Fußball

Wolfsburg, Werder und der HSV Ausgebrannt in der Europaliga

Drei deutsche Fußballvereine tummeln sich in der Europa League. Heute Abend spielen sie um den Einzug ins Viertelfinale. Mit Werder Bremen, dem VfL Wolfsburg und dem Hamburger SV ist Deutschland die am stärksten vertretene Nation in der Sechzehnergruppe. Reife Leistung, aber die hat ihren Preis. Alle drei Clubs bräuchten statt Rückspielen wohl eher mal Urlaub.

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Werders Mittelfeld-Dribbler Marko Marin wird im Achtelfinale auf dem Platz stehen. Wegen seiner Erkältung wird er aber wohl nicht in Topform sein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die drei deutschen Mannschaften, die heute Abend zum Achtelfinale der Europa-League den Rasen betreten, sind ausgebrannt. Sie sind gebeutelt vom Tanz auf mehreren Fußball-Hochzeiten, von Verletzungen, von Überforderung. Der ehemalige Uefa-Cup richtet seine Teilnehmer offenbar selbst zu Grunde. Denn jetzt, wo es in die wichtige Phase des Turniers geht, haben die Vereine sich in den bisherigen Runden bereits müde gekämpft. Die Folge ist eine Art kollektives Burn-Out Syndrom unter den Achtelfinalisten aus Norddeutschland.

Werder ackert sich krank

Da ist zunächst Werder Bremen. Der momentan Tabellen-Sechste der Bundesliga hat einen gnadenlosen Zeitplan. Heute ab 19.00 Uhr gelten alle Bemühungen dem FC Valencia. Im Hinspiel trennten sich die Mannschaften 1:1. Die Messlatte liegt hoch, denn letztes Jahr standen die Norddeutschen im Finale des Turniers. Am Samstag folgt die Bundesliga-Begegnung mit dem VfL Bochum, in der es hauptsächlich um die Qualifikation für die nächste Europa-League geht. Nach dem Wochenende steht am Dienstag das Halbfinale im DFB-Pokal gegen den FC Augsburg an. Und am darauffolgenden Samstag geht es gegen den 1.FC Nürnberg in die Bundesliga zurück

Bei so einem Terminkalender will man erstmal Kaffee holen. "Es ist schon außergewöhnlich, was da auf uns zukommt. Aber wir dürfen uns nicht verrückt machen und müssen den inneren Schweinehund überwinden", forderte Sportdirektor Klaus Allofs. Innere Schweinehunde - das können auch Bazillen und Blessuren sein. Das straffe Saisonprogramm fordert nämlich seinen Tribut. Kapitän Torsten Frings hatte eine Muskelverletzung, Marko Marin wurde von der Grippe überrannt, Peter Niemeyer plagte sich zuletzt mit seinem Sprunggelenk und Nationalspieler Mesut Özil brachte es mit stolzen 22 Jahren auf Bandscheibenbeschwerden. Frings, Özil und Marin gelten aber als genesen und sollen heute Abend auflaufen. Ob Trainer Thomas Schaaf das lädierte Trio zur Bestform peitschen konnte, wird sich jedoch zeigen. Zumindest herrscht ausgleichende Gerechtigkeit. Valencias Stürmerstar David Villa hat eine Schulterblessur, Navarro und Albelda sind ebenfalls verletzt.

Werder Bremen – FC Valencia, heute, 19 Uhr
Bremen:
Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Pasanen - Frings,  Borowski - Hunt, Özil, Marin (Almeida) - Pizarro.
Valencia: Cesar Sanchez - Miguel, Maduro, Dealbert, Bruno -  Marchena, Baraja - Joaquin, Silva, Mata - Villa.
Schiedsrichter: Kevin Blom (Niederlande)

