Fußball

Häme, Spott und Kühne Alle prügeln auf den Hamburger SV ein

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"PML" und sein Hamburger SV konnten den Betriebsunfall aus der vergangenen Saison nicht korrigieren.

(Foto: imago images / Joachim Sielski)

Der Hamburger SV steht vor dem nächsten Umbruch. Zumindest ein weiteres Jahr muss sich der Verein in der 2. Fußball-Bundesliga bewähren. Findet der HSV einen Ausweg aus dem Kreislauf des ewigen Misserfolgs - oder wird der Betriebsunfall zur Dauerkrise?

Klublegende Uwe Seeler war am Tag danach einfach nur traurig, Vereinsikone Felix Magath fassungslos - die Klubführung beim alten und neuen Zweitligisten Hamburger SV sprachlos. Die Verantwortlichen konnten oder wollten nicht in Worte fassen, welche Folgen die verpasste Bundesliga-Rückkehr haben wird. Klar ist nur: Exakt ein Jahr nach dem Erstliga-Abstieg muss wieder die Reset-Taste gedrückt werden. Wie fast jedes Jahr im Mai. "Was für ein Desaster, mir blutet das Herz", schrieb Magath bei Facebook und traf damit offensichtlich die resignative Gemütslage der HSV-Anhänger. Denn während 200 aggressive HSV-Ultras vor Jahresfrist das Volksparkstadion in schwarze Rauchschwaden hüllten und die Polizei gefordert war, blieb es am Tag nach der 1:4-Pleite der Hanseaten beim SC Paderborn vergleichsweise ruhig. Nur vereinzelte "Versager"-Rufe waren beim Auslaufen der kläglich gescheiterten Profis am Montag zu hören.

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Nach der Klatsche von Paderborn stellten sich die Spieler den Fans - ein schwerer Gang.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Sieben Kamerateams, aber nur zehn Zuschauer verfolgten trotz Sonnenscheins und Schulferien in der Hansestadt das Geschehen im Volkspark. "Uns Uwe" gehörte nicht zu den wenigen Zaungästen, der HSV-Ehrenspielführer litt hinter verschlossenen Türen mit dem Verein, dessen Trikot er 26 Jahre lang trug. "Das alles ist schlimm und tut weh. Doch sind wir ehrlich, mehr wäre auch nicht verdient gewesen nach den zurückliegenden Spielen", sagte der 82-jährige Seeler bei Sport1. Auch Magath sprach mit dem Sender: "Man hat beim HSV fast alles falsch gemacht. Es ist eine Riesen-Enttäuschung auch für die ganze Stadt, aus meiner Sicht ist es auch ein herber Verlust für die Bundesliga." Im Netz prasselte derweil Hohn und Spott auf die HSV-Spieler und Trainer Hannes Wolf nieder, Sarkasmus war Trumpf. Von der "mit Abstand besten Zweitligasaison der Vereinsgeschichte" war zu lesen, zynisch hieß es auch: "Endlich mal die Klasse ohne Relegation gehalten!"

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Kühne ätzt erneut gegen den Trainer

Zu wenig für Coach Wolf? Der 38-Jährige wird an der Elbe, er weiß es selbst, keine sportliche Zukunft mehr haben. In der HSV-Arena jagte eine Krisenrunde die nächste und natürlich stand die Talfahrt unter der Regie von Wolf im Mittelpunkt. Aus der Ferne gab Investor Klaus-Michael Kühne nicht zum ersten Mal ungefragt seinen Senf dazu. Schon im Februar, so hieß es in einer Erklärung des Milliardärs, habe er der Klubführung empfohlen, den Trainer auszuwechseln. Ihm sei schon vor mehreren Wochen klar gewesen, dass der Aufstieg nicht gelingen würde. Zuletzt konnte Wolf weder Punkte noch Argumente für eine Weiterbeschäftigung liefern. Acht Partien ohne Sieg, nur 1,52 Zähler pro Spiel insgesamt. Damit lag der 38-Jährige sogar noch deutlich hinter seinem Vorgänger Christian Titz, von dem sich die Norddeutschen im Oktober vergangenen Jahres getrennt hatten - mit zwei Punkten Rückstand auf Rang eins.

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Im Mittelpunkt der Kritik: Hannes Wolf.

(Foto: imago images / pmk)

"Ich habe vor Monaten schon gesagt, dass der HSV in dieser Situation einen anderen Trainer braucht, nämlich einen erfahrenen Mann, der sich auskennt in so einer Situation", sagte Magath bei Sport1: "Für eine Mannschaft, die als Favorit in die Saison gegangen ist, wäre so ein Routinier viel besser gewesen. Die Verantwortlichen hatten sich aber für zwei unerfahrene Trainer entschieden. Die Quittung hat man jetzt bekommen." Für Magath ist klar: "Man darf so nicht weitermachen." Den Trainer will Seeler dagegen nicht als alleinigen Grund für das Fiasko sehen. "Es ist immer leicht, einem Trainer die Schuld zu geben. Ich habe gesehen, dass die Mannschaft einfach nicht stark genug war. Nicht ausgeglichen genug. Man war kein Team, so wie ich mir das vorstelle. Für mich hat da vieles gefehlt."

HSV wird tun, was der HSV tun muss

Doch der Trainer wird nicht als einziger den taumelnden Traditionsklub verlassen müssen. Für ein weiteres Zweitliga-Jahr ist der aktuelle Kader schlichtweg zu teuer. Der Etat von derzeit 28,5 Millionen Euro muss erneut um mehrere Millionen heruntergeschraubt werden mit möglicherweise bösen Folgen, auch mittel- und langfristig. "Die Dinge, die gemacht werden müssen, müssen gemacht werden", kündigte Sportvorstand Ralf Becker bereits am Sonntag unmissverständlich an. Und er verkündete fast im gleichen Atemzug die auch für die neue Spielzeit unveränderte Vorgabe: "Der Aufstieg ist ganz klar unser Ziel."

Allerdings, und das wird für Becker die größte Herausforderung sein, unter erschwerten Bedingungen, besonders wirtschaftlicher Art. So läuft der noch zu Bundesligazeiten geschlossene Vertrag mit Trikotsponsor Emirates aus und dürfte, wenn überhaupt, nur für kleines Geld verlängert werden. Fraglich bleibt somit, welche ambitionierten Spieler mit Erstliga-Ansprüchen man sich überhaupt noch leisten kann. Einmal allerdings müssen die gescheiterten Profis noch mit der Raute auf der Brust auflaufen, wenn es am Sonntag (15.30 Uhr) gegen Tabellenschlusslicht MSV Duisburg sportlich um nichts mehr geht.

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Quelle: n-tv.de, tno/sid/dpa

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