Formel1

Angekommen in der Formel 1 Schumacher gewinnt in Österreich mehr als Punkte

imago1013099006h.jpg

Mick Schumacher kämpft sich in der Formel 1 ganz langsam nach vorne.

(Foto: IMAGO/HochZwei)

Mick Schumacher erlebt die wohl intensivste Woche in seiner Zeit als Motorsportler. Auf die Punkte-Premiere in Silverstone folgt Ärger im Sprint-Rennen, dann aber der Höhepunkt mit Platz sechs beim Grand Prix von Österreich in Spielberg. Schumacher scheint endlich angekommen zu sein in der Formel 1.

Zwischen den beiden Auftritten lagen 24 Stunden, aber gefühlt auch Welten. Am Samstagnachmittag war es in Spielberg leicht bewölkt, über Mick Schumacher hingen aber massiv dunkle Wolken der Verstimmung. Ausgelöst durch Entscheidungen seines Teams. Schumacher durfte im Sprint-Rennen, der Mini-Ausgabe über 24 Runden, nicht an Stallrivale Kevin Magnussen vorbei, rutschte aus dem DRS-Fenster und wurde dann konsequenterweise von Lewis Hamilton kassiert. Rang neun, Punkte weg und Mick bedient. Trotz des rundenlangen Spektakels mit Hamilton war der 23-Jährige sichtlich genervt, klagte am TV-Mikro über die Haas-Strategie.

Ganz anders der Mick Schumacher einen Tag später. Die gute Laune war zurück. Aus Gründen. Der Haas-Pilot hatte eben mit Platz sechs das beste Ergebnis seiner noch jungen Formel-1-Karriere eingefahren. Acht WM-Zähler gibt's obendrauf auf sein Konto. Zwölf sind es jetzt insgesamt. Der Trend zeigt steiler nach oben als der Alpen-Kurs in Spielberg.

Angezählt nach Monaco

Für den Trend steht sinnbildlich der Grand Prix von Österreich. Schon gleich zu Beginn zeigte Schumacher, dass er nicht als Hinterbänkler in die Steiermark gereist war, attackierte Hamilton, überholte den Rekordchampion sogar. Auch im weiteren Rennverlauf demonstrierte Schumi jr., warum er in die Formel 1 gehört. Astreine Überholmanöver gegen seinen Teamkollegen Magnussen, Daniel Ricciardo oder Guanyu Zhou schienen ihm einen Extra-Schub zu geben.

Diesmal ließ ihn das Team gewähren. Schumacher war im teaminternen Vergleich der schnellere Mann. Die Taktik passte, der Wagen hielt. Alles Dinge, die in dieser Saison nicht selbstverständlich sind. Teamchef Günther Steiner gratulierte nach Rennende erleichtert am Funk. "Toller Job. Fantastisches Rennen. Danke. Freue mich für dich und das Team." Zuvor hatte Mick schon korrekterweise durchgekabelt und gejubelt: "Wir haben einen Lauf."

Eine Feststellung, die nach dem bisherigen Saisonverlauf umso wichtiger für das Schumacher-Lager ist. Nach Crashs und Ausfällen wie in Monaco hatte Team-Capo Steiner seinen Schützling öffentlich angezählt, eine Diskussion entbrannte. Welcher Umgang ist richtig für Mick? Wie geht es weiter? Die Zukunft Schumachers in der Motorsport-Königsklasse wurde ebenfalls öffentlich infrage gestellt.

Viel lieft nicht zusammen, die ersten neun Rennen der Saison kurz zusammengefasst: Entweder patzte das Team oder Schumacher. Diskussionen? Eigentlich immer. Punkte? Keine. Und gerade als der Druck für Schumacher am größten war, die Debatte ihren Höhepunkt erreicht hatte -, schüttelte er ihn einfach ab. Schon in Kanada fuhr Schumacher fehlerfrei, nur ein Technik-K.o. stoppte den 23-Jährigen. Die endgültige Befreiung folgte in Silverstone. Im Home of British Motor Racing brachte Schumacher die heiß ersehnten ersten Punkte nach Hause. Eine Genugtuung. Und nun die Bestätigung. Womöglich ist diese sogar noch wichtiger.

Anerkennung von Weltmeister Hamilton

So schob Mick die dunklen Wolken mit seinen Taten beiseite. "Rundum zufrieden" sei er, sagte er mit einem Lächeln auf den Lippen bei Sky. Mit dieser Performance könne man in vielen Rennen noch Punkte sammeln. "Ich fühle mich sehr wohl. Wir haben ein Auto, mit dem wir kämpfen können und nicht allzu viel riskieren müssen, weil wir den Speed haben. Ich bin sehr happy mit dem Setup."

Zweimal in Folge fuhren beide Haas-Piloten in die Top 10. Aus dem Hinterbänkler-Team des Vorjahres ist ein echter Herausforderer um Punkte geworden. Vorbei die Zeiten, in denen mit "stumpfen Waffen" gekämpft wurde (Steiner). Selbst Hamilton funkte fast schon fassungslos. "Auf den Geraden sind sie verrückt schnell." Anerkennung vom Rekordweltmeister, mit dem sich Schumacher am Samstag und Sonntag lange duellierte.

Mehr zum Thema

Gerade diese Rennduelle machen den 23-Jährigen stärker. Im vergangenen Jahr gurkte er quasi nur dem Feld hinterher und musste froh sein, wenn der teameigene F1-Hasardeur Nikita Mazepin nicht dazwischenschlug. Wie schon in der Formel 3 und Formel 2 macht Schumacher im zweiten Jahr offenbar einen Schritt nach vorne. Nach den Rennen 31 und 32 lässt sich sagen: Er ist in der Formel 1 angekommen. Aber bleibt er auch bei Haas?

Mit den vergangenen Leistungen hat sich Schumacher ordentlich Argumente für den Vertragspoker verschafft. Sein Arbeitspapier läuft Ende des Jahres aus. Momentan sieht alles nach einer Vertragsverlängerung beim US-Rennstall aus. Die Gespräche sollen über den Sommer laufen und finalisiert werden. Der Trend ist auch hier klar: Schumacher bleibt.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen