Fußball

Bittere Tränen zum Liga-Abschied Asamoah sorgt für traurigsten Schalke-Moment

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Gerald Asamoah, enttäuschte Schalke-Legende.

(Foto: imago images/RHR-Foto)

Kaum ein Absteiger kämpfte in den letzten Jahrzehnten der Bundesliga so wenig und so aussichtslos gegen den Abstieg wie ein einstiger Champions-League-Halbfinalist: Der FC Schalke macht eine desaströse Saison perfekt. Das bewegt vor allem eine Klublegende tief.

Nein, überraschend kommt der Abstieg des FC Schalke nicht. Seit dem ersten Spieltag, seit dem dramatisch desaströsen 0:8 beim FC Bayern, steht der Klub auf einem Abstiegsplatz. Ununterbrochen unter dem Strich, dabei wird es bleiben. Der FC Schalke 04 ist in der kommenden Saison ein Zweitligist. Eine Erkenntnis, an die sie sich in Gelsenkirchen über Monate gewöhnen konnten. Und doch kam sie nach dem 0:1 bei Arminia Bielefeld wie ein Holzhammer über den Klub. "Tut noch mehr weh als erwartet. Scheiße!", twitterte die schon seit Langem nicht mal mehr um Durchhalteparolen bemühte Social-Media-Abteilung des Vereins, als der vierte Abstieg der Vereinsgeschichte dann feststand.

Wie schmerzhaft der Abschied aus der Bundesliga trotz des langen, langen Anlaufs war, ließ sich aber nirgendwo so berührend eindrucksvoll ablesen, wie am Gesicht von Schalkes Klublegende Gerald Asamoah. Der steht als Team-Koordinator seit einigen Monaten mit in der Verantwortung, ist dem Verein aber vor allem emotional verbunden. So trat der einstige Profi mit Tränen in den Augen vors "Sky"-Mikro und verkündete, man habe ja gewusst, "was auf uns zukommt. Aber wenn man jetzt merkt, dass es vorbei ist, ist es schon brutal." Nie habe er sich in seinen 20 Jahren im Verein träumen lassen, dass es mal so weit kommen könnte.

Immer wieder musste der einstige Publikumsliebling um Fassung ringen, als er die augenblickliche Situation beurteilen sollte. Nein, er wolle "kein Wort benutzen, das irgendwen verletzen könnte", aber am kickenden Personal, das die Katastrophe aus Schalker Sicht zu verantworten hat, ließ er dennoch kein gutes Wort. "Wenn du Tabellenletzter bist, mit 13 Punkten, wenn da einer sagt, er hat alles gegeben ... Ich weiß nicht, was ich mit der Person machen würde. Die Farben von Schalke 04 zu tragen, bedeute sehr viel, sagte Asamoah.

"Ich kann mir vorstellen, wie viele Schalker Fans zu Hause vor dem Fernseher sitzen und weinen. Wir haben alle enttäuscht", fügte Asamoah, der heutige Koordinator der Lizenzspielerabteilung, hinzu. "Das Emblem von Schalke zu tragen, bedeutet sehr viel und die Frage stellt sich, ob alle das verstanden hat. Jeder sollte sich hinterfragen, ob er alles dafür getan hat, den Verein am Leben zu halten." Die Worte und die Tränen der Schalke-Legende dürften für die Fans des Vereins in einer an deprimierenden Momenten so überreichen Saison ein emotionaler Tiefschlag gewesen sein.

"Bittere Stunde für alle Schalker"

Trainer Dimitrios Grammozis fand ähnliche Worte nach der einmal mehr enttäuschenden Leistung, die die Zweitklassigkeit nun auch rechnerisch dokumentiert: Ziel sei es, in der nächsten Saison "eine schlagkräftige Truppe" zu haben, "auf die die Fans wieder stolz sein können". An dieser Aufgabe müsse jetzt verstärkt gearbeitet werden. "Wir müssen einfach schauen, dass wir Jungs wiedergewinnen für diesen Verein, die auch das Emblem würdig tragen. Dass sie wissen, was Schalke ist. Worauf sie sich hier einlassen." Es sei eine "bittere Stunde für alle Schalker" - vor allem für Fans und Mitarbeiter des Klubs. "Deswegen sind wir brutal enttäuscht, dass jetzt die Gewissheit da ist", sagte Grammozis. Der 42-Jährige ist der fünfte Coach, der Schalke in dieser Saison betreut.

Vor dem Gang in die 2. Liga will sich Grammozis mit dem FC Schalke aus der Bundesliga "vernünftig verabschieden". Er versicherte: "Wir werden kein Spiel abschenken. Wir werden uns so gut wie möglich auf die Spiele vorbereiten und noch mal alles geben, damit wir den Verein würdig in diesen letzten Spielen vertreten."

Sportvorstand Peter Knäbel versicherte, man "trauere in erster Linie mit unseren Fans. Wir trauern mit unseren Mitgliedern. Wir trauern mit allen, die Schalke 04 die Treue halten in guten, wie auch jetzt in schlechten Zeiten. In diesem Moment geht es vor allem um die Fans und Mitglieder von Schalke 04." Aber es gebe neben der "Wut und Enttäuschung, die nicht nur in uns ist" auch Hoffnung auf eine baldige Besserung, denn es werde bereits seit Monaten am Szenario 2. Liga gearbeitet. Vorbereitet sei man und in der Umarmung mit dem am Boden zerstörten Asamoah habe man sich versprochen: "Wir kommen da wieder raus!"

Für Schalke ist es der vierte Bundesliga-Abstieg in der Klub-Geschichte. Nach der bislang letzten Bundesliga-Rückkehr 1991 etablierte sich der Revierclub nach und nach in der nationalen und erweiterten europäischen Spitze. Ein nochmaliger Abstieg galt lange als unrealistisch - bis sich Schalke 2019 nach einer verkorksten Saison nur knapp rettete. Unter dem neuen Trainer David Wagner schien dann alles wieder gut. Nach starker Hinserie in der Saison 2019/2020 wähnte sich der einstige Champions-League-Dauergast im Januar 2020 wieder auf dem Weg zurück in Richtung Königsklasse, doch es folgte ein beispielloser Absturz, der nun in den Abstieg mündete.

Quelle: ntv.de, ter

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