Fußball-EM

Die EM-Vorschau: Gruppe E Der Franzose, der plötzlich Spanier wurde

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Die spanische Nationalmannschaft war zwischen 2008 und 2012 die beste der Welt. Das wurde gefeiert.

(Foto: imago sportfotodienst)

Ein Franzose, der für Spanien die Abwehr zusammenhalten soll. Mehr als 3500 Kilometer zwischen den beiden Austragungsorten in Sevilla und St. Petersburg. Ein Trainer, der nicht alle Kaderplätze vergibt und zwei ehemalige BVB-Stürmer, die für ihre Teams wichtig werden müssen. Die Gruppe E wird unterhaltsam.

Am 11. Juni 2021 beginnt die EM 2020 mit einjähriger Verspätung. Das in ganz Europa ausgetragene Turnier wird erstmals mit 24 Teams gespielt. Aus den insgesamt sechs Gruppen (A bis F) können sich bis zu drei Länder für das Achtelfinale qualifizieren. Wenig ist klar vor dieser Europameisterschaft, aber eins steht fest: Die Finalrunde mit den beiden Halbfinals und dem Finale wird ab dem 6. Juli im Londoner Wembleystadion gespielt. Vorher gibt es für einige Nationen einen wilden Ritt mit Spielorten zwischen Sevilla und Baku. Wir blicken ab heute jeden Tag auf eine Gruppe. Es geht los mit Gruppe E. Dort trifft Turnierfavorit Spanien auf Polen und Schweden sowie den großen Außenseiter Slowakei.

Auf diesen Spieler sollten Sie achten:

Aymeric Laporte schaute ungläubig auf den Reporter. Am Tag nach seinem Debüt wollte dieser wissen, ob er sich denn überhaupt mit Spanien identifizieren könne. "Wie Spanien auch", sagte der 27-Jährige, "will ich den Wettbewerb gewinnen. Dafür werde ich alles geben. Und das ist das Wichtigste."

Die Sache ist: Laporte ist eigentlich Franzose und in Abwesenheit von Sergio Ramos die große Abwehrhoffnung des großen Titelfavoriten. In Agen im Südwesten Frankreichs geboren, zog es den Verteidiger schon in Teenager-Jahren rüber ins Baskenland. Dort trieb er bei Athletic Bilbao seine Karriere voran, durchlief aber für Frankreich sämtliche Jugendauswahlen. In unzähligen seiner 51 Spiele für die U-Mannschaften führte er das Team als Kapitän auf den Platz. Aber dann war irgendwann Schluss.

Zwar wurde er 2016 in den Kader für zwei WM-Qualifikationsspiele berufen, aber auf dem Platz stand er in den Spielen gegen Bulgarien und die Niederlande nicht. Jedoch legte er sich fest: Für Spanien wolle er nicht spielen. Es kam anders. Anfang Juni trug er beim 0:0 gegen Portugal erstmals das Trikot des Weltmeisters von 2010. Es war nun auch folgerichtig. Deschamps hatte ihn zu lange ignoriert und mit 27 ist er im besten Verteidiger-Alter. Für Athletic Bilbao lief er bis 2018 auf und wechselte dann zu Pep Guardiolas Manchester City. Nach einer erfolgreichen Debütsaison verletzte er sich 2019 schwer am Knie und hat bislang noch nicht wieder richtig Tritt gefasst. In der gerade abgelaufenen Spielzeit verlor er den Anschluss und saß auch im verlorenen Champions-League-Finale gegen Chelsea auf der Bank.

Als sich nun Nationaltrainer Luis Enrique nach einigen Verletzungen umschaute, erblickte er Laporte und der zeigte sich begeistert. Was danach passierte, ist unklar. Hat er Frankreichs Trainer Deschamps informiert oder nicht? Der Spieler sagt ja, der Coach antwortet: "Das ist eine Lüge. Er hat sich bei mir letztmals im vergangenen Oktober gemeldet." Laporte interessierte das alles nicht. Er hatte sich dazu geäußert und wollte nun den Blick nach vorne richten. Er habe, sagte er auf den Lügenvorwurf angesprochen, Deschamps informiert, aber vielleicht sei die Nummer nicht mehr aktuell gewesen. "Das ist mir auch egal, um ehrlich zu sein", erzählte er. Nach der EM könnte es für Laporte zurück nach Spanien gehen. Barcelona soll interessiert sein. Vorher aber will der Verteidiger bei seinem ersten Turnier überzeugen und mit seinem neuen Heimatland Europameister werden.

