Fußball-WM

Marokkos Elfmeterheld heißt Bono Dieser Mann verursacht Spaniens WM-Albtraum

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Hoch soll er leben.

(Foto: IMAGO/Shutterstock)

In Montreal geboren, in Casablanca fußballerisch aufgewachsen, in Sevilla zum Europa-League-Sieger geworden: Im WM-Achtelfinale schreibt Marokkos Torhüter Yassine Bounou seine persönliche Heldengeschichte fort. Denn er schafft es, trotz Elfmeterschießen gegen Spanien zu null zu spielen.

Bei Google muss sich Yassine Bounou noch hinten anstellen. Wer "Bono" sucht, findet als Erstes den irischen Musiker der legendären Rockband U2 und erst danach den Torwart der marokkanischen Nationalmannschaft. Der trägt denselben Spitznamen und dürfte mit seiner herausragenden Leistung im WM-Achtelfinale dafür gesorgt haben, den Abstand bei der Zahl der Suchergebnisse zumindest etwas zu verringern. Yassine Bounou bleibt nämlich an diesem Abend im Education City Stadium von ar-Rayyan ohne Gegentor - obwohl das Spiel erst im Elfmeterschießen entschieden wird.

Nach 90 Minuten steht es 0:0 unentschieden, auch die Verlängerung bringt keine Entscheidung, weshalb nach 120 torlosen Minuten das Duell vom Punkt folgt. Und Bonos Heldengeschichte ihren (vorläufigen) Höhepunkt erreicht. Pablo Sarabia eröffnet für die Spanier, die nach 2010 zum zweiten Mal Weltmeister werden wollen. Der Angreifer zielt aus Sicht des Torwarts in die linke untere Ecke, für die sich auch der Keeper entscheidet. Der 31-Jährige hat richtig spekuliert und hätten den Schuss wohl auch pariert, doch der Ball klatscht an den Pfosten und von dort zurück ins Feld.

Hakim Ziyech bringt Marokko mit 2:0 in Führung, nachdem zuvor auch Abdelhamid Sabiri sicher verwandelt hatte. Zweiter Schütze für Spanien ist Carlos Soler. Der wählt dieselbe Ecke wie Sarabia, und wieder ist Bono zur Stelle. Hält diesmal. Dass Badr Benoun anschließend an Unai Simon scheitert, verkommt kurz darauf zur Randbemerkung. Denn Sergio Busquets tritt für Spanien an, der 34-jährige Kapitän der Seleccion, dreifacher Champions-League-Sieger und achtfacher Landesmeister mit dem FC Barcelona, bei dem er längst Legendenstatus genießt.

Wieder ahnt Bono die Ecke, diesmal die rechte aus seiner Sicht, pariert den Schuss. Und eröffnet Achraf Hakimi die Chance, Marokko ins Viertelfinale zu bringen. Der chippt lässig in die Mitte, Simon fliegt vergeblich in die Ecke. Ausgerechnet Hakimi, ließe sich wiederum in bester Fußballkommentar-Manier einwerfen, der in Madrid geborene und bei Real ausgebildete Außenbahnspieler, der in seiner Zeit bei Borussia Dortmund auch in der Bundesliga Eindruck hinterließ. Der Held des Abends jedoch ist Bono, der zunächst nur die Faust ballt, ehe ihn die Kameras nach der Parade gegen Busquets erstmals mit einem breiten Grinsen einfangen.

In Nordrhein-Westfalen wird er zum Titelgaranten

Bono ist der Rückhalt einer beeindruckenden marokkanischen Verteidigung, die in vier Partien bei dieser WM erst einen einzigen Gegentreffer hinnehmen musste -durch ein Eigentor von Abwehrmann Nayef Aguerd beim 2:1-Erfolg gegen Kanada. Der brachte den Gruppensieg vor Vize-Weltmeister Kroatien und dem ewigen, diesmal aber in erster Linie enttäuschenden Geheimfavoriten aus Belgien. Zum dritten Mal in Folge scheitert Spanien bei einem großen Turnier im Elfmeterschießen. An einem Torhüter, der sein Handwerk zu großen Teilen in Spanien gelernt hat, seit er 2012 nach Europa gewechselt ist.

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Atlético Madrid verpflichtet Bono damals vom marokkanischen Rekordmeister Wydad Casablanca, bei dem das Talent seine komplette Jugendzeit verbringt und erste Einsätze bei den Profis absolviert. In Madrid spielt Bono vorrangig für die zweite Mannschaft, wechselt leihweise zu Real Saragossa, schließt sich dann dem Zweitligisten FC Girona an. Mit dem Klub aus Katalonien gelingt ihm der Aufstieg, danach allerdings nicht der Klassenerhalt. Das wiederum nutzt der FC Sevilla, für den er beim Europa-League-Finalturnier nach der pandemiebedingten Unterbrechung im Sommer 2020 unverzichtbar wird.

Bis dahin ist Bono in der Liga nur Ersatz, beim Finalturnier in Nordrhein-Westfalen aber trägt er entscheidend zu den Siegen gegen Wolverhampton Wanderers, Manchester United und Inter Mailand bei, die dem FC Sevilla den schon sechsten Erfolg in der Europa League einbringen. Der in Montreal/Kanada geborene marokkanische Keeper ist seitdem die klare Nummer eins in Sevilla, entwickelt sich zu einem der besten Schlussmänner der spanischen Liga und schafft es 2022 bei der Wahl zum Welttorhüter des Jahres sogar in die Top Ten. Nun schickt er sich mit Marokko an, als erste afrikanische Nationalmannschaft das Halbfinale einer Weltmeisterschaft zu erreichen. Oder sogar noch mehr, wenn man dem alten Sprichwort glauben schenken mag, dass die Defensive Titel gewinnt.

Quelle: ntv.de

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