Fußball

Ismaik schmiedet kühne Pläne 1860-Investor will gegen 50+1-Regel klagen

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Hasan Ismaik investiert seit 2011 in den Klub. Jetzt will er sich noch mehr Mitbestimmung erklagen.

(Foto: imago/Sven Simon)

Der Fußballklub 1860 München steht nach dem Abstieg vor einem Scherbenhaufen. Neue Spieler und ein Trainer müssen her, ein Stadionwechsel ist geplant. Ausgerechnet Investor Hasan Ismaik bleibt nun die Konstante - und strebt eine Klage an.

Kein Trainer, keine Spieler, kein Geschäftsführer - nicht einmal eine Liga: Bei 1860 München herrscht nach dem tiefen Sturz in den Amateurfußball plötzlich die große Leere. Einer bleibt aber auch vor dem anstehenden Neustart: Hasan Ismaik. Der sogar im Verein höchst umstrittene Investor aus Jordanien gibt nicht auf - und will nun gegen die 50+1-Regel vorgehen, die verhindert, dass Kapitalanleger die Stimmenmehrheit im Klub übernehmen.

"Ich wollte das nie machen, aber jetzt werde ich gegen 50+1 klagen", sagte Ismaik der "Süddeutschen Zeitung". Mit noch mehr Macht will der 40-Jährige ganz offenbar an seinen gewohnt kühnen Visionen festhalten, Ende 2016 hatte er noch offen von der Champions League geträumt. Pikant: Ismaik war wohl davon ausgegangen, dass in der vierten oder fünften Liga die 50+1-Regel nicht gilt. "Red Bull hat in der fünften Liga angefangen, richtig?", hatte er der Zeitung gesagt.

Verein möchte wieder im Grünwalderstadion spielen

Eine von den deutschen Klubs stets gescheute Klage gegen die rechtlich umstrittene 50+1-Regel könnte nach Ansicht vieler Experten durchaus Erfolg haben. Ein steiler Aufstieg der Löwen nach Leipziger Vorbild wäre aber auch dann kaum zu erwarten. Zu groß ist der gegenwärtige Scherbenhaufen, zu utopisch scheint derzeit jede Hoffnung auf geregelte Verhältnisse.

Ohnehin verbietet sich im Moment jeder Gedanke, der über den Start der kommenden Saison hinausgeht. Selbst die Ligazugehörigkeit ist offen, auch wenn derzeit alles auf die Regionalliga hindeutet - aber eben nur unter den Regeln von 50+1. "Ich habe Herrn Ismaik in diesen Räumen die 50+1-Regel erklärt, und auch, dass deren Bestimmungen auch beim BFV gelten. Nur dann kann 1860 Regionalliga spielen", sagte Rainer Koch, DFB-Vizepräsident und zugleich Chef des bayerischen Fußball-Verbandes (BFV).

Mit der künftigen Liga ist auch die Frage nach dem Stadion verbunden. Vieles deutet auf einen Auszug aus der Allianz Arena und eine Rückkehr in das von den Fans geliebte Grünwalderstadion hin. Koch erklärte, der Verein müsse diese Frage nun mit der Stadt München klären. Gleichzeitig würden viele kleinere Klubs künftig wohl für die Löwen-Gastspiele umziehen müssen. "Die Regionalliga Bayern hat mit einem völlig neuen Fanaufkommen zu rechnen", so Koch.

Hoffnung auf Unabhängigkeit

Hinzu kommen zahlreiche sportliche Fragen. Abstiegscoach Vitor Pereira hätte schon in der 3. Liga nicht mehr zur Verfügung gestanden, zudem dürfte aus dem teuren Profikader kein einziger Spieler den Gang in den Amateurfußball mitmachen. Als neue Grundlage könnte das Aufgebot der bisherigen zweiten Mannschaft dienen, die vergangene Saison in der Regionalliga Rang zwei belegt hatte.

Immerhin: Eine Insolvenz des Klubs ist laut Vereinsvizepräsident Heinz Schmidt aktuell kein Thema, auch wenn "eine Überschuldung zweifelsohne vorhanden" sei. Da aber die Aufwendungen als Amateurverein künftig deutlich geringer sind, hofft Vizepräsident Hans Sitzberger sogar auf ein wenig mehr Freiheit. 1860 müsse nicht mehr jede Forderung von Hasan Ismaik erfüllen, sagte Sitzberger: "Jetzt fühle ich mich nicht mehr abhängig."

Quelle: ntv.de, Erik Roos, sid