Fußball

"Sollte Rücktritt selbst verkünden" Beleidigter Ballack attackiert DFB

Der Streit zwischen Michael Ballack, seit Kurzem Ex-Nationalspieler, und Joachim Löw geht in die nächste Runde. Der Spieler sagt, der Bundestrainer habe ihn noch im März aufgefordert, bloß nicht aufzugeben. Generalsekretär Wolfgang Niersbach hatte das etwas anders berichtet.

1308492783.jpg6577435137301533574.jpg

Er hat mich motiviert und aufgefordert, nicht hinzuschmeißen." Sagt Michael Ballack über Joachim Löw.

(Foto: dapd)

Michael Ballack geht weiter auf Konfrontationskurs zu Bundestrainer Joachim Löw und den Deutschen Fußball-Bund: "Es war klar und unmissverständlich von beiden Seiten vereinbart, dass ich meine Entscheidung, zurückzutreten, in Ruhe in der Sommerpause selbst verkünden darf", teilte der 34 Jahre alte ehemalige Nationalmannschaftskapitän mit. "Mit dieser Erklärung möchte ich das Thema jetzt abschließen und mich voll und ganz auf meine Ziele mit Bayer 04 Leverkusen konzentrieren."

Ballack wirft dem DFB vor, die Inhalte eines Gesprächs von ihm mit Löw am 30. März falsch wiedergegeben zu haben. "Wenn der Bundestrainer Wolfgang Niersbach erzählt haben sollte, er habe bei unserem Gespräch am 30. März zu mir gesagt: 'Micha, das war s für dich und lass das jetzt mal sacken', oder 'Ich plane nicht mehr mit dir', dann ist das schlichtweg nicht wahr. Das genaue Gegenteil war der Fall."

"Hielt einen Zeitpunkt im Sommer für angemessen"

Er wollte, so der 34-Jährige weiter, seinerzeit von Löw wissen, wie er in Zukunft mit ihm plane. "In diesem Gespräch vermittelte er mir, dass er mich nach meinen Verletzungen wieder auf einem guten Weg sieht und durchaus daran glaubt, dass ich es in jedem Fall noch einmal schaffen kann, in die Nationalmannschaft zurückzukehren; dass ich ein Kämpfertyp sein. Er hat mich motiviert und aufgefordert, nicht hinzuschmeißen." Löw hingegen kontert Ballacks heftige Vorwürfe. "Ich habe die Erklärung von Michael gelesen und kann nur wiederholen: Ich stehe weiterhin zu meinen Aussagen."

Niersbach hatte erklärt, dass Ballack seit dem 30. März gewusst habe, dass seine Nationalmannschaftskarriere vorbei sei. Erst im Mai sei bei ihm, so Ballack, endgültig der Entschluss gereift, zurückzutreten. "Diese Überlegung teilte ich dann dem Bundestrainer und auch Wolfgang Niersbach mit. Ich hielt einen Zeitpunkt im Sommer für angemessen", so Ballack, "wir vereinbarten, dass ich in der Sommerpause meinen Rücktritt selbst bekannt geben dürfe." Ein genaues Datum, geschweige denn eine Frist, hätten dabei nie zur Debatte gestanden. Er habe erst unmittelbar vor der Pressemitteilung des DFB am vergangenen Donnerstag erfahren, "dass der Bundestrainer 'nicht mehr mit mir plant''. Dies sei konträr "zu unserer Absprache" erfolgt. Dabei habe er unmittelbar vor seinem Urlaubsende gestanden und sei seit Sonntag wieder "uneingeschränkt erreichbar" gewesen.

Goldene Brücke oder Scheinheiligkeit und Farce?

Löw wollte indes dem aussortierten Leverkusener offenbar eine goldene Brücke bauen, damit dieser in den Klub der Hunderter aufsteigt. "Wir haben ihm sogar angeboten, sowohl gegen Uruguay als auch gegen Brasilien zu spielen, um somit am 10. August in Stuttgart die außergewöhnliche Zahl des 100. Länderspiels zu erreichen. Einen Einsatz gegen Uruguay wollte Michael aber nicht, weil ihm die Zahl nicht so wichtig war, dass er sie unter allen Umständen erreichen wollte - so jedenfalls hat er es mir vermittelt", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.

Ballack, der nach DFB-Angaben seit dem 30. März von dieser Idee wusste, lehnte aber ab. Am 29. Mai hatte es das Benefizspiel gegen den WM-Vierten Uruguay (2:1) in Sinsheim gegeben. Löw hatte am Freitag gelassen auf die Vorwürfe und Attacken von Ballack, der sich bis zuletzt Hoffnungen auf eine Teilnahme an der Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine gemacht hatte, reagiert. "Ich weiß genau, was in meinen Gesprächen mit Michael besprochen wurde. An meinen Aussagen wird sich nichts ändern", ließ der 51-Jährige über den DFB mitteilen. Ballack hatte Löw Scheinheiligkeit vorgeworfen und das ihm angebotene Abschiedsspiel gegen Brasilien in Stuttgart als eine Farce bezeichnet.

Die Aussagen sorgten nicht nur beim Bundestrainer, sondern auch bei Niersbach für Irritationen. "Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis, schon gar nicht für Begriffe wie Scheinheiligkeit und Farce, die er in diesem Zusammenhang gewählt hat", sagte Niersbach, der in den vergangenen Wochen offenbar die Rolle des Vermittlers übernommen hatte.

Niersbach: "Gespräche absolut korrekt und fair"

Aus Niersbachs Sicht "sind alle Gespräche absolut korrekt und fair verlaufen. Der Bundestrainer hat Michael bei einem Treffen am 30. März klar gesagt, dass er nicht mehr mit ihm plant". Für Michael Ballack sei dies sicher eine schwierige Situation gewesen, "denn er selber hat ja darauf gesetzt, nach seinen schweren Verletzungen doch wieder in die Nationalmannschaft zurückzukehren". Dieser Version widerspricht Ballack vehement. Niersbach sei außerdem bei keinem einzigen Gespräch von ihm mit Löw dabei gewesen.

Allerdings hatte selbst der nicht gerade als Ballack-Freund geltende Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff in einer TV-Sendung gewettet, der 34 Jahre alte Mittelfeldspieler würde wieder für die DFB-Elf auflaufen. Diese und andere öffentliche Aussagen aus DFB-Kreisen hatten Ballack offenbar veranlasst, auch in den letzten Monaten noch an ein Comeback in der Nationalelf zu glauben.

Quelle: n-tv.de, Marc Schmidt und Ralph Durry, sid

Mehr zum Thema