Formel1

"... falls er aufwacht" Zanardi ringt im Koma weiter mit dem Tod

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Alessandro Zanardi bei einer Pause während des 24-Stunden-Rennens in Daytona. 2019 war er im BMW dort zum ersten Mal gestartet.

(Foto: imago/Andreas Beil)

Nach einem Zusammenstoß mit einem LKW ringt der ehemalige Formel-1-Pilot Alessandro Zanardi mit schwersten Verletzungen um sein Leben. Eine schwere Operation verläuft gut, der Zustand Zanardis ist aber weiterhin schlecht. Ob der Italiener noch einmal aus dem Koma erwacht, lässt sich nicht vorhersagen.

Der frühere Formel-1-Pilot Alessandro Zanardi kämpft nach einem schweren Verkehrsunfall weiter um sein Leben und erhält Unterstützung sowie Zuspruch aus der gesamten Motorsport-Familie. "Kämpfe weiter, Alex. Wir alle sind mit Dir", schrieb Formel-1-Pilot Valtteri Bottas auf Twitter. Zanardi war am Freitag mit dem Handbike mit einem LKW kollidiert und hatte sich schwere Kopfverletzungen zugezogen. Er brach sich dabei mehrere Gesichtsknochen, hieß es.

Nach der dreistündigen Operation am Freitagabend wurde der Italiener ins künstliche Koma versetzt. Der behandelnde Arzt Giuseppe Oliveri sagte am Samstag, dass Zanardi "kein hoffnungsloser Fall" sei. Allerdings befände sich der mehrmalige Paralympicssieger in einer Situation, "in der man auch sterben" könne. Auch den Hirnschaden, den Zanardi bei dem Unfall davongetragen hat, wollte Oliveri nicht beurteilen. Dieser werde dann bewertet, "wenn er aufwacht, falls er aufwacht".

Ermittlungen gegen den Fahrer

Derweil wurden gegen den Fahrer des Lastwagens Ermittlungen wegen schwerer Körperverletzung eingeleitet, wie die Staatsanwaltschaft in Siena der Nachrichtenagentur Ansa bestätigte - ein normaler Vorgang nach einem so schweren Verkehrsunfall. Medien hatten zuvor berichtet, dass der nach einem Unfall 2001 beinamputierte Zanardi mit seinem Handbike in die Gegenspur abgekommen sei.

Zuvor hatte BMW bekannt gegeben, dass Zanardi beim letzten Rennen der italienischen GT-Meisterschaft vom 6. bis 8. November einen BMW M6 GT3 steuern sollte. Zuletzt saß Zanardi beim sogenannten Dream Race des Deutschen Tourenwagen-Masters und dem japanischen Super GT im vergangenen November in Fuji hinter dem Steuer eines BMW-Boliden. Der geplante erneute Einsatz für den Münchner Hersteller rückt nun in den Hintergrund.

"Seit Alessandros schrecklichem Unfall am Freitag stehen wir durchgängig mit seiner Frau in Verbindung. Natürlich hat uns diese Nachricht schockiert. Wir sind zutiefst betroffen", sagte Motorsport-Direktor Jens Marquardt, "die gesamte BMW-Familie rund um den Globus ist in Gedanken bei ihm, seiner Ehefrau und seinem Sohn."

"Millionen von Fans beten für dich"

Zanardi selbst, der von 1991 bis 1994 und dann noch mal 1999 in der Formel 1 gestartet war, wollte mit seinem Einsatz beim Rennen in Monza im November den Menschen in der Region Trost und Hoffnung in der Corona-Krise spenden. "In diesem Jahr steht das Rennen in Monza für mehr als nur ein Rennen, denn es findet in der Region Italiens statt, die am stärksten von der Pandemie getroffen wurde. In Monza anzutreten verkörpert den Wunsch, nach der schwierigen Zeit, die wir alle durchgemacht haben, wieder neu zu beginnen", hatte Zanardi nach seiner Nominierung gesagt.

Nun hofft die Motorsportwelt, dass dem am 23. Oktober 1966 in Bologna geborenen Zanardi ein erneutes Comeback wie vor 17 Jahren gelingt. 2003 kehrte er in einem eigens für ihn umgebauten Fahrzeug zurück in den Rennsport. Zwei Jahre zuvor hatte Zanardi bei einem schweren Unfall beim Champcar-Rennen am 15. September 2001 auf dem Lausitzring beide Beine verloren und musste auf dem Weg zum Krankenhaus siebenmal wiederbelebt werden.

Nach seinem Comeback im Rennsport schlug Zanardi eine zweite Karriere ein, er gewann bei den Paralympics 2012 und 2016 jeweils zweimal die Goldmedaille mit dem Handbike. Auch bei den nächsten Paralympics wollte er an den Start gehen. Der frühere Formel-1-Weltmeister Damon Hill hofft auf die Rückkehr seines ehemaligen Konkurrenten: "Freunde und Millionen von Fans und Unterstützern beten für Dich, Alex", schrieb er auf Twitter.

Quelle: ntv.de, Thomas Flehmer und Alvise Armellini, dpa