Fußball

"Faules Geschäft" weckt Neugier 23-Jähriger kauft englischen Traditionsklub

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Louis-Dreyfus im Stadion von Olympique Marseille. Der Klub gehörte bis 2016 seiner Familie.

(Foto: imago/PanoramiC)

Robert Louis-Dreyfus war einer der einflussreichsten Menschen im Weltfußball, er lieh Franz Beckenbauer zur Vergabe der WM 2006 die berühmten 6,7 Millionen Euro. Sein Sohn Kyril steigt nun ebenfalls in den Profisport ein und wird Mehrheitseigentümer eines englischen Traditionsklubs.

Die dritthöchste Spielklasse des englischen Profifußballs ist nicht unbedingt als internationaler Sehnsuchtsort bekannt, auch wenn mit Charlton Athletic, Ipswich Town und dem Portsmouth FC einige klangvolle Namen in der League One um Punkte kämpfen. Das gilt auch für den AFC Sunderland, den vermutlich bekanntesten Drittligisten. Der sechsfache Meister spielte bis 2017 noch in der Premier League, stieg dann zweimal in Folge ab, den Niedergang dokumentierte Netflix in der Serie "Sunderland 'Til I Die'". Ein 23-Jähriger setzt nun darauf, den Traditionsklub zurück nach oben zu führen.

Kyril Louis-Dreyfus ist allerdings kein aufstrebender Spielmacher, auch kein junger Trainer, nein, er ist aller Voraussicht nach in Kürze der wohl jüngste Eigentümer eines Profiklubs. Dabei hatte er der französischen Zeitung "L' Equipe" erst vor Kurzem gesagt, er halte Fußball für "ein faules Geschäft". Nun aber bestätigte Sunderland pünktlich zum Weihnachtsfest die geplante Übernahme, die gerüchteweise schon seit Monaten kurz bevorgestanden hatte. So uninteressant scheint dieses "faule Geschäft" also nicht zu sein.

Louis-Dreyfus wird damit der jüngste Chairman des englischen Fußballs, wie die "Süddeutsche" schreibt. Gemeinsam mit seinen beiden Brüdern besitzt der 23-Jährige demnach unter Aufsicht von Mutter Margarita einen Milliardenfonds, der auf einen der einstmals einflussreichsten Entscheider der Fußballwelt zurückgeht: Robert Louis-Dreyfus. Der führte erst einen Handelskonzern, war dann Adidas-Chef und geriet in Deutschland vor allem aufgrund eines Darlehens an Franz Beckenbauer ins Licht der Öffentlichkeit, dem er rund um die Vergabe der WM 2006 zehn Millionen Franken (6,7 Millionen Euro) lieh, deren Verwendung noch immer ungeklärt ist.

Aussicht auf hohe Einnahmen lockt

Der Senior war bis zu seinem Tod im Jahr 2009 Mehrheitseigner beim französischen Erstligisten Olympique Marseille, seine Frau verkaufte diese Anteile 2016. Nun zieht es den Sohn in den Profifußball - weil er in Sunderland ein "besonderes Projekt" sieht, bei dem er übereinstimmenden Berichten zufolge für rund 25 Millionen Euro 59 Prozent des Klubs übernehmen wird. Trotz des sportlichen Niedergangs scheint der Zuspruch beim AFC weitgehend ungebrochen, bis zum Beginn der Pandemie strömten regelmäßig mehr als 30.000 Zuschauer ins Stadium of Light.

Mit einer "langfristig angelegten Strategie" wirbt Louis-Dreyfus in der Vereinsmitteilung zur geplanten Übernahme um Vertrauen. Der "Support der Fans werde mitentscheidend für unseren Erfolg sein", das Ziel ist klar formuliert: "Wenn wir alle unseren Teil beitragen, glaube ich fest daran, dass wir mit dem AFC Sunderland in die erste Liga zurückkehren können." Bis dahin ist allerdings einiges zu tun, denn der bis 2018 für den Klub verantwortliche Besitzer Ellis Short hinterließ eine sportlich wenig Hoffnung machende Bilanz.

Louis-Dreyfus lockt dabei sicher auch der finanzielle Erfolg, den ein Erreichen der ambitionierten Ziele mit sich bringen würde. Zur Verkündung der Übernahme am 24. Dezember stand Sunderland mit sieben Siegen aus 17 Spielen auf Platz elf der dritten englischen Liga, vier Punkte hinter Platz sechs, der zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde berechtigt. Über die Championship soll dann die Rückkehr in die Premier League gelingen - was laut der BBC "rund 180 Millionen Pfund" wert ist, umgerechnet also knapp 200 Millionen Euro. Der Weg bis dahin ist allerdings noch weit.

Quelle: ntv.de