Wolfsburg im Jet-Lag

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Wolfsburgs Torjäger Grafite muss erst seine Adduktorenprobleme auskurieren bevor er wieder auf den Platz kann. Das Achtelfinale verbringt er auf der Bank.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auch der VfL Wolfsburg plagt sich mit Ausfällen. Torjäger Grafite wird das Achtelfinale von der Bank aus verfolgen. Er schlägt sich mit Adduktorenproblemen herum. Stammkeeper Diego Benaglio kämpft mit den Nachwirkungen seiner Knie-Operation und fällt auch weg. Die Invalidenrate bleibt überschaubar, allerdings sind die Wolfsburger auch eher kollektiv überarbeitet als verletzt. Sie haben die Power-Woche nach Werder-Art nämlich gerade hinter sich. Am vergangenen Donnerstag war das Hinspiel gegen Rubin Kasan in Russland, zwei Tage später, nach insgesamt 6000 Reisekilometern, das Bundesligaspiel gegen Gladbach. Die Wölfe gewannen mit 4:0. Toller Sieg, aber er hat Kraft gekostet. Vielleicht jene, die der VfL heute Abend brauchen könnte. "Das ist noch mal ein ganz gefährliches Spiel. Man hat gesehen, wie konter- und laufstark Kasan ist", sagte Trainer Lorenz-Günther Köstner. Der Coach glaubt allerdings daran, dass sein Verein, der im Hinspiel ein 1:1 erwirkte, die Europa-League gewinnen könne.

VfL Wolfsburg – Rubin Kasan, heute, 21.05 Uhr
Wolfsburg:
Hitz - Pekarik, Madlung, Simunek, Schäfer - Josué - Riether, Gentner - Misimovic - Martins, Dzeko
Rubin: Ryschikow - Salukwadse, Orechow, Navas, Ansaldi - Sibaya, Galijulin (Gorbanez), Noboa, Kasajew - Hasan Kabze - Bucharow
Schiedsrichter: Eriksson (Schweden)

Hamburg kurz vor Saisonpleite

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Eljero Elia ist erschöpft. In der letzten Zeit hat er sich auf dem Platz nicht mehr sonderlich bemerkbar gemacht.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Hamburger SV hat die Verletzungswelle unter seinen Spielern mittlerweile überwunden. Das Fußball-Burn-Out Syndrom bleibt allerdings. Die Spieler beschweren sich, so wird gesagt, bei Trainer Bruno Labbadia über zu lange Trainingseinheiten. Die Hanseaten sind wahrhaft "ausgebrannt". Viele Ziele hatte sich die Mannschaft gesetzt. DFB-Pokalsieg, deutscher Meister, Einzug in die Champions-League – nichts davon ist passiert. Und so klammert der HSV sich nun an die Europa-League. "Es geht um das letzte große Ziel, das wir erreichen können", sagt Stürmer Mladen Petric. Im Hinpiel schlugen die Hamburger die Belgier vom RSC Anderlecht zwar mit 3:1, das gute Ergebnis ist allerdings kein Garant für einen Erfolg im heutigen Achtefinale. Guter Fußball braucht Power, und die lassen einige Leistungsträger des Vereins vermissen. Eljero Elia und Boateng schleppten sich in letzter Zeit nur noch durch die Saison. Wenn die Hanseaten am 12. Mai im eigenen Stadion im Europa-League Finale auf dem Rasen stehen wollen, müssen sie den Burn-Out in den Griff kriegen. Vielleicht mit einem Wellness-Wochenende an der Nordsee, soviel Zeit muss sein.

Hamburger SV – RSC Anderlecht, heute, 21.05 Uhr
Hamburg:
  Rost - Boateng, Rozehnal, Mathijsen, Aogo - Jarolim,  Ze Roberto (Rincon) - Torun (Trochowski), Jansen - van Nistelrooy, Petric.
Anderlecht: Proto - Gillet, Mazuch, Juhasz, Deschacht -  Kouyate, Biglia (van Damme) - Legear (Kanu), Boussoufa, Suarez - Lukaku.
Schiedsrichter: Terje Hauge (Norwegen)

Quelle: n-tv.de

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