Fußball

WM-Teilnahme nach Phantom-Tor in Gefahr Brych leidet und muss bangen

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(Foto: imago sportfotodienst)

Er gilt als einer der besten Schiedsrichter in der Bundesliga. Felix Brych war eigentlich für die WM-Endrunde im kommenden Jahr gesetzt. Nach seiner Anerkennung des Phantom-Tores von Stefan Kießling hat sich das Blatt gewendet.

Den Job als "Cover-Boy" auf dem aktuellen Regelhelft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) würde Felix Brych nach den Ereignissen vom Freitagabend wohl nicht mehr annehmen. Denn als der Schiedsrichter aus München nach seinem groben Fehler beim zweiten Phantom-Tor der Bundesliga-Geschichte dachte, es könne nicht mehr schlimmer kommen, wurde Brych am Wochenende wegen dieses ironischen Zufalls immer wieder im TV durch den Kakao gezogen. Doch auch das war für den 38-Jährigen noch lange nicht das Schlimmste: Brych muss nach seinem Fauxpas um die sicher geglaubte WM-Teilnahme bangen.

Der Schiedsrichter des Jahres 2012/13 schien schon am späten Freitagabend zu wissen, dass ihm diese Konsequenz droht. Der Jurist mit mit den Hobbys Sport und Musik, der seit 2007 für den Weltverband Fifa im Einsatz ist, wirkte nach dem Nicht-Tor von Stefan Kießling beim 1:2 (0:1) zwischen 1899 Hoffenheim und Bayer Leverkusen konsterniert. "Es ist keine tolle Situation für, dass ich ein Tor gegeben habe, das keines war", sprach Brych, dem die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben war, mit zitternder Stimme in die TV-Mikrofone.

Blatter mag Phantomtore gar nicht

Brychs Boss Herbert Fandel war daraufhin sofort klar, dass er seinem in Not geratenen Schützling zur Seite springen muss. "Felix Brych ist einer der weltbesten Schiedsrichter", ließ der Chef der deutschen Referees verlauten: "Jeder kann sich vorstellen, dass diese Entscheidung ihn ganz besonders ärgert und beschäftigt. Aber es war eine Verkettung unglücklicher Umstände und am Ende bleibt bedauerlicherweise stehen, dass ein Tor gegeben wurde, welches keines gewesen ist."

Was Fandel nicht erwähnte: Auf Tore, die keine waren, stehen die Fifa und ihr Boss Joseph S. Blatter überhaupt nicht. Doch genau dieser Umstand könnte für Brych, der in der vergangenen Saison die meisten Bundesliga-Partien (18) aller Unparteiischen gepfiffen hat, gleichzeitig die Rettung sein. Ein Fehler wie in Sinsheim kann Brych bei der WM-Endrunde gar nicht unterlaufen. Wie beim Confed Cup im Sommer, bei dem Brych vor Ort war, wird im kommenden Jahr in Brasilien die Torlinien-Technik zum Einsatz kommen. Dafür sind vor allem die Schiedsrichter selbst dankbar. "Ich habe immer gesagt, dass wir für eine Torlinien-Technologie sind, weil sie unsere Arbeit unterstützt. Sie muss aber hundertprozentig funktionieren", äußerte Fandel, dessen Schützlinge laut der Deutschen Fußball Liga (DFL) noch bis Sommer 2015 auf die Einführung der Technik in der Bundesliga warten müssen.

Torlinien-Technik hin oder her

Am schwachen Auftritt Brychs, der als Eliteklasse-Schiedsrichter 60.000 Euro pro Spielzeit erhält und der in der vergangenen Saison alleine durch seine Einsätze in der Bundesliga zusätzlich 68.400 Euro verdient hat, hätte auch die beste Technik nichts geändert. Der Referee, der von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) für das Champions-League-Topspiel zwischen dem AC Mailand und dem FC Barcelona am Dienstag angesetzt wird, machte einen verunsicherten Eindruck. Brych, der sich zwei weitere grobe Fehler im Spiel leistete, wirkte hilflos.

Der Schiedsrichter-Abteilungsleiter des DFB hatte fast schon Mitleid mit seinem Schützling, der nun mit Blick auf die WM von seinem Kollegen Wolfgang Stark (Ergolding) verdrängt werden könnte. "Es war eine ekelhafte Situation für einen Schiedsrichter, zumal er so ein ambitionierter Schiedsrichter ist, der auch für die WM 2014 im Aufgebot steht", sagte Lutz Michel Fröhlich bei Sky. Nicht besonders angenehm dürfte für Brych, der im vergangenen Jahr beim olympischen Fußballturnier im Einsatz war, auch die Kritik aus den eigenen Reihen sein. "Die Sache hätte man anders lösen müssen", äußerte der frühere WM-Schiedsrichter Bernd Heynemann bei Sky Sport News HD.

Immerhin konnte sich Brych damit trösten, dass er von Hoffenheimer Seite nicht angegangen wurde. Obwohl der Referee übersehen hatte, dass der Ball von außen durch ein Loch im Netz im Gehäuse der Kraichgauer gelandet war, machte Profifußball-Leiter Alexander Rosen dem Schiedsrichter keinen Vorwurf: "Er muss sich nicht bei mir entschuldigen. Er hat es ganz sicher nicht absichtlich gemacht. Das ist doch klar."

Quelle: ntv.de, Alexander Sarter, sid