ausgiebig analysiert. Will er sich etwa nachträglich von etwas reinwaschen?" Er selbst habe aber keinen Kontakt zu dem "kleinen Napoleon".

Quelle: ntv.de, mar

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