Das sollten Sie unbedingt wissen:

Schon wieder Spanien. Aufgrund der Pandemie und ihren Auswirkungen durften die Verbände in diesem Jahr 26 anstatt der sonst üblichen 23 Spieler nominieren. Natürlich auch, um sicherzustellen, dass jedes Team am Ende auch mit einer kompletten Mannschaft auflaufen kann. Das Reglement erfordert eine Mindestanzahl von 13 einsatzbereiten Spielern. Nun hat Spaniens Trainer Luis Enrique freiwillig auf zwei Spieler verzichtet, nur 24 nominiert, von denen mit Kapitän Sergio Busquets nun bereits einer rausfällt. Er wurde am Sonntag positiv auf das Coronavirus getestet. Ob Enrique einen Spieler nachnominiert? Das ist noch nicht bekannt. Und wenn ja, wird er wohl nicht von Real Madrid kommen. Kein einziger Spieler der Los Blancos findet sich im Kader wieder, nicht einmal Sergio Ramos, der mit 180 Länderspielen nur vier von dem internationalen Rekord des Ägypters Ahmed Hassan stand und die Marke von 184 Länderspielen nun kaum noch erreichen wird. Er plagte sich zuletzt mit langwierigen Verletzungen.

Dieses Spiel sollten Sie nicht verpassen:

Eines der letzten Vorrunden-Spiele dürfte eines der wichtigsten Spiele für die teilnehmenden Teams sein. Wenn Schweden und Polen am 23. Juni in St. Petersburg aufeinandertreffen, könnte es um die Qualifikation fürs Achtelfinale gehen. Beide Mannschaften haben gute Chancen aufs Erreichen der nächsten Runde, doch wird es hier um die beste Ausgangsposition gehen. Während bei den Polen alle Augen auf Stürmerstar Robert Lewandowski gerichtet sein werden, hoffen die Skandinavier auf Alexander Isak, der - anders als der Pole - bei Borussia Dortmund nie Fuß fassen konnte, nun aber beeindruckende Leistungen für Real Sociedad zeigt. Mit 17 Treffern landete er in der letzten La-Liga-Saison auf Platz sechs der spanischen Torjägerliste. In Abwesenheit des Superstars Zlatan Ibrahimovic werden die Blau-Gelben auf den schlaksigen Stürmer aus Solna vertrauen müssen.

Hier wird gespielt:

Turnierfavorit Spanien wird alle Spiele der Gruppenphase im Estadio La Cartuja de Sevilla austragen. Die andalusische Metropole ist kurzfristig für Bilbao eingesprungen, dort konnten die lokalen Behörden die von der UEFA geforderte Rückkehr der Zuschauer nicht garantieren. In Sevilla werden nun 18.000 Zuschauern ihrem Team zujubeln. Die aktuelle Heimat des spanischen Pokalfinals hat eine eigentliche Kapazität von 60.000 Zuschauern und verfügt über eine Laufbahn, die einigen TV-Zuschauern noch von der 1999er-Leichtathletik-WM in Erinnerung sein wird. Die restlichen Gruppenspiele werden über 3500 Kilometer entfernt in der Stadt der weißen Nächte, im russischen St. Petersburg, ausgetragen. Das Krestowski-Stadion, in dem es während der Spielzeit der russischen Liga Impfangebote für jeden Besucher eines Ligaspiels des ortsansässigen Vertreters Zenit gab, bietet Platz für rund 68.000 Zuschauer, bei der EM sind knapp über 30.000 zugelassen. Die Partien hätten ursprünglich in Dublin ausgetragen werden, doch die irische Regierung wollte keine Garantien für eine Rückkehr der Zuschauer abgeben.

Jetzt sind Sie dran! Wer wird die Gruppe gewinnen?

Quelle: ntv.de

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