Fußball

Historischer VAR klaut Tor vier Alter Dreierpacker Ronaldo bleibt unersetzlich

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Portugals Superstar Ronaldo machte im Nations-League-Halbfinale gegen die Schweiz wieder mal den Unterschied.

(Foto: imago images / DeFodi)

Eigentlich sollen in der Nations League die Talente des portugiesischen Fußball-Nationalteams vorspielen. Doch beim 3:1 gegen die Schweiz zeigt Cristiano Ronaldo, dass er weiter unersetzlich ist. Selbst mit 34 Jahren stellt er ein vermeintliches Wunderkind in den Schatten.

Lange war unsicher, welchen Ausgang der Abend im Estádio do Dragao in Porto nehmen würde. Portugals Fußball-Nationalmannschaft tat sich im ersten Halbfinale der Nations League schwer gegen die tapfere Schweiz. Doch am Ende schwenkten die Zuschauer ihre Fahnen in den portugiesischen Farben Rot und Grün und sangen zur Melodie des modernen Stadion-Klassikers "Seven Nation Army" immer wieder diesen einen Namen: "Criiiiiiistiano Ronaaaaaaaldo! Criiiiiiistiano Ronaaaaaaaldo!"

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Portugals "Wunderkind" Joao Félix blieb im Nations-League-Halbfinale blass.

(Foto: REUTERS)

Der vielleicht beste Fußballer der Welt hatte an diesem Mittwochabend in Porto die Partie mit seinen drei Toren zum 3:1-Erfolg, zwei davon in den Schlussminuten, alleine entschieden. Er hatte seine Mannschaft alleine ins Endspiel am Sonntag gegen England oder die Niederlande gebracht, die an diesem Donnerstag (ab 20.45 im ZDF und im Liveticker bei n-tv.de) in Guimaraes den Gegner ausspielen. Und: Er hatte gezeigt, dass er immer noch der Spieler ist, von dem bei den Portugiesen alles abhängt. Dass er auch im Alter von 34 Jahren nicht zu ersetzen ist, trotz seiner längeren Pause nach der enttäuschenden WM in Russland.

Eigentlich sollte es bei der Endrunde der Nations League ja um die Jugend gehen bei Portugals Nationalelf. Um das angebliche Wunderkind Joao Félix von Benfica Lissabon zum Beispiel. Bei der Pressekonferenz am Tag vor der Partie gegen die Schweiz war der stets nur mittelprächtig gelaunte Trainer Fernando Santos ausgiebig zu dem 19 Jahre jungen Angreifer verhört worden. Zu Ronaldo musste er keine einzige Frage beantworten. Das ist außergewöhnlich. Félix gab dann tatsächlich sein Länderspiel-Debüt. Doch es war keine Leistung, die in Erinnerung bleibt. 20 Minuten vor dem Ende wurde er ausgewechselt und konnte von der Bank aus beobachten, was einen großen Spieler ausmacht.

Gala rettet Schiedsrichter Brych

Einen Treffer hatte Ronaldo schon in der ersten Halbzeit geschossen. Per Freistoß aus rund 20 Metern hatte er Borussia Mönchengladbachs Torwart Yann Sommer unglücklich aussehen lassen. Der Ball nahm eine eigenartige Flugbahn und schlug in der Ecke ein, die eigentlich von dem Schlussmann bewacht wurde. Bei Ronaldos zweitem Treffer zum 2:1 in der 88. Minute nahm der fünffache Weltfußballer eine Hereingabe von Bernardo Silva direkt und platzierte den Ball flach rechts im Tor.

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Vor seinem 3:1 in der 90. Minute rannte er den linken Flügel hinunter, ließ Borussia Dortmunds Verteidiger Manuel Akanji mit einem doppelten Übersteiger stehen und schlenzte den Ball ins rechte Ecke. Sommer macht sich lang, doch er konnte den Ball nicht erreichen. Es war ein perfektes Tor zum Ende einer perfekten Vorstellung für Ronaldo.

Wobei: fast hätte er sogar die Chance auf einen weiteren Treffer gehabt. Nach einer knappen Stunde trug sich eine für die Zuschauer absurde Videobeweis-Situation zu. Nach einem Zupfer von Portugals Verteidiger Nélson Semedo gegen den vom VfB Stuttgart an die TSG Hoffenheim ausgeliehenen Steven Zuber protestierten die Schweizer. Sie hätten gerne einen Elfmeter gehabt, doch der deutsche Schiedsrichter Felix Brych ließ weiterspielen - und verhängte Sekunden später auf der Gegenseite einen Strafstoß. Ronaldo stand schon bereit, mit dem Ball unter dem Arm. Doch Brych konsultierte den Videobeweis und befand - völlig korrekt - doch auf Elfmeter für die Schweiz, den der einstige Wolfsburger Ricardo Rodríguez zum 1:1 nutzte.

Das hatte es wohl noch nie gegeben: dass der Videobeweis nicht nur entscheidet, ob es Strafstoß gibt. Sondern auch, für welche der beiden Mannschaften. Brych dürfte am Ende trotz seiner richtigen Entscheidung ganz froh über Ronaldos Gala gewesen sein. Sonst wäre er selbst zur Geschichte des Abends geworden. Das ist für Schiedsrichter immer schlecht.

Auf dem Weg zum Wahnsinns-Torrekord

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So redeten am Ende eines Tages, an dem auch die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Ronaldo wieder Schlagzeilen hervor gebracht hatten, alle über die Leistungen des Superstars auf dem Platz. Über seinen insgesamt 53. Dreierpack für Verein und Nationalmannschaft - und darüber, dass er nach dem Iraner Ali Daei möglicherweise bald der zweite Fußballer ist, der die 100-Tore-Marke in Länderspielen überbietet. Daei gelangen in seiner Karriere 109 Länderspiel-Treffer. Davon ist Ronaldo noch etwas entfernt: Gegen die Schweiz gelangen dem Mann von Juventus Turin die Treffer Nummer 86, 87 und 88.

Der gegnerische Trainer Vladimir Petković wählte eine besondere Formulierung, um den Angreifer zu preisen. Ronaldo sei "die Kirsche auf der Torte" sagte er. Dabei klang er nicht wie jemand, der gerade besiegt worden war, sondern wie ein Bewunderer. Portugals Übungsleiter Santos erkannte wieder einmal, dass es nur wenige Worte braucht, um Ronaldo zu beschreiben. "Es gibt geniale Skulpturen, geniale Gemälde und geniale Fußballer. Er ist ein Genie. Das ist alles", sagte er. Und dieses Genie zeigte, dass weiter mit ihm zu rechnen ist. Auch im Alter von 34 Jahren. "Criiiiiiistiano Ronaaaaaaaldo!"

Quelle: n-tv.de

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