Fußball

Der weiße Brasilianer wird 50 Ansgar Brinkmann, ein legendärer Freigeist

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Momente mit Ansgar Brinkmann sind in der Regel besonders.

(Foto: imago/Jan Huebner)

"Der weiße Brasilianer" wird Ansgar Brinkmann genannt, weil er wunderbar kicken konnte. Doch weit mehr Menschen kennen ihn, seitdem er nicht mehr Fußball spielt. Nun ist der ewige Freigeist 50 Jahre jung. Unser Kolumnist erinnert sich an wahnwitzige Begegnungen mit dem Geburtstagskind.

Ansgar Brinkmann ist ein Phänomen. Ich bin mir vollkommen sicher, dass der Junge aus Bakum im Landkreis Vechta der einzige Mensch auf dieser Erde ist, der einen festgefahrenen und erbitterten Streit schlichten könnte. Sollten sich jemals auf einer grünen Wiese Fans von Arminia Bielefeld, Preußen Münster und dem VfL Osnabrück richtig in die Haare bekommen, dann könnte nur Ansgar mit seinem sonnigen Gemüt die Lage wieder unter Kontrolle bringen. Ich stelle mir das ungefähr so vor wie damals in Gütersloh, als der Sportkamerad Brinkmann über sieben Taxidächer gestiegen ist und, als er vom letzten Dach sprang, freundlich empfangen wurde: "Ist nur der Ansgar. Alles in Ordnung!" Genauso würde Brinkmann bei dieser Massenhauerei plötzlich in der Mitte stehen und alle rivalisierenden Anhänger würden augenblicklich innehalten und glücklich rufen: "Guckt mal, da ist er ja, der Ansgar!" Und schon würde ewiger Frieden ausgerufen werden.

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Ben Redelings und Ansgar Brinkmann bei einer ihrer vielen Begegnungen.

(Foto: imago/Martin Hoffmann)

Wer einmal im Leben mit Ansgar unterwegs war, weiß, wovon ich rede. Dem Mann kann eigentlich niemand böse sein. Außer, man ist selbst böse - oder Ansgar hat einen über den Durst getrunken. Aber das kommt ja Gott sei Dank nur ganz, ganz selten vor. Oder wie er es bei einem gemeinsamen Abend mal so herrlich formulierte: "Dreimal in meinem Leben war ich betrunken. Und dreimal war die 'Bild' mit dabei!"

Charmeoffensive auf Huub Stevens

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Momente mit Ansgar sind in der Regel besonders. So auch unsere Begegnung im Frühjahr 2018, als wir uns in Köln zu einer gemeinsamen Veranstaltung mit Huub Stevens bei der lit.Cologne trafen. Ich hatte, ehrlich gesagt, mächtig Respekt vor dem Abend mit dem ehemaligen Trainer aus den Niederlanden. Aus dem engeren Bundesliga-Umfeld war an mich das Wort "Psychopath" herangetragen worden. Ein Kollege hatte mich sogar für "verrückt" erklärt: "Du weißt nicht, was du da tust!" Und dann schlich ich damals zaghaften Schrittes in die Hotel-Lobby und traf auf Stevens - doch im selben Augenblick kam von hinten auch schon Ansgar ins Foyer gelaufen. Er strahlte und rief - noch fünf Meter von Stevens entfernt - zu ihm herüber: "Trainer, hätte ich dich als Coach gehabt - ich hätte 100 Länderspiele gemacht!" Das Lächeln um die Augenwinkel wich den ganzen Abend nicht einen Millimeter aus Stevens' Gesicht. Es wurde eine der schönsten und entspanntesten Veranstaltungen meines Lebens. Dank Ansgar!

Ein anderes Mal war Ansgar einer meiner Stargäste beim "Saisonrückblick" in Bochum. 800 Zuschauer versammelten sich in einer Kirche und freuten sich auf einen andächtigen Abend. Und wer erschien in einer kurzen Hose, die kaum die Oberschenkel bedeckte und die vielen Gästen noch heute als ein "Hauch von nichts" in Erinnerung geblieben ist? Natürlich Ansgar. Legendär war dann auch seine Antwort auf die Frage, was denn mit seinen langen Hosen passiert sei: "Die ist in der Wäsche!" Und dann erzählte er die Geschichte aus Mainzer Zeiten, als er morgens in die Kabine kam, sich komplett entkleidete und den Zeugwart bat, seine Sachen bis zum Trainingsende zu waschen. Danach glaubten wir Ansgar sogar, dass er tatsächlich nur eine lange Hose besitzt.

"Aus Generation, die zu ihrem Wort steht"

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Die vielen wunderbaren gemeinsamen Abende begannen übrigens an einem trüben Tag im Dezember 2010. Diese erste Begegnung war ein Wechselbad der Gefühle, wie es typischer für Ansgar nicht sein konnte. Damals kannten wir uns nur vom Telefon - und ich hatte noch keine Ahnung, wie er wirklich tickte. Sicher war nur: Wenige Minuten nach dem geplanten Veranstaltungsbeginn fehlte von Ansgar noch jede Spur - und erreichbar war er auch nicht. Immer wieder wählte ich seine Nummer. Besetzt. Seit über 20 Minuten war Ansgar nun schon nicht zu erreichen. Und zehn Minuten zuvor hätte die Veranstaltung eigentlich beginnen sollen. Mir schwante Böses. Sollte es das erste Mal so sein, dass am Ende doch nicht alles gut werden würde?

Ich ging nach vorne zur Kasse, grüßte unterwegs freundlich die wartenden Besucher der Veranstaltung und probierte draußen auf dem Parkplatz aufs Neue, Ansgar an sein Handy zu bekommen. Nach 23 Minuten endlich ein Freizeichen. Ein warmes Gefühl der Erlösung ließ den Nieselregen und die Temperatur knapp über null Grad vergessen. Gedämpfte Autogeräusche. Eine klar verständliche Stimme meldete sich: "Hallo. Ich bin ein bisschen spät dran, ich weiß. Viel los auf dem Highway. Navi sagt aber, nur noch sechs Kilometer!"

"Ansgar, endlich! Und ich habe schon darüber nachgedacht, ob du der erste Gast sein wirst, der nicht kommt."

"Nein, nein. Zugesagt ist zugesagt. Ich bin noch aus einer Generation, die zu ihrem Wort steht. Ist auch nicht mehr weit, wie gesagt."

"Mann, da fällt mir echt ein Stein vom Herzen. Wir fangen schon einmal an, ja?! Bis gleich dann!" Und dann folgte einer dieser typischen Ansgar-Sprüche: "Ja, alles klar. Bis morgen!" Alter Scherzkeks, dachte ich - und Danke! Den ersten Gag des Abends hatte er schon geliefert, obwohl er noch gar nicht da war - so etwas kann nur Ansgar.

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Als sich die Veranstaltung zwei Stunden später langsam dem Ende zuneigte, sagte Ansgar schließlich noch den Satz des Abends. In Erinnerung an seine wilde Sauftour durch Gütersloh mit dem Ausflug auf die Taxidächer meinte er: "Da hatte ich einen totalen Blackout - das weiß ich noch genau!" Ein Satz, über den man ruhig mal etwas länger nachdenken kann. Es lohnt sich. Wie jede Begegnung mit dem "weißen Brasilianer". Herzlichen Glückwunsch, lieber Ansgar Brinkmann zum 50. Geburtstag. Bleib', wie du bist, du ewiger Freigeist. Glück auf!

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Quelle: n-tv.de

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