Fußball

Bilanzfälschung bei Spaniens Meister Barcelona schreibt tiefrote Zahlen

Mit einer ordentlichen Bilanz versabschiedet sich Joan Laporta im Juni von seinem Präsidentenposten beim FC Barcelona, über 11 Millionen Euro Gewinn mag keiner meckern. Nun kommt heraus: Tatsächlich hat Spaniens Fußballmeister fast 80 Millionen Euro Verlust gemacht. Laporta muss sich nun vor Gericht verantworten.

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Barcelonas neuer Präsident Sandro Rosell konnte noch nicht allzuviele gute Nachrichten überbringen.

(Foto: REUTERS)

Die Finanzmisere bei Spaniens Fußballmeister FC Barcelona ist größer als bislang gedacht. Im vergangenen Geschäftsjahr habe der Club einen Verlust von 79,6 Millionen Euro gemacht, sagte der neue Vereinspräsident Sandro Rosell am Samstag bei der Mitgliederversammlung in Barcelona. Sein Vorgänger Joan Laporta hatte dagegen einen Gewinn von 11,1 Millionen Euro angegeben.

Eine unabhängige Buchprüfung brachte die Differenz ans Licht. Der Club von Weltfußballer Lionel Messi werde drei Jahre brauchen, um sich finanziell zu sanieren, sagte Rosell weiter. In der Versammlung votierten die Mitglieder dafür, Laporta rechtlich zur Rechenschaft zu ziehen. Bei einer Befragung stimmberechtigter Klubmitglieder fiel das Ergebnis mit 486 gegen 439 bei 113 ungültigen Stimmen für das gerichtliche Vorgehen aus. "Das ist die wichtigste Entscheidung in der Geschichte des Vereins", sagte Rosell.

Ibrahimovic ein teurer Flop

Nach Angaben der Buchprüfer haben sich die Nettoschulden des FC Barcelona während der Amtsführung Laportas in den vergangenen zwei Jahren auf rund 430 Millionen Euro verdoppelt. In der vorigen Saison hatte der Club rund 100 Millionen Euro für Neuzugänge ausgegeben.

Fast 70 Millionen Euro verschlang allein die Verpflichtung des Schweden Zlatan Ibrahimovic, der jedoch bei den Katalanen nicht glänzen konnte. Er wurde schließlich an den AC Mailand verliehen, der ihn angeblich für rund 25 Millionen Euro kaufen kann. Alles in allem habe dieses Geschäft Barça einen Verlust von 37,2 Millionen Euro beschert, erklärten die Buchprüfer. So habe Ibrahimovics Manager acht Millionen Euro Honorar kassiert.

155 Millionen Euro Kredit

Trotz der hohen Schulden hatte der FC Barcelona im Mai für 40 Millionen Euro Nationalstürmer David Villa vom FC Valencia und im Sommer Javier Mascherano vom FC Liverpool für 20 Millionen Euro geholt. Dafür wurden Touré Yayá an Manchester City (24 Millionen Euro) und Dmitri Tschigrinski an Schachtjor Donezk (15 Millionen Euro) verkauft. Für den Ukrainer hatte Barcelona ein Jahr zuvor allerdings noch 25 Millionen Euro bezahlt. Luft verschaffte sich Barça auch mit einem 155 Millionen Euro schweren Kredit. "Dieser garantiert uns wirtschaftliche Solidität", sagte Rosell, der forderte: "Wir müssen optimistisch in die Zukunft schauen."Das Ziel sei ein Umsatz von 500 Millionen Euro im Jahr.

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Joan Laporta versucht sich jetzt in der Politik.

(Foto: dpa)

Sein Vorgänger Laporta, dessen Amtszeit Ende Juni abgelaufen war, ist inzwischen in die Politik gegangen. Als Kandidat bei den Regionalwahlen tritt er für die Unabhängigkeit Kataloniens ein. Die zwielichtigen Bilanzierungspraktiken beim FC Barcelona dürften seiner Popularität nicht zuträglich sein.

Talente statt teure Stars

Sportdirektor Andoni Zubizareta hatte bereits gestern gegenüber dem Rundfunksender RAC 1 angekündigt, dass man künftig auf die eigene Jugend aus der Nachwuchsakademie La Masia statt auf teure Transfers setzen werde. "Im B-Team haben wir vier bis fünf Spieler, die in der Lage sind, in der ersten Mannschaft zu spielen. Wir wollen ihnen eine Chance geben", sagte der frühere spanische Nationaltorwart.

Quelle: ntv.de, cwo/dpa/sid