Fußball

"Wir sind noch nicht am Limit" BVB berauscht sich selbst

Nach dem famosen Saisonstart mit vier Siegen in den ersten fünf Bundesliga-Spielen treten die Verantwortlichen von Borussia Dortmund auf die Euphoriebremse. Und freuen sich diebisch, dass ihr junges und talentiertes Team schon jetzt sein Leistungsvermögen ausschöpft.

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Jung, dynamisch, erfolgreich - das ist Borussia Dortmund 2010.

(Foto: dapd)

Jung, dynamisch, erfolgreich - bei Borussia Dortmund wächst der Glaube an eine neue Erfolgsära. Noch Minuten nach der 5:0 (2:0)-Gala gegen den 1. FC Kaiserslautern bebte die mächtige Südtribüne. Zusammen mit ihren Fans feierten die Profis ausgelassen den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte. Der abermals erstaunlich reife Auftritt des eigentlich unreifen Teams versetzte alle Beteiligten in Euphorie: "Dass wir solch einen Fußball gespielt haben, liegt schon einige Zeit zurück", schwärmte Sportdirektor Michael Zorc, "eine stetige Weiterentwicklung ist erkennbar."

Wie in der Meistersaison 2001/2002 verbuchte die Borussia zwölf Zähler aus den ersten fünf Saisonspielen, weist aber ein besseres Torverhältnis auf. Mehr noch als die Punktausbeute imponiert jedoch die Art und Weise, wie das junge Team seine Bundesliga-Gegner dominiert. Nach Stuttgart (3:1), Wolfsburg (2:0) und Schalke (3:1) ging auch Kaiserslautern im Angriffswirbel der Borussia mit Toren von Lucas Barrios (31./88. Minute), Kevin Großkreutz (38.), Mats Hummels (65.) und Robert Lewandowski (75.) unter. Gleichwohl sieht der erneut überragende Taktgeber Nuri Sahin noch Luft nach oben: "Wir sind noch nicht am Limit."

Sahin als Dreh- und Angelpunkt einer harmonierenden Mannschaft steht als Symbol für die Dortmunder Spaß-Fußballer, die auch die zahlreichen Positiv-Schlagzeilen in den kommenden Tagen mit der nötigen Distanz zur Kenntnis nehmen werden. "Wir wussten schon vor dem Spiel, dass so etwas passieren kann, aber das ist nicht so problematisch, wie es klingt", so Klopp. Wichtig sei, dass man die Beweispflicht nach dem großen Sieg auf Schalke erfüllt habe. Die Mannschaft habe gezeigt, dass sie in der Spur bleibe.

Nicht teuer, aber richtig gut

Auch ohne große Geldmittel ist es Zorc und Trainer Jürgen Klopp gelungen, einen exquisiten Kader zusammenzustellen. Im Unterschied zur glorreichen Ära der 90er Jahre mit zwei Meistertiteln (1995/1996) und dem Gewinn der Champions League (1997) fehlen sündhaft teure Stars. Stattdessen geben junge, hungrige und pflegeleichte Spieler wie Neven Subotic, Mats Hummels und Sahin den Ton an. Zudem verheißen Talente wie Shinji Kagawa und Sven Bender eine rosige Zukunft. "Der Charakter ist das herausragende Merkmal dieser Mannschaft", befand Klopp.

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Nuri Sahin war gegen Lautern mit den Vorlagen zu den Toren Nr. 1 bis 3 überragend.

(Foto: dpa)

Früher als erwartet scheint die Rechnung von Zorc und Klopp aufzugehen. Erstmals seit mehr als sieben Jahren rangiert die Borussia wieder auf dem zweiten Tabellenplatz. Wie schon beim famosen Auftritt gegen den Erzrivalen FC Schalke überzeugte sie erneut mit hoher Laufbereitschaft und spielerischer Klasse.

Die Dortmunder sind vielmehr sicher, dass ihre "Junioren" den Spagat zwischen Bundesliga und Europa League mit insgesamt sieben Spielen in 23 Tagen schaffen werden. "Jeder Sieg hat bisher Kräfte freigesetzt", bestätigte Torschütze Hummels. Nach Einschätzung des Fußball-Lehrers wird der anhaltende Höhenflug seinen zuletzt hochgelobten Profis nicht zu Kopf steigen: "Das Gute an der Situation ist, dass wir wenig Zeit zum Genießen haben. Wir stehen morgen mit dem Wissen auf, dass wir übermorgen in den Zug zum Spiel beim FC St. Pauli steigen werden." Und dort steigt nach Ansicht von Zorc "das schwerste Spiel dieser Woche". Manndecker Subotic sprach seinem Coach aus dem Herzen: "Durch diese Siege werden wir sicher nicht arrogant."

Quelle: ntv.de, dpa/